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Montag, 14. Februar 2011

Filmtip

Leicht verspätet wünsche ich allen Lesern noch ein schönes und gesundes Jahr 2011. Hab momentan leider mal wieder etwas weniger Zeit für diese Seite...

Deshalb auch erst jetzt ein Beitrag zu einem sehr interessanten Dokumentarfilm, der am Donnerstag im MDR lief: Menschenlabor Sowjetunion. (Aber zum Glück gibt es ja youtube) Der Film thematisiert die perversen Experimente, die in der Sowjetunion der 20er und 30er Jahre durchgeführt wurden. Auszug:
Die Ideologen der kommunistischen Utopie glaubten, dass die Menschen der alten, kapitalistischen Weltordnung dafür nicht geeignet wären. Es musste also ein neuer Erdenbürger geschaffen und der Mensch selbst zum Objekt revolutionärer Veränderungen werden. So wurde die Züchtung eines "Neuen Menschen" zum Ziel gewagter Experimente, die in der Sowjetunion in den 20er-Jahren durchgeführt wurden. Biologie, Technik und Naturwissenschaften erschienen den Bolschewiken dabei als die Lösung aller Probleme, die im Land herrschten. Einige Wissenschaftler glaubten durch gegenseitigen Blutaustausch zwischen Jung und Alt eine perfekte Gesellschaft mit makellosen Menschen zu schaffen. Andere versuchten den Menschen mit Affen zu kreuzen, um einen menschenähnlichen Hybriden zu erzeugen.
Die Kreuzungsversuche von Menschen mit Affen waren bereits 2004 Thema des Dokumentarfilms Der Fall des Affenmenschen. Seinerzeit warfen Kritiker dem Film vor, mit dem Ansprechen dieser fragwürdigen Experimente "Propaganda" zu betreiben. Aber auch Menschenlabor Sowjetunion zeigt, dass diese Versuche ihre wissenschaftliche Begründung eindeutig im darwinschen Zeitgeist der damaligen Epoche fanden (Der auch nicht nur in der Sowjetunion, sondern global vorherrschte. Was sprach aus damaliger evolutionärer Sicht schon dagegen, dass sich Menschen und Primaten kreuzen ließen?). Und sie waren auch kein verirrter Einzelfall, sondern Programm. Die Skrupellosigkeit, mit der man neue Menschen hervorbringen wollte, unterscheidet sich kaum von der im Nationalsozialismus. (Das Wörtchen Sozialismus in Nationalsozialismus ist insofern sicherlich auch kein Zufall)

Samstag, 16. Oktober 2010

vorübergehend ausgestorben

Darwinsche Evolution wird oft und gern als Naturgesetz bezeichnet, der alle fortpflanzungsfähigen Wesen ständig unterworfen sind, sobald sie - irgendwie - ins Dasein gekommen sind. Etwas weniger gut in dieses Bild passen Arten, die sich seit erdenklichen Zeiten praktisch nicht verändert haben, oder sogar seit Millionen von Jahren nicht mehr im Fossilbericht auftauchten und deshalb als ausgestorben galten, wie sogenannte Lazarus-Taxa.

Entsprechend ratlos war man, als man 1938 den Quastenflosser entdecke, der sich vor rund 70 Millionen Jahren aus dem Fossilbericht verabschiedet hatte. James Smith, der den 1938 vor Südafrika gefangenen Fisch als Quastenflosser erkannte, schrieb beispielsweise: „Ich wäre kaum erstaunter gewesen, wenn ich auf der Straße einem Dinosaurier begegnet wäre“. Horace Ship widmete dem Quastenflosser ein kleines Gedicht:

There lived a happy Coelacanth
In dim, primordial seas;
He ate and mated, hunted, slept,
Completely at his ease.

Dame Nature urged: "Evolve!"
He said: "Excuse me, Ma'am,
You get on with making Darwin,
I'm staying as I am."

The fishes changed their fishy shapes,
The reptiles stormed the land,
The algae turned to trees, the apes
To men, we understand.

