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Samstag, 4. September 2010

Wirbel im Wassertropfen

Vom großen Isaac Newton ist das Zitat "Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean" überliefert. Seit Newton wissen wir sicherlich ein paar Tropfen mehr, während der große Ozean noch ziemlich unbeeindruckt daliegt. Auch wenn heutzutage gern der Eindruck erweckt wird, dass im großen und ganzen bis kurz nach dem Urknall alles prinzipiell geklärt sei, und auch der Urknall selbst demnächst bei Genf nachgestellt wird. (Ein Eindruck, den man wohl in ähnlicher Form auch schon zu Newtons Zeit gern hatte)

Umso mehr verwundert es dann immer, wenn man mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass unser Tropfen Wissen ziemlich sicher ausreichen würden, Gott aus dem großen Ozean auschließen zu können. Zur Zeit scheint Stephen Hawking da in die Fußstapfen von Dawkins und Co. treten zu wollen, mit seinem Buch "Der große Entwurf".

Erst im Juni dieses Jahres hatte beispielsweise eine Studie unter Führung der Universität Bonn Zweifel geweckt, dass es Dunkle Materie gibt. Das Zeug soll neben der ebenso ominösen Dunklen Energie immerhin 23 % des Masseanteils im Universum ausmachen. Angesichts solcher Meldungen mutet ein Satz wie „Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen“ dann doch eher wie ein Glaubensbekenntnis an. Aber ein wenig "sarrazinieren" ist wohl auch in der Wissenschaft üblich...

Dienstag, 15. September 2009

Dennis Danielson in Spektrum der Wissenschaft

Beim durchblättern der aktuellen Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft fiel mir ein Artikel von Dennis Danielson auf, indem er unter anderem schreibt, dass Kopernikus' heliozentrisches Weltbild seinerzeit nicht als Kränkung oder Demütigung empfunden wurde - oder, wie Freud es ausdrückte, als Zerstörung einer narzißtischen Illusion - sondern im Gegenteil eher als Aufwertung der menschlichen Stellung im Kosmos.

Bereits im Bonusmaterial von Der privilegierte Planet war Danielson auf diesen modernen Mythos eingegangen. Auch über das dem Film zugrundeliegende Buch hatte sich Danielson positiv geäußert:
"Impressively researched and lucidly written, The Privileged Planet will surely rattle if not finally dislodge a pet assumption held by many interpreters of modern science: the so-called Copernican Principle (which isn't actually very Copernican!). But Gonzalez and Richards' argument, though controversial, is so carefully and moderately presented that any reasonable critique of it must itself address the astonishing evidence which has for so long somehow escaped our notice. I therefore expect this book to renew-and to raise to a new level-the whole scientific and philosophic debate about earth's cosmic significance. It is a high class piece of work that deserves the widest possible audience."
Wer weiß, vielleicht findet sich ja in Zukunft noch das eine oder andere Argument aus TPP in ansonsten dem wissenschaftlichen Mainstream untergeordneten Magazinen wieder...

Montag, 18. August 2008

Das seltene Sonnensystem

Zu den in dem Dokumentarfilm Der privilegierte Planet erläuterten Argumenten gegen das sogenannte kopernikanische Prinzip gesellte sich jüngst ein weiteres hinzu, das die Entstehung unseres Sonnensystems betrifft.

Das Team um den Astronomen Edward Thommes von der Northwestern University in Evanstone/Illinois veröffentlichten in der jüngsten Ausgabe von Science das Ergebnis von Modellrechnungen zur Entstehung von Sonnensystemen. Demnach ist das "Fenster" für die Entstehung eines Systems wie des unsrigen im Zusammenspiel des Massenverhältnisses zwischen Stern und Staubscheibe und deren Viskosität erstaunlich klein:

“The solar system had to be born under just the right conditions to become this quiet place we see. The vast majority of other planetary systems didn’t have these special properties at birth and became something very different,” sagt Frederic A. Rasio, Professor für Physik und Astronomie an der Northwestern University.



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Astronomers Put Solar System In Perspective: Special Indeed

Freitag, 1. Februar 2008

System-Crash

Die Zeitschrift P.M. berichtet in ihrer neuesten Ausgabe von einem interessanten Forschungsergebnis, das sich aus der Analyse von Material der "Genesis"-Sonde ergibt, die bereits 2004 aufgrund technischer Defekte abstürzte. Geochemiker Bernard Marty verglich die molekulare Signatur der Proben, die geborgen werden konnten, mit denen anderer Proben. Mit einem erstaunlichen Ergebnis:

Danach stammten die inneren, festen Trabanten wie Venus, Erde, Mars aus dieser [ursprünglichen] Solarwolke, die Äußeren Gasriesen wie Jupiter, Saturn, Uranus aus einer anderen. Über die Ursachen gibt es nur Spekulationen: Ist unserer Sonnensystem in der Urzeit mit einem anderen kollidiert und hat die Giganten dabei eingefangen?

