Samstag, 11. Oktober 2008

Der Kommentar des Tages

...wäre vielleicht eine interesante neue Kathegorie. Kam mir zumindest gestern in den Sinn, als ich den obligatorischen, wissenschaftlich verpackten 'Sex sells'-Aufmacher bei gmx/web.de mit entsprechenden Kommentaren dazu las: Frauen sprechen vor dem Eisprung mit höherer Stimme. Wie üblich wird in den ersten 50 Kommentaren über Sinn oder Unsinn solcher Studien debattiert, aber folgenden Beitrag fand ich dann doch ganz interessant:

Diese Studie ist doch nur ein kleiner Baustein in einer ganzen Reihe von Studien und Experimenten die zeigen das die "Liebe" nur dem Zweck der Vermehrung folgt. Die ganzen romantischen Vorstellungen, die sich die Menschheit davon gemacht hat, waren nur Hirngespinste.

Trotzdem kommen noch immer gerade Frauen mit Sprüchen wie "die Chemie muss stimmen", "er muss einfach zu mir passen", "auf die Persönlichkeit kommt es an", "er muss mit beiden Beinen im Leben stehen" usw usw bla bla bla

Viel Spaß noch mit eurem Selbstbetrug, der wird die nächsten Jahre schrittweise demontiert...

Da rollt also noch einiges auf uns zu. Ein paar Seiten weiter wird allerdings dagegengehalten: Ja, und? Ist doch spannend, was unser Körper alles anstellt, um ans Ziel zu gelangen. Deswegen ist doch die Idee einer romantischen Liebe nicht gleich totaler Blödsinn. Dass wir unbemerkt den verschiedensten Signalen folgen ist das Eine - wie wir dann in der Beziehung miteinander umgehen, ob wir z.B. weiterhin allen fremden Reizen folgen oder lieber Abmachungen beherzigen, die eher ethischer als chemischer Natur sind, das können wir immer noch steuern. Dafür sind wir ja vernunftbegabt. Die meisten zumindest.

Nur, was ist, wenn eine neue Studie nahelegt, dass Abmachungen ethischer Natur auch nur romantischer Selbstbetrug sind und auf Chemie beruhen, und die Steuerung durch die Vernunft nur ein weiteres Hirngespinst? Dann geht der ganze Frust wieder von vorne los. Aber vielleicht liegt eine gewisse Romantik dann in der Frage, was sich unser von Mutter Natur geformter 3,5 Milliarden alter Körper für uns ausgedacht hat: Lässt uns der innere Fisch eher auf Mädchen mit feuchten Händen stehen, oder siegt doch der Einzeller mit seinem Sinn für Symmetrien? Es bleibt also spannend...

Kommentare:

Christoph Heilig hat gesagt…

Erinnert mich irgendwie an diesen Uralt-Beitrag von mir: http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2006/10/was-die-evolution-alles-erklren-kann.html

:-)

kornberger hat gesagt…

Hallo Martin, noch ein Tipp am Rande, egal wie es mal kommt: „Es gibt keinen Aspekt des menschlichen Lebens, für den ein Verständnis der Evolution nicht eine unabdingbare Notwendigkeit darstellt" (George C. Williams). Zur Abwechslung halt.....man will ja nicht immer nur Dobzhansky bemühen.....;-)

Martin Funke hat gesagt…

Hallo! Ja, mit diesem Wissen fühlt man sich gleich besser. Wenn man mal nicht weiter weiß, kann man sich damit trösten, dass im Lichte der Evolution doch alles einen Sinn ergibt. Danke, Charles! :)

Jules Winfield hat gesagt…

"Nur, was ist, wenn eine neue Studie nahelegt, dass Abmachungen ethischer Natur auch nur romantischer Selbstbetrug sind und auf Chemie beruhen"

Diese Studien sind im Prinzip schon da - im Zuge von Gender Mainstreaming wird der Mensch samt seiner Geschlechtszugehörigkeit auf Chemie und Prägung reduziert. Nicht nur die Bindung zwischen den Geschlechtern wird hier auf reine Funktion reduziert, sondern das Geschlecht an sich wird hinterfragt und nahe gelegt, dass dieses nur ein Hirngespinnst sei.

Martin Funke hat gesagt…

Jo, das stimmt. Erschreckend ist für mich immer wieder, welche Kollateralschäden die meisten Menschen beim Siegeszug des Materialismus und im Kampf gegen die schlimmen Kreationisten in Kauf nehmen. Liebe, Romantik, freier Wille, Gerechtigkeit, jeglicher höhere Sinn, etc., alles geht gepflegt den Bach runter. Insofern ist der zitierte Kommentar eigentlich überhaupt nicht komisch, eigentlich ist er todernst...