The Coelacanth remained
A monster and a myth;
He said: "There's nothing to be gained
By my becoming Smith."

Der Fisch blieb in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich "a monster and a myth". 1958 diente er beispielsweise als Aufhänger für einen der typischen Monster-Horrorfilme dieser Dekade: Monster on the Campus, auf deutsch Der Schrecken schleicht durch die Nacht. Dort haben die Zellen des Fisches, die der "Kraft der Evolution" trotzen konnten, auf andere Lebewesen eine rückbildende Wirkung.


Die Liste vermeintlich ausgestorbener Tiere und Pflanzen ist recht lang, darunter der Urwelt-Mammutbaum (seit der Kreidezeit nicht mehr nachweisbar, 1941 wiederentdeckt), der Glanzsittich, kanarische Rieseneidechsen, das Chaco-Pekari oder die neuseeländische Takahe-Ralle. Während man diese Evolutions-Verweigerer Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts noch als arme und träge Verwandte sah, an denen der allgemeine Fortschritt vorübergegangen war, werden sie heutzutage oft als "Erfolgsmodelle" der Evolution bezeichnet; sie wurden praktisch von Problemfällen zu Helden der Evolution um-interpretiert.

Interessant dabei ist auch, dass fast alle diese "wiederauferstandenen" Lebewesen der jeweiligen einheimischen Bevölkerung schon lange gut bekannt waren, wie bereits der Vater Kryptozoologie, Bernard Heuvelmans, bemerkte. (Der Quastenflosser war beispielsweise als Speisefisch bekannt, während man seine Schuppen zum Schmiergeln verwendete) Interessant insofern, dass es auch heute noch Wesen gibt, die detailiert von Einheimischen beschrieben werden, jedoch noch nicht wissenschaftlich erfasst wurden, darunter auch spektakuläre Tiere wie der afrikanische "Mokele-mbembe". Wenn der Quastenflosser und andere den Kreide/Tertiär-Impact gut überstanden haben, warum dann nicht auch soetwas...

Samstag, 12. Juni 2010

"Lebewesen und Design"


Titel: Lebewesen und Design. Eine Einführung.
Autor: Markus Rammerstorfer

Verlag: BoD, Norderstedt
ISBN: 978-3-8391-3243-2
Seiten: 108
Preis: 8,80



Wie angekündigt hier einige Gedanken zum jüngsten Buch von Markus Rammerstorfer. Es stellt laut Einleitung an sich selbst den Anspruch, „wesentliche Inhalte und grundlegende Argumentationen von 'Nur eine Illusion?' (2006) in überarbeiteter, kompakterer und zugänglicherer Form neu zu präsentieren“. Sozusagen für Menschen, die zwar ein grundsätzliches Interesse für die Design- und Teleologie-Thematik aufbringen, jedoch mit einer etwas niedrigeren „Leidensfähigkeit“ in Bezug auf Original-Zitate, „offizielle wissenschaftliche Ausdrucksweisen“, etc. Als langjähriger Interessierter an dieser Thematik kann man wohl nicht wirklich objektiv beurteilen, wie allgemein-verständlich oder populärwissenschaftlich ein Buch ist - immerhin ist man mit den wichtigsten Fachbegriffen, Persönlichkeiten und Argumenten vertraut. Ich denke aber, dass es sich für den interessierten Laien doch sehr gut und mit Gewinn liest, und entscheidende Argumente liefert.

Gravierende Unterschiede gibt es insofern gegenüber „Nur eine Illusion?“ auch nicht. Markus Rammerstorfer versucht auch hier, eine Bresche für das Design-Argument zu schlagen, und dessen Image als längst begrabene Leiche zu revidieren. Die Reanimation wirkt auf jeden Fall überzeugend, wobei man sich jedoch auch fragt, wohin die Reise für den Wiederauferstandenen gehen soll. Zeichnete der Autor in „Nur eine Illusion?“ noch die Vision einer 'Generaltheorie intelligenten Designs', fehlen die Zukunftsaussichten in „Lebewesen und Design“ meiner Meinung nach etwas.

