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Donnerstag, 4. November 2010

früher Stinkefinger

Anhand von Studien der Fingerlängen wollen britische und kanadische Forscherinnen unter Leitung von Emma Nelson nachweisen, dass Neandertaler sexuell eher aggressiv und maßlos waren. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der Zeigefinger im Verhältnis zum Ringfinger kürzer ist, wenn der Fötus im Mutterleib einer höheren Konzentration männlicher Sexualhormone ausgesetzt ist (zumindest bei rezenten Hominiden).


Copyright: welt online

Meine Zeigefinger sind vier Millimeter länger als die Ringfinger. Ob das noch im grünen Bereich ist... ?

Welt online: Aggression und maßloser Sex bei Neandertalern

Digit ratios predict polygyny in early apes, ...

Mittwoch, 22. September 2010

Spekulationen über verwundeten Neandertaler

Vor etwas über einem Jahr konnte man Schlagzeilen wie "Wurfspeer eines modernen Menschen tötete Neandertaler" lesen, bzw. entsprechende TV-Beiträge sehen. Die Erkenntnisse dahinter waren allerdings wesentlich spekulativer, als es die recht reißerischen Headlines vermuten ließen.

Ausgangspunkt ist die Rippenverletzung eines Neandertalerskeletts aus der Shanidar-Höhle im Irak. Interessanterweise zitiert Jack Cuozzo dazu aus der Originalpublikation von Erik Trinkaus von 1983, dass die entsprechende Wunde zum Teil verheilt war: "All twelve right ribs and at least eight of the left ribs (numbers 1-3, 6-9, and 11) are preserved with major portions of seven right ribs ( numbers 2,3,5-9) and four left ribs (numbers 3, 7-9) represented. One rib, 9 left, exhibits a partially healed wound." Eine teilweise verheilte Wunde lässt nun darauf schließen, dass zwischen Verletzung und Tod eine nicht geringe Zeit verging. Damit wäre fraglich, ob die Verletzung wirklich zum Tode geführt hat, zumal andere Skelette in Shanidor Verletzungen zeigen, die offenbar gut gepflegt und verheilt waren. (Auf dieser Seite kommentiert man den Umstand einfach so: "At the time of his death, the gouge in his bone had started to heal. He was one tough guy.")

Anhand dieser Wunde stellte man durch entsprechende Versuche fest, dass sie wahrscheinlich von einem Wurfspeer stammt. Und diese sollen die Neandertaler zu dieser Zeit noch nicht benutzt haben. Gerade dahinter kann man jedoch ein Fragezeichen setzen, immerhin wurde das, was man Neandertalern biologisch, technisch und kulturell zutraute, im Lauf der Geschichte kontinuierlich nach oben korrigiert. So entdeckte man erst Anfang des Jahres in einer Höhle in Südspanien bearbeitete und pigmentgefärbte Muscheln. Entgegen früherer Annahmen hat der Neandertaler diese Dinge nicht einfach nachgeahmt oder geklaut. Er hatte also sowohl assoziative als auch künstlerische Gedanken, er schminkte sich, stellte Schmuck her, betrieb Hochseeschiffahrt und bestattete seine Mitneandertaler mit Blumen... Insofern würde es denn auch kaum verwundern, wenn zukünftige Funde den Gebrauch von Wurfspeeren für die fragliche Zeit belegen.

Dienstag, 15. September 2009

Riesen-Faustkeile

Durch grenz|wissenschaft-aktuell wurde ich auf eine Meldung der Oxford University aufmerksam, wonach steinzeitliche Werkzeuge in einem ausgetrockneten See in Botswana gefunden wurden, darunter auch Faustkeile mit Maßen von bis zu 30 cm. Leider findet sich in der Meldung kein Kommentar, was die Archäologen über diese überdimensionale Werkzeuge denken - was für archäologische Laien wohl der interessanteste Part gewesen wäre. Stattdessen die sensationelle Erkenntnis, dass Seen wohl auch im ausgetrockneten Zustand für frühere Menschen interessant waren. Sicherlich deutet man das als steinzeitlichen Vorschlaghammer, als Opfergabe für Thor oder im Zweifelsfall als rituelles Kultobjekt.*

Zumindest der vordere Faustkeil würde durch die Querrillen ganz gut in der Hand liegen... (Bildquelle: www.ox.ac.uk)

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* Da unsere Vorfahren ja auch gern vollbusige Figuren bastelten, sicherlich ein Phallussymbol

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Wo ist das Fell hin?

