Sonntag, 4. Oktober 2009

TV-Tip

Heute, 20:15 Uhr: Das Genie der Natur, Teil 1 von 3 auf 3Sat.

Aus der Beschreibung:
Wie verblüffend intelligent die Konstruktionspläne des Lebens sein können, zeigt diese dreiteilige Serie über die wunderbare Welt der Bionik.
Und ganz wichtig: Beim Zuschauen ständig dran denken, dass Begriffe wie Genie, intelligent oder Konstruktionsplan nur metaphorisch gemeint sind! Evolutionsbefürworter kommen nicht umhin, solche Begriffe zu benutzen, obwohl sie es eigentlich nicht wollen, bzw. oft das Gegenteil meinen. (Also so eine Art Tourette-Syndrom...)

Samstag, 3. Oktober 2009

Von Frauen und Kaulquappen

Am vergangenen Wochenende fand in Berlin wieder einmal ein Schweigemarsch - "Marsch für das Leben" genannt - gegen Abtreibung statt. Das Ausmaß des sogenannten Gegenprotests nahm diesmal jedoch traurige und erschreckende Züge an - selbst für jemanden wie mich, der sich an dem Marsch nicht beteiligt hat.

Die Beschreibung dieses Gegenprotests beim Humanistischen Pressedienst ist von Zynismus nur so durchtränkt. Man beschwert sich darüber, dass die massive Störung einer völlig legalen und völlig gewaltfreien Demonstration von Polizisten behindert wird - was eigentlich selbstverständlich sein sollte und in noch stärkerem Ausmaß wünschenswert wäre ("Die euphorische Stimmung wurde jedoch durch die zahlreiche Anwesenheit von Polizisten getrübt"). Die Slogans der Linksradikalen waren auf maximale Verletzung der Gefühle der Marschteilnehmer angelegt ("Hätt Maria abgetrieben, wär uns das erspart geblieben" (!) oder "Föten zu Pflugscharen" [sic]) bei gleichzeitiger Abwesenheit vernünftiger Argumente, was ein interessantes Licht darauf wirft, was die selbsternannten "Humanisten" unter Humanismus verstehen, und wie human sie mit denen umgehen, die nicht ihr Konzept von Humanität teilen. Dass unter den Marschteilnehmern auch zahlreiche Kinder und ältere Menschen waren, störte die Linksradikalen dementsprechend wenig. Im Gegenteil, der Psychoterror "zeugte von der positiv geladenen, emanzipatorischen Stimmung der Pro-Choice Demonstranten". Einer Frau, die über negative Erfahrungen mit einer Abtreibung berichtet, wird von der Verfasserin (!) mal eben psychische Labilität unterstellt. Dass Abtreibungsgegner regelmäßig in die rechte Ecke gestellt werden, als "Frauenfeinde" bezeichnet werden (Mütter und ihre Kinder dabei potentiell als Gegner ausgespielt werden, getreu dem Motto 'Wer für das Kind ist, ist gegen die Mutter') und der Mord an einem Abtreibungsarzt in den USA erwähnt wird, ist dabei schon Usus der Berichterstattung.

Höhepunkt der "euporischen" und "positiv-geladenen" Stimmung war schließlich die öffentliche Verbrennung einer Bibel. Spätestens hier muss man an Heine und sein berühmtes Zitat über Menschen, die Bücher verbrennen, denken. Oder auch an George Orwells 1984, in dem er die systematische Pervertierung von Begriffen und Werten vorwegnimmt (Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei). Eine Organisation, die sich selbst "Pro Familia" nennt, beteiligt sich aktiv an einer Demonstration gegen "religiöse Dogmen" wie "Familienzentriertheit"; selbsternannte "Humanisten" versuchen, ihre Gegner möglichst schmerzhaft unter der Gürtellinie zu treffen; und selbsternannte "Antifaschisten" praktizieren letztlich sogar die Rituale von Nationalsozialisten.

Wie eng diese radikale Ideologie mit der Idee einer allgemeinen Evolution verflochten ist, zeigt der Text einer jungen Frau, der auf der Internetseite der Linken in Schleswig-Holstein veröffentlicht wurde, nach kritischen Stimmen (siehe hier oder hier) jedoch wieder entfernt werden musste. Darin fielen interessante Sätze wie: "Ein Embryo/Fötus befindet sich in einem Zustand der Dämmerung, etwa vergleichbar mit dem unbewussten Gefühlsleben einer Pflanze." oder "Er ist kein Individuum und befindet sich im besten Falle auf der evolutionären Stufe mit einer Kaulquappe, aber ganz sicher nicht mit einem Menschen" oder auch "Behinderte Menschen liegen dem Sozialstaat auf der Tasche, werden seit Menschengedenken als unnütze Esser betrachtet".

