Dienstag, 10. August 2010

Neues aus der Traumfabrik

Ab und zu gehe ich hier auch auf aktuelle Kinoproduktionen ein. In diesem Sinne möchte ich auf einen der kreativsten und faszinierendsten Filme hinweisen, die ich bisher gesehen habe: Inception, von Regisseur Christopher Nolan. Thema des Science-Fiction-Films sind Träume. In einer nahen Zukunft existiert eine Technologie, die es erlaubt, in die Träume anderer Personen einzusteigen und diese zu manipulieren. Ausgehend von einigen Prämissen, die wohl jeder aus seinen nächtlichen Trips kennt, entwickelt Nolan ein ebenso komplexes wie spektakuläres Szenario.

Warum ich den Film auf dieser Seite für erwähnenswert halte, ist die Art, wie Inception das menschliche Gehirn zum eigentlichen "Science-Fiction-Device" der Handlung macht. Der Film ist im Grunde eine Hommage an die Kraft des Geistes und der Phantasie, und damit natürlich auch an das Medium Film, das von allen Kunstformen dem Traum bisher am nächsten kommt. Träume sind eigentlich eines dieser Phänomene, die uns im Alltag selbstverständlich geworden sind, die bei näherer Betrachtung jedoch zum Staunen anregen. Wie im Film angedeutet wird, übernimmt das Gehirn hier gleichzeitig die Rollen von Konstrukteuren der Bild- und Handlungswelt einer Simulation sowie des Handelnden selbst; ist also praktisch Spieledesigner und Spieler in einem. Und kreiert innerhalb weniger Minuten komplexe Szenarien, wie man das aus kurzen Mittagsschläfchen kennt.

Diese empfundene Zeitdifferenz sowie das Phänomen, dass man manchmal im Traum aufzuwachen glaubt, bilden zwei der Grundprämissen von Inception. Letzteres erlebe ich in letzter Zeit relativ häufig. Im Film haben die Protagonisten diverse Tricks, anhand derer sie erkennen, dass sie gerade träumen. Bei mir ist das mittlerweile das Phänomen, dass ich im Traum fliegen kann. (Was ja damit erklärt wird, dass man im Liegen ein Gefühl der Schwerelosigkeit hat; das Gleichgewichtsgefühl des Träumers ist übrigens eine weitere Prämisse des Films) Kann ich die Schwerkraft überwinden, weiß ich, dass ich mich mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Traum befinde (wobei, man weiß ja nie... ). Ab diesem Zeitpunkt kann ich dann lucid träumen, also den Traum aktiv gestalten, und versuchen, aufzuwachen. Was allerdings nicht garantiert, dass ich dann tatsächlich aufwache, und nicht nur träume, aufzuwachen...

Das sind so die Momente, in denen man als ID-Geschädigter fragt, ob diese unglaublich komplexe Wahrnehmungs- und Simulationsmaschine als "Unfall der Natur", der "dennoch funktioniert" (!), wirklich hinreichend beschrieben ist, wie man es in der Tradition Darwinschen negativen Denkens versucht...

1 Kommentar:

Nathanael Kyp hat gesagt…

Nach den heutigen Erklärungsmodellen für Träume hätte man tatsächlich ein Operating System*, das sich selbst programiert hätte und auf der Simulationen laufen, die sich durch die Hauptsoftware (die auch von selbst entstanden wäre), die den Input anderer Gehirnregionen verwertet, selbst erstellen.
Was für ein Märchen.

Den Film fand ich übrigens auch sehr anregend und hat auch mir Potentiale vor Augen gehalten, die wir erstaunlicher- und wunderbarerweise besitzen.

Viele Grüße

*Das OS in der Metapher ist die Traumfähigkeit.