Zunächst werden die Wurzeln der biologischen Ursprungsdebatte beleuchtet, was insofern immer interessant ist, dass sowohl das Design-Argument als auch die Idee, dass Leben durch rein naturgesetzliche Vorgänge irgendwie aus toter Materie entstand, bereits sehr früh ebenso intelligente wie prominente Befürworter fanden. Erste Station ist die Naturtheologie William Paleys sowie Humes allgemeine Kritik derselben, dann folgt Darwin. Darwin soll der Wendepunkt in der Design-Debatte schlechthin sein, und Richard Dawkins und andere können sich nicht vorstellen, Atheist gewesen zu sein, wenn sie vor der Veröffentlichung von Darwins „Origin of Species“ gelebt hätten. (Diese epochale Bedeutung Darwins verwundert vor allem dann, wenn andererseits der Vorwurf erhoben wird, dass Evolutionskritiker zu sehr auf seiner Theorie „herumreiten“ und sich die Evolutionsbiologie seit Darwin doch entscheidend verändert habe.)

Im folgenden widmet sich Rammerstorfer dem Wesen der Zielgerichtetheit in der belebten Welt und arbeitet heraus, dass sie real und ein besonderes Phänomen der Biologie ist. Insofern hat die Biologie eine naturgegebene Sonderstellung, derer sich Biologen wohl auch bewusst sein sollten. (Das scheint jedoch oft nicht der Fall zu sein, wenn man bedenkt, wie oft biologische Vorgänge in polemischer Weise mit Vorgängen wie der Entstehung von Wolken oder Schneeflocken etc. gleichgesetzt werden, um die Teleologie-Diskussion obsolet zu machen.)

Insofern sollte die Leben-Technik-Analogie, um die es im nächsten Kapitel geht, wohl mehr als erlaubt sein – sind lebende Zellen automatisierten Fabriken doch wesentlich ähnlicher als Eiskristallen. Interessant ist in dem Zusammenhang eh, dass in solchen Leben-Technik-Vergleichen immer der derzeitige Stand menschlicher Technologie betont wird. Lebewesen seien komplexer als alles, was wir bisher bauen können. Wobei wir die Vorgänge in der Zelle heutzutage immerhin mit den Abläufen in modernen industriellen Fertigungsstraßen vergleichen können. Hätte man zu Darwins Zeiten in die Zelle sehen können, wäre man vermutlich auf überhaupt keine vergleichbare menschliche Technologie gekommen. In Zukunft wird man sich wohl in Bezug auf Selbtreparaturfähigkeit, Selbstreproduzierbarkeit, etc., immer mehr den biologischen Strukturen annähern. In Anbetracht dieser stetigen Weiterentwicklung, die von der Bionik auch angetrieben wird, wäre es vielleicht sogar angebrachter, nicht von einer Technik-Analogie, sondern von einer - zwar kühnen, aber grundsätzlich möglichen - Technik-Extrapolation zu sprechen.

Am Ende des Kapitel widmet sich Rammerstorfer noch dem möglichen Vorwurf, dass eine rein technische oder maschinelle Betrachtung des Lebens kalt und entwertend ist. Das gilt wohl vor allem in Bezug auf das Gehirn. Rammerstorfer schreibt:

Wäre beispielsweise das menschliche Gehirn tatsächlich vollständig als (unvorstellbar) komplexe Maschine beschreibbar [...] und dabei ein Phänomen wie beispielsweise die Liebe zu einem Mitmenschen erzeugt, dann würde dies an sich diese Liebe noch nicht entwerten.