Samstag, 5. Mai 2007

Ein Goldlöckchen im Heuhaufen?

Astronomen entdecken zweite Erde - So oder ähnlich lauteten Meldungen in der letzten Woche. (z.B. hier) Ein Team aus schweizerischen, französischen und portugiesischen Forschern fand im Orbit des roten Zwerges Gliese 581 (benannt nach dem deutschen Astronomen Wilhelm Gliese) einen Exoplaneten, auf dem - bei Temperaturen zwischen 0 und 40 Grad Celsius - die Existenz flüssigen Wassers möglich wäre. So weit, so beeindruckend. Einen Körper, dessen Radius nur etwa 50% größer ist als der unserer Erde, in rund 20 Lichtjahren Entfernung auszumachen, ist tatsächlich ein Triumph der Wissenschaft.

Der Planet befindet sich damit in einem Bereich, der als Goldilock-, zu deutsch Goldlöckchen-Zone, bezeichnet wird. Der Begriff soll auf den Astronomen James Lovelock zurückgehen und ist dem Märchen Goldlöckchen und die drei Bären entlehnt. Dort findet ein (natürlich blondes) Mädchen ein Häuschen im Wald mit drei Tellern Brei, drei Stühlen, drei Betten, etc. Jeweils eins davon ist genau richtig für sie, nicht zu klein, nicht zu groß, nicht zu kalt, nicht zu warm. Ebenso anspruchsvoll wie Goldlöckchen ist komplexes Leben. Die Goldlöckchen-Zone beschränkt sich auf einen sehr begrenzten Raum innerhalb einer Galaxie, und selbst dort gibt es bei einem geeigneten Stern immer noch einen sehr engen Bereich, in dem Leben möglich ist.

Don Brownlee, Autor des Buches Unsere einsame Erde. Warum komplexes Leben im Universum unwahrscheinlich ist, drückte es in einem Interview so aus:
„Es gibt diese weit verbreitete Annahme, dass die Natur erdähnliche Planeten hervorbringen möchte, und dass sich natürlicherweise Leben darauf entwickelt, und sich das natürlicherweise zu etwas wie uns entwickelt, und so weiter...

Die Voraussetzungen, die ökologischen Voraussetzungen auf einem Planeten, die mehr komplexes Leben erlauben, wie Menschen, Tiere oder Pflanzen, sind sehr selten.“(1)

Mit Gliese 581 c scheint man nun eine Behausung im großen Wald gefunden zu haben, in der – um bei der Symbolik des Märchens zu bleiben – ein Goldlöckchen zumindest theoretisch wohnen könnte. Eine solche Entdeckung hat grundsätzlich das Potential, die Annahme, wir seien das einzige Goldlöckchen im Wald, obsolet zu machen. Diese philosophische Konnotation erklärt auch das besondere Medienecho. Und sie erklärt auch, dass kritischere Stimmen – die nicht auf einen Erstkontakt mit Glieseanern nach der Erfindung des Warp-Antriebs 2063 wetten würden – dementsprechend ein deutlich geringeres allgemeines Medienecho finden.

In spektrum direkt heißt es unter der Überschrift „Flugtickets zu Gliese 581 c besser stornieren?“:
„Auf Grund der Nähe des Planeten zu seinem Stern, dürfte er vermutlich – wie auch der Erdmond - eine gebundene Rotation aufweisen, das heißt: Immer dieselbe Hemisphäre zeigt in Richtung Sonne. Dadurch kann sich kein starkes Magnetfeld ausbilden und der Planet ist dem Bombardement geladener Teilchen und energiereicher Strahlung, das von dem Stern auf ihn einprasselt, schutzlos ausgeliefert. Zudem rechnen Astronomen im Fall einer Atmosphäre damit, dass durch den großen Temperaturunterschied zwischen Tag- und Nachtseite extreme Windverhältnisse herrschen.“

Selbst wenn der Exoplanet flüssiges Wasser aufweisen sollte – es wäre nur eine Zutat von (momentan) ungefähr geschätzten 20 auf dem Rezept für Leben. Und selbst alle Zutaten auf einem Fleck garantieren noch lange keinen Kuchen.
Vielleicht sollten wir also vorerst – um die Symbolik des guten alten Märchens noch einmal zu strapazieren – anders als das verwöhnte Goldlöckchen unsere Hütte samt Brei und Betten für nicht ganz so beliebig und gewöhnlich halten. (die Rückkehr der Hauseigentümer, einer Ursus-arctos-Familie, und ihre wütende Reaktion sollen hier jedoch unerwähnt bleiben, um die Symbolik dann doch nicht übermäßig zu strapazieren ;)

1) "The privileged Planet", Illustra Media 2004 / "Der privilegierte Planet", Drei Linden Film 2007