Dienstag, 24. April 2007

Charles Robert D. - Ein Nachruf


Vor gut 125 Jahren - am 26. April 1882 wurde Charles Robert Darwin in der Londoner Westminster Abbey bestattet. Am 19. April des selben Jahres verstarb Charles Robert Darwin im Londoner Stadtteil Downe im Alter von 73 Jahren. Obwohl sein Beitrag zur westlichen Zivilisation zu diesem Zeitpunkt aus zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen inclusive berühmter Werke wie "Die Entstehung der Arten" und "Die Abstammung des Menschen" bestand, wird heute der 12. Februar als "Darwin Day" mit Evolutionshymnen und Stammbäumen aus Schokolade gefeiert, der Tag, an dem Darwins Beitrag zur westlichen Zivilisation vor allem aus einem ungehemmten Schreien bestand. Die Herausgabe von "Die Entstehung der Arten" am 24. November 1859 wird als "Evolution Day" begangen. Einige christliche Kirchen feiern den Sonntag, der Darwins Geburtstag am nächsten liegt, als "Evolution Sunday". 2009 wird sowohl das 150. Jubiläum der Veröffentlichung von "Die Entstehung der Arten" gefeiert, als auch der 200. Geburtstag von Charles Robert Darwin.

Am 23. Juni jährt sich zudem der Todestag von Charles Robert Darwins Schildkröte Harriet zum ersten Mal, die 2006 im Alter von 176 Jahren im Australia-Zoo im nordöstlichen australischen Bundesstaat Queensland an Herzversagen verstarb. Falls entsprechende Pläne nicht bereits vorliegen, sei hiermit der 23. Juni als offizieller Harriet-Day vorgeschlagen.

Am 19. April 1882 hörte Charles Robert Darwin also auf zu existieren - Was an dieser Stelle Anlaß zu folgender Frage sein soll: Was wäre, wenn er nie existiert hätte? Darwins Evolutionstheorie beruhte - wie so viele Theorien und Erfindungen - auf zahlreichen, ihm vorangegangenen Arbeiten und Beobachtungen. Bereits sein Großvater, der Naturwissenschaftler, Erfinder und Poet Erasmus Darwin formulierte in seinem Werk Zoonomia die Idee, dass alles Lebendige von einem gemeinsamen Vorfahren abstamme - für ihn mikroskopisch kleine Muscheln - und sich somit ein Stammbaum aller Lebensformen konstruieren lassen müsse. Zeitgleich mit Charles Darwin entwickelte Alfred Russel Wallace die Theorie einer natürlichen Ursache für Evolution durch graduelle Variation und natürliche Selektion.

Die Annahme liegt nahe, dass die Zeit einfach reif war für eine Theorie, wie sie Darwin formulierte. Und vielleicht erntete Darwin allen Ruhm, weil er einen einmaligeren und zur Ikonenbildung geigneteren Namen hatte als Wallace. Alfred Russel Wallace hätte mit Edgar Wallace konkurrieren müssen, und vielleicht hätte man später "Der Frosch mit der Maske" für einen Dokumentarfilm über Mimikry unter Amphibien gehalten -- während der Name Darwin - abgesehen vom heute eher vergessenen Erasmus Darwin - etwas einmaliges hat. Er geht leicht über die Lippen - man denke an Darwin im Kreuzverhör, Darwins Irrtum, Darwins Alptraum, etc. - und enthält zudem das englische Wort 'win'.

Eine eindeutigere Antwort liefern aber vielleicht diejenigen, die heute Darwins Theorie zu widerlegen versuchen. Wissenschaftler, die den Gedanken einer gemeinsamen, rein naturalistisch erklärbaren Abstammung allen Lebens auf der Erde anzweifeln. Die Annahme übernatürlicher Wirkprinzipien - wie sie für Newton, Kepler und Co. noch selbstverständlich war - gilt heute als unwissenschaftlich, als intellektuelle Bankrott-Erklärung.

Was aber resultiert aus dem Ausschluß übernatürlicher Wirkprinzipien im Bereich der Biologie? Was wäre geschehen, wenn man die "Arbeitshypothese Gott" in der Astronomie und der Physik erfolgreich aufgegeben, aber nur in der Biologie keine befriedigende naturalstische Alternative gefunden hätte? Also kein Survival of the fittest, etc? Hätten sich Biologen für intellektuell bankrott erklären lassen? Ich glaube eher, man hätte die "Hypothese Gott" auch in der Biologie aufgegeben, und zwar auch ohne eine befriedigende Alternative. Hätte man sich dann nicht die Lebensformen angesehen und angenommen, dass die komplexeren auf die einfacheren zurückzuführen sein müssten? Und die einfacheren wiederum auf chemische Prozesse unbelebter Materie? Und würde man nicht jede Fähigkeit von Lebewesen zur Veränderung grundsätzlich als Beweis für eine gemeinsame, realgenetische Abstammung sehen, als Mechanismen, die man nur richtig extrapolieren muss? Wäre die Abstammung des Menschen von primatenartigen Säugetieren nicht weniger eine Theorie, sondern vielmehr die einzig logische Konsequenz einer naturalistisch-wissenschaftlich betriebenen Biologie? Und das alles ohne Charles Robert Darwin?

1 Kommentar:

Christoph Heilig hat gesagt…

sehr angenehm zu lesender text! Sehr schön!