(Seite 34/35)

Interessanterweise ist er damit offen für eine rein materialistische Erklärung des menschlichen Geistes, entscheidend wäre dann nur noch die Entstehung dieser „Geist-Maschine“. Im Prinzip bin ich das auch, aber ich stelle trotzdem ein gewisses Unbehagen gegenüber dieser Vorstellung fest. Wäre das Ich-Bewusstsein einer Person komplett durch, sozusagen, rein materielle Prozesse einer komplexen Maschine produzierbar, dann bestünde zumindest rein theoretisch die Möglichkeit, eben diese Prozesse in einer gleichermaßen komplexen Maschine nachzubilden. (Und welcher Naturalist würde grundsätzlich bestreiten, dass wir nicht irgendwann genauso komplexe Strukturen wie Gehirne erzeugen könnten...) Man könnte also rein theoretisch das Ich vervielfältigen und eine Maschine oder ein Gehirn bauen, das glaubt, auch 'ich' (also in meinem Fall Martin Funke) zu sein. Im Endeffekt müsste man sich dann konsequenterweise vom Begriff des Individuums verabschieden, denn ursprünglich bedeutet Individuum ja 'Das Ungeteilte'. Darin besteht wohl auch der Vorteil von platonischen Konstrukten wie der 'unsterblichen Seele', dass sie jedem Bewusstsein eine absolute Einmaligkeit garantieren. Das aber nur „off-topic“ und als Randgedanke, zu dem man gesondert etwas mehr schreiben könnte...

Ein sehr interessantes Thema ist wie schon in „Nur eine Illusion?“ das Spannungsfeld zwischen Sprache und Teleologie. Sehr schön auf den Punkt gebracht wird dieser Konflikt durch ein Zitat von Hans-Dieter Mutschler:

Wenn in neueren biologischen Publikationen auf Schritt und Tritt teleologische Begriffe vorkommen, so teilen sie uns mit, es sei nur „teleonomisch“ gemeint. Die Teleologie sei eine abkürzende Redeweise für etwas, das sie auch rein kausalmechanisch ausdrücken könnten, wenn sie nur wollten. Leider wollen sie nie.“

(zitiert auf Seite 39)

Die Vereinnahmung der Sprache und Erfindung neuer Begriffe grenzt teilweise an Lächerlichkeit. Teleonomie soll vermutlich ähnlich wie bei Astronomie Seriosität suggerieren, und Teleologie in die Astrologie-Schmuddelecke drängen. Richard Dawkins, der sich schon mit der Sprachschöpfung Meme als kreativer Geist erwiesen hat, wirft mit 'designoid' oder 'archi-purpose' und 'neo-purpose' ebenfalls schicke neue Wörter in den Raum. Während die einen vor der Verwendung teleologischer Begriffe warnen, schlagen andere wie Kenneth Miller gerade die Übernahme des „Kreationisten-Vokabulars“ durch die Evolutionsbiolgie vor. (Wobei letzteres ja eh längst praktiziert wird.)

Bemerkenswert ist auch hier wieder, dass das, was eigentlich bewiesen werden soll, bereits als prinzipiell gegeben vorausgesetzt wird. (Seit Darwin wissen wir... etc. pp.) Wie auch in meiner amazon-Kritik zum Buch geschrieben, kommt mir hier immer das Neusprech in Orwells 1984 in den Sinn. Zumindest scheint die Geschichte den Verdacht zu erhärten, dass, wer die Sprache manipulieren muss, die Realität nicht auf seiner Seite hat.

Weitere Themengebiete des Buches sind die sogenannte Dysteleologie, der methodische Naturalismus sowie das Argument, dass Design als alternative Erklärung Gott zum „Lückenbüßer“ degradiere. Bei letzteren wird ja gern behauptet, dass neue Erkenntnisse den angeblichen Lückenbüßer regelmäßig aus seiner Lücke vertreiben. Tatsächlich scheint es jedoch eher so, dass sich Dysteleologie-Argumente oft als verfolgte Lückenbüßer erweisen. Beispielsweise schrieb Kutschera 2001 in seiner Einführung in die Evolutionsbiologie, dass DNA-Schrott „im Widerspruch zum Konzept eines planenden Schöpfers“ stehe. (Zitat bei Rammerstorfer auf Seite 54) Mittlerweile ist man vorsichtiger mit Begriffen wie Junk-DNA. Der Leipziger Genetiker Mark Stoneking meint beispielsweise „Das, was wir für Genschrott gehalten haben, zeigt uns jetzt, wie naiv wir waren“. Man benutzt zum Teil also Argumente aus Unwissenheit oder Naivität, die durch zunehmendes Wissen aus ihrer Lücke vertrieben werden - genau das, was man der „Gegenseite“ unterstellt.

