Montag, 15. November 2010

TV-Tip

Heute wurde vom SWR die erste Folge der deutschen Science-Fiction-Serie Alpha 0.7 ausgestrahlt. Wiederholt wird sie am 16.11. vom MDR und am 18.11. von Arte, jeweils 0:20 Uhr. Die Miniserie spielt im Deutschland des Jahres 2017; auf einem EU-Sicherheitsgipfel soll der europaweite Einsatz eines sogenannten Brainscanners beschlossen werden.

Die erste Folge macht einen spannenden Eindruck. Intelligente SF-Szenarien sind im GEZ-finanzierten Fernsehen leider selten geworden, wenn man an herausragende und preisgekrönte Filme und Serien der Vergangenheit denkt, wie R.W. Fassbinders Welt am Draht oder die Fernsehproduktionen von Rainer Erler in den Siebziger Jahren.

Interessant ist vor allem, dass sich die Kritik an neurowissenschaftlichen Paradigmen und Entwicklungen nicht auf den Aspekt der möglichen Überwachung beschränkt. So heißt es auf der Internetseite zur Serie:

Denn mit dem Siegeszug der Neurowissenschaften hat sich – analog zum Ende der Unschuldsvermutung – mehr und mehr ein neues Menschenbild durchgesetzt, das weit von den einstigen Idealen des Humanismus entfernt ist.

Nach diesem Menschenbild, ist der Wille des Menschen nicht frei, sondern durch die neuronale Struktur seines Gehirns, die Verknüpfung seiner Nervenzellen, vorherbestimmt.


Eine rein naturalistische, deterministische Betrachtung des menschlichen Geistes als Widerspruch zu den Idealen des Humanismus - das ist schon bemerkenswert. Zu Gehirnscannern, die aus der Entfernung buchstäblich Gedanken lesen können, ist es sicherlich noch ein weiter Weg, wenn soetwas überhaupt je Realität wird. Gewisse Erregungszustände, beispielsweise die Anspannung eines Terroristen beim Einchecken, können dagegen schon über funktionelle bildgebende Verfahren erkannt werden. Allerdings werden derartige Techniken nicht mit dem Verweis auf Sicherheit und Terrorabwehr realisiert, sondern vor allem mit der Begründung, psychische Erkrankungen, Alzheimer, etc., behandeln zu können. Und da wird potentielle Kritik schon schwieriger, denn wer möchte schon als wissenschaftsfeindlich gelten oder den "Wissenschaftsstandort Deutschland" gefährden...

1 Kommentar:

Nathanael Kyp hat gesagt…

Guter Tipp! Ich hätte eigentlich weniger erwartet, war aber durchaus angenehm überrascht.