Auch an sich unerfreuliche Diskussionen können manchmal interessante Fragen aufwerfen. So geschehen letzte Woche. Neben den üblichen Vorwürfen an Evolutionskritiker allgemein (u.a. Naivität und mangelnde Logik) und Aufzählung scheinbar nutzloser oder fehlkonzipierter Körperteile (Füße, Blinddarm, etc.) kamen auch Brustbehaarung und Fußnägel zur Sprache. Sie seien nur unter Voraussetzung einer realgenetischen Verwandtschaft mit anderen Säugetieren zu verstehen.

Die Geschichte der Wissenschaft zeigt eigentlich, dass gegebene Fakten oder Daten nie nur durch eine einzige Interpretation erklärt werden können, deshalb stellt sich die Frage, welche Schlüsse man aus der Existenz dieser biologischen Features ziehen kann. Unter Voraussetzung einer Abstammung von Primaten kann man sie als Rudimente von früher nützlichen Errungenschaften sehen: Ganzkörperfell und Krallen. Aber diese Interpretation ist auch mit vielen offenen Fragen verbunden. Wenn Fußnägel beispielsweise nutzlos wären, warum sind sie dann noch genauso ausgeprägt wie Fingernägel, die durch Stabilisierung beim Greifen sehr nützlich sind? Das wäre ein interessanter Aufhänger für Nachforschungen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch sie die Extremitäten-Enden stabilisieren, was bei schnellerem Laufen oder tasten mit den Füßen nützlich sein könnte. (Wahrscheinlich waren sie gar nicht dafür geschaffen, die meiste Zeit des Tages in engen Schuhen zu stecken.) Auch die Restbehaarung hat Funktionen, wie Sensibilisierung der Haut, Herabsetzung der Reibung oder Kanalisierung von Schweißströmen. (Und sicherlich auch ästhetische. Kein Vogel baut sein Nest gern in einem kahlen Baum, heißt es in einem James-Bond-Film mit dem brusthaar-gesegneten Sean Connery ;)

Eine andere offene Frage ist: Warum sollten die Vorfahren des heutigen Menschen überhaupt ihre Ganzkörperbehaarung verloren haben? Solange das nicht plausibel geklärt ist, bleibt der Verweis auf rudimentäre Fellreste argumentativ eher schwach. Das Hauptproblem, mit dem die meisten Erklärungsversuche (wie Savannen- oder Wasseraffentheorie) kämpfen, ist die Einmaligkeit des Verlustes. Wäre Fellverlust ein Vorteil, wäre er auch anderen Säugern widerfahren. Da ein Fell jedoch große Vorteile wie Hitze- und Kälteschutz bietet, sind kaum Vorteile einer Nacktheit zu erdenken, die diese aufwiegen. Zumal wir uns ohne Bedeckung auch gar nicht wohl fühlen und uns die Felle unserer Mitsäuger leihen, bzw. auf andere Weise Fellersatz beschaffen.

Eine andere Merkwürdigkeit der menschlichen Behaarung ist, dass das Kopfhaar lebenslang wächst. Hätten wir keine Technik zum Kürzen der Haare, würden sie irgendwann auf dem Boden schleifen. Haben sich die Frühmenschen überlegt: ‚Ah, wir haben jetzt Messer, jetzt können wir unsere Kophaare wachsen lassen’? Seltsam ist auch, dass Männer kahlköpfig werden, während andere Säuger ihr Fell bis zum Tod behalten. (Wobei Evolutionsbefürworter hier sicher einwenden werden, dass wir wesentlich älter als die meisten Säuger werden.)

Eine Theorie, auf die ich in diversen Foren öfter gestoßen bin, ist die von Oscar Kiss Maerth in seinem Buch „Der Anfang war das Ende“ von 1971 dargelegte. Danach war Kannibalismus der ausschlaggebende Faktor der Menschwerdung. Primaten entdeckten nach Maerth, dass die Gehirne ihrer Artgenossen nach mehr schmeckten und eine verstärkte sexuelle Erregung hervorriefen. Der regelmäßige Hirnkonsum machte sie angeblich intelligenter, führte jedoch auch zu krankhaften Veränderungen wie eben dem unnormalen Haarwuchs und widersprüchliches Verhalten (z.b. Aggression gegen die eigenen Artgenossen, etc.) Das klingt so nihilistisch, dass es für einige sicher eine hohe Plausibilität besitzt. Seriöse Bestätigungen der Theorie findet man im Internet praktisch nicht. In der englischsprachigen wikipedia wird sein Buch pseudowissenschaftlich genannt, er habe die Idee dazu beim Genuss rohen Affenhirns in südostasiatischen Restaurants gehabt.

Der Fellverlust bleibt aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht also mysteriös.