Zum Kapitel „Teleologie nach Darwin“ muss ich gestehen, dass ich hier die Argumentation mit dem Ursache-Wirkung-Paradoxon nicht wirklich verstanden habe.

Letztendlich bleibt als letzter „Gegner“ eigentlich nur noch der methodologische Naturalismus übrig, wie Lewontin oder Carroll auch einräumen. Dieser Materialismus ist nach Lewontin absolut, man könne sich „keinen göttlichen Fuß in der Tür erlauben“. Das ist ja im Prinzip völlig unabhängig davon, ob man tatsächlich plausible naturalistische Mechanismen findet oder nicht. Auch hier wird wieder deutlich, dass es in der Kontroverse oft eigentlich gar nicht um die Details geht, um die es gehen sollte. Rammerstorfer schreibt treffend, dass eine ausschließlich an naturalistischen Erklärungen interessierte Wissenschaft davon abrückt, eine aufrichtige und ehrliche Wahrheitssuche zu sein. ("Intentionales Design in der belebten Natur ist eine Illusion, weil der methodologische Naturalismus es ausschließt" wäre auch eine seltsame Schlussfolgerung)

Im Anhang geht Rammerstorfer noch auf die gern eingebrachte Frage „Und wer schuf den Designer?“ ein. Obwohl es im direkten Vergleich zu „Nur eine Illusion?“ keine spektakulären Neuerungen gibt, denke ich, lohnt sich der Erwerb des Buches auch für Personen, die die Ursprungsthematik bereits seit längerem verfolgen.

Donnerstag, 22. April 2010

Zillmer-Interviews

Hier mal Links zu zwei Interviews mit Hans-Joachim Zillmer auf alpenparlament.tv. Zillmer ist nicht unumstritten, trotzdem ist vieles von dem, was er sagt, ganz interessant. Dauer jeweils eine knappe Stunde.

Der Energie-Irrtum

Die Evolutionslüge

Dienstag, 24. November 2009

Heute vor 150 Jahren...

... erschien Darwins On the Origin of Species in den Buchhandlungen Großbritanniens, in einer Auflage von 1250 Exemplaren. 15 Schilling kostete es damals, bis zu 35.000 Pfund ist so eine Erstausgabe heute wert.

missinglinks.info erinnert an dieses Datum mit einem nicht ganz ernst gemeinten Bild:


Montag, 23. November 2009

Seltsame Auswüchse

Da ich momentan im Prüfungsstress bin, wird hier leider bis Ende des Jahres nicht allzu viel laufen. Nur hier und da mal ein paar Bilder oder Links, wie diesen hier, auf den ich beim googeln nach "tree of life" gestoßen bin:

Evolution Tattoos

Donnerstag, 12. Februar 2009

D-Day!

Da schaltet man früh um halb sieben noch schlaftrunken und mit verklebten Augen das Radio ein, und über wen wird geredet: Charles Darwin. Denn heute ist nicht Weihnachten oder Ostern, sondern Darwin-Day. Und so informierte der Moderator unter anderem darüber, dass man im Laufe des Tages Verständnis für den Chef haben sollte, falls er mal wieder etwas lauter wird. Dadurch zeige er, dass er der Rudelführer sei und verhindere eine physische Konfrontation. Aha.

Selbst google gestaltet sein Logo heute dem bärtigen Briten zu Ehren:


Anlass genug für mich als Filmfan, auch auf eine Darwin-