Mittwoch, 16. September 2009

Schlange mit Hand schockt Wissenschaftler

Gerade entdeckt: Snake born with hand shocks scientists

Gruselig... (Bildquelle: news.ninemsn.com.au)

Dienstag, 15. September 2009

Riesen-Faustkeile

Durch grenz|wissenschaft-aktuell wurde ich auf eine Meldung der Oxford University aufmerksam, wonach steinzeitliche Werkzeuge in einem ausgetrockneten See in Botswana gefunden wurden, darunter auch Faustkeile mit Maßen von bis zu 30 cm. Leider findet sich in der Meldung kein Kommentar, was die Archäologen über diese überdimensionale Werkzeuge denken - was für archäologische Laien wohl der interessanteste Part gewesen wäre. Stattdessen die sensationelle Erkenntnis, dass Seen wohl auch im ausgetrockneten Zustand für frühere Menschen interessant waren. Sicherlich deutet man das als steinzeitlichen Vorschlaghammer, als Opfergabe für Thor oder im Zweifelsfall als rituelles Kultobjekt.*

Zumindest der vordere Faustkeil würde durch die Querrillen ganz gut in der Hand liegen... (Bildquelle: www.ox.ac.uk)

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* Da unsere Vorfahren ja auch gern vollbusige Figuren bastelten, sicherlich ein Phallussymbol

Dennis Danielson in Spektrum der Wissenschaft

Beim durchblättern der aktuellen Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft fiel mir ein Artikel von Dennis Danielson auf, indem er unter anderem schreibt, dass Kopernikus' heliozentrisches Weltbild seinerzeit nicht als Kränkung oder Demütigung empfunden wurde - oder, wie Freud es ausdrückte, als Zerstörung einer narzißtischen Illusion - sondern im Gegenteil eher als Aufwertung der menschlichen Stellung im Kosmos.

Bereits im Bonusmaterial von Der privilegierte Planet war Danielson auf diesen modernen Mythos eingegangen. Auch über das dem Film zugrundeliegende Buch hatte sich Danielson positiv geäußert:
"Impressively researched and lucidly written, The Privileged Planet will surely rattle if not finally dislodge a pet assumption held by many interpreters of modern science: the so-called Copernican Principle (which isn't actually very Copernican!). But Gonzalez and Richards' argument, though controversial, is so carefully and moderately presented that any reasonable critique of it must itself address the astonishing evidence which has for so long somehow escaped our notice. I therefore expect this book to renew-and to raise to a new level-the whole scientific and philosophic debate about earth's cosmic significance. It is a high class piece of work that deserves the widest possible audience."
Wer weiß, vielleicht findet sich ja in Zukunft noch das eine oder andere Argument aus TPP in ansonsten dem wissenschaftlichen Mainstream untergeordneten Magazinen wieder...

Samstag, 12. September 2009

Mensch-Tier-Konflikte

Kürzlich bin ich über einen sehr interessanten Artikel von Welt Online gestoßen, der allerdings mittlerweile schon ein gutes Jahr alt ist. Unter der Überschrift Übergriffe von Wildtieren auf Menschen nehmen zu wird ein ebenso bemerkenswertes wie erschreckendes Bild gezeichnet.

Zitate:
„Die Vorfälle, in denen Mensch und Tier aneinandergeraten, nehmen seit etwa zehn Jahren zu“, sagt die kalifornische Wissenschaftlerin Gay Bradshaw.
und
Aber nicht nur Elefanten reagieren zunehmend aggressiv auf Menschen: Behörden in den USA und Kanada registrieren besorgt deutlich mehr Angriffe von Berglöwen, Füchsen, Wölfen auf Menschen. Rumänien und Kolumbien zählen mehr Übergriffe durch Bären. Aus Sierra Leone und Uganda kommen Berichte von Schimpansen, die Menschen schwer verletzten und töten – und das, obwohl unsere nächsten biologischen Verwandten „so gut wie nie Personen angreifen“, wie der „New Scientist“ schreibt. Und die „Los Angeles Times“ berichtet, dass es weltweit seit dem Jahr 2000 doppelt so viele tödliche Hai-Attacken gab wie in den letzten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts. Einen ähnlichen Trend beobachtet der Australier Scoresby Shepherd. Der Biologe machte darauf aufmerksam, dass Gegenden, die für drei bis vier Hai-Angriffe in zehn Jahren bekannt sind, inzwischen mindestens einmal im Jahr heimgesucht werden.
Human-Elephant-Conflicts scheinen also schon seit längerem ein Problem in Afrika und Indien zu sein, während es die allgemeineren Human-Animal-Conflicts bisher noch nicht mal zu einem eigenen wikipedia-Eintrag geschafft haben. Überhaupt findet sich im www leider relativ wenig zu diesem Thema. Das googeln zu Gay Bradshaw führte immerhin zu einem aufschlussreichen Interview. Kurzer Auszug:

Frau Bradshaw, was ist mit den Elefanten los?
Sie reagieren nicht mehr artgerecht. In Indien und in Afrika trampeln sie Dörfer nieder, zerstören. Oder einer der seltsamsten Vorfälle, in Südafrika: Dort haben 1995 ein paar junge Elefantenbullen über 100 Rhinozerosse vergewaltigt, getötet. So etwas hat es noch nie gegeben. Dass Elefanten das Morden beginnen. Es kommt vor, dass beide Tierarten sich in der Natur gegenüberstehen und es zu einer Konfrontation kommt. Aber solche Zwischenfälle enden selten mit dem Tod.
Auch zu Scoresby Sheperd wurde ich fündig. Der Biologe hält es für möglich, dass Haie Menschen in ihr Beuteschema aufnehmen könnten. (Are sharks switching pray to humans?) Angriffe von Haien wurden bisher in der Regel dadurch erklärt, dass sie Menschen mit anderen Tieren verwechselten. Etwas ähnliches hält laut dieser Seite ein Wissenschaftler für Pumas für möglich:
"There has been a huge increase in the opportunities pumas have to observe people," Lee Fitzhugh, of the University of California, told New Scientist. "Cats have to learn what's prey and what's not - it's not instinctive. They spend time observing a strange creature before they decide how to classify it."

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Der Amoklauf der Elephanten: Warum Dickhäuter immer aggressiver werden

Deadly attacks shed light on Indonesia´a human-animal conflicts

Freitag, 21. August 2009

Das perfekte Verbrechen

Leider schon etwas länger her - am 7. August mit Wiederholung am 16. August - lief in der ProSieben-Sendung Galileo Mystery ein ganz interessanter Beitrag mit dem Titel "Wetter - Die gefährlichste Waffe der Welt". (Hier der Link dazu, mit Video-Zusammenfassung der Sendung) Wetter und Wetterbeeinflussung sind im Zusammenhang mit ID nicht ganz uninteressant, nicht zuletzt seit einem Artikel von Hansjörg Hemminger (Wir erinnern uns: Der evangelische Sektenexperte, der mit erklärten Religionsgegnern zusammenarbeitet, um gegen andersgläubige Mitchristen zu polemisieren) und einem Kommentar dazu von Markus Rammerstorfer.

In dem Galileo-Beitrag ging es um die gezielte Beeinflussung des Zufallsgeschehens Wetter sowie um den nachträglichen Nachweis desselben - leider wie immer in einer etwas übertrieben reißerisch wirkenden Aufmachung. Schon die Beschreibung der Sendung klingt verdächtig nach ID:

Doch aus dem Schauergebiet, das sich über 300 Kilometer erstreckte, fiel kein Tropfen Regen. Das versetzte den Meteorologen Brandt und seine Kollegen in Alarm.

Denn: eine natürliche Erklärung für dieses Phänomen gibt es nicht. Jemand musste diese "Geisterwolken" erschaffen haben - und niemand außer dem Militär hätte die Möglichkeit dazu.

Na sowas, ein ignoranter, fauler Meteorologe, der nicht weiter nach einer möglichen natürlichen Erklärung suchen will? Das Militär als Lückenbüßer? Im Beitrag wird schließlich die englische Stadt Lynmouth erwähnt, in der es 1952 zu einer Flutkatastrophe mit 32 Toten kam, nach stundenlangen Regenfällen. Indizien auf ein Wetterexperiment des Militärs sind - neben der Ungewöhnlichkeit der Katastrophe - ein ehemaliger Pilot als Zeuge und entsprechende Militär-Akten. Als letztlicher Beweis sollten im Galileo-Beitrag dann jedoch Spuren im Erdboden von Silberiodid in der Nähe von Lynmouth dienen - nur leider wurden keine gefunden.

Im Zusammenhang mit ID wird von vielen Kritikern - und mittlerweile auch von Befürwortern - erklärt, dass ein Nachweis von intentionalem Design nur möglich wäre, wenn man wenigstens etwas über die Methode des Designens voraussetzen würde. Im Falle der Lynmouth-Katastrophe hätte die bekannte Methode der Wolkenimpfung mit Silberiodid zum eindeutigen Beweis der Manipulation geführt. Was ist jedoch - mal rein hypothetisch - wenn Militärs heutzutage das Wetter mit einer Technologie beeinflussen, die geheim ist und daher den meisten Meteorologen unbekannt. Gemäß der Logik, dass eine intentionale Beeinflussung von natürlichen Vorgängen nur eindeutig nachgewiesen werden kann, wenn etwas über den Urheber und seine Methode bekannt ist, wäre das dann das perfekte Verbrechen - trotz eventueller Indizien.

Mittwoch, 19. August 2009

Zurück aus dem Urlaub

Den diesjährigen Urlaub habe ich leider schon wieder hinter mir, dieses Mal in den bayrischen Voralpen. Vielleicht poste ich später noch ein paar Bilder dazu, eventuell mit geologischem Bezug, da ich irgendwie doch eher ungern off-topic werde. Vorerst hier aber erstmal eine kleine, sensationelle Entdeckung im Lieblingsschloß Linderhof von Ludwig II., dem Michael Jackson des neunzehnten Jahrhunderts. Und zwar gibt es dort evolvierte Kronleuchter. Diese Leuchter besitzen zwar Kerzen, diese wurden jedoch nie angezündet, um die Deckengemälde nicht durch Ruß zu beschädigen. Produzieren intelligente Designer solch unüberlegte und nutzlose Konstruktionen? Wohl kaum. Ergo müssen diese Leuchter allmählich durch natürliche Prozesse aus der Decke herausgewachsen sein. Ich frage mich, wann die ersten Wissenschaftler in Linderhof eintreffen...

Freitag, 31. Juli 2009

Immer wieder faszinierend...

... sind oft evolutionäre "Erklärungen", die Biologen gegenüber Laien äußern. Wie zum Beispiel diese, auf die ich zufällig gestoßen bin. Da fragt jemand: Wie genau entsteht die Kalkhülle (Schale) beim Hühnerei? Wie bildet sich die ovale Form? Antwort des Diplom-Biologen:
Die harte Schale der Eier von Amphibien, Reptilien und auch von Vögeln ist eine Anpassung der Tiere an das Leben an Land. Als die ersten Tiergruppen das Wasser verließen, wurden sie vor mehrere Probleme gestellt: Der heranwachsende Embryo musste gegen die äußeren Einflüsse geschützt werden, vor allem vor dem Austrocknen, aber auch vor Erschütterungen. Er erhielt darum eine stabile Schale, die aber porös genug ist, um Luft durchzulassen.
Mal abgesehen davon, dass diese Information eigentlich völlig überflüssig ist für die Beantwortung der eigentlichen Fragen, stellt sich die Frage: Wer genau musste den heranwachsenden Embryo gegen die äußeren Einflüsse an Land schützen? Die Tiere selbst? Wollten die unbedingt an Land, so ähnlich wie Columbus nach Indien wollte, oder die Amerikaner auf den Mond? Oder "die Natur"? Das würde so ziemlich auf dasselbe hinauslaufen, denn die Tiere gehören ja zu eben dieser Natur.

Seltsamerweise klingen derartige Formulierungen immer etwas lamarckistisch, auf jeden Fall aber teleologisch. Insofern wird auch verständlich, warum oft behauptet wird, mit Darwin und Co. könne man "im Prinzip" alles erklären, wie beispielsweise Thomas Junker: "Warum ist sie [die Idee einer göttlichen Planung] überflüssig? Weil wir die Selektionstheorie haben, seit Darwin, die kann eigentlich alle Phänomene, die wir erklären wollen in der Biologie, die in den Bereich fallen, erklären." Beziehungsweise, weil wir die Planung einfach einer ominösen, personifizierten Natur in die Schuhe schieben.

Samstag, 18. Juli 2009

Ferien mit Richard

"Give Richard Dawkins a child for a week’s summer camp and he will try to give you an atheist for life", schreibt timesonline über Richard Dawkins´ finanzielle Unterstützung des ersten atheistischen Sommercamps in Groß-Britannien. Singen sollen die Kinder vor allem Imagine von John Lennon.

Dawkins Motivation: “encourage children to think for themselves, sceptically and rationally”. Ob das 'sceptically' auch die Idee einer allgemeinen Evolution einschließen wird, und das 'rationally' anhand der Funktionsweise von Hirnstrukturen erläutert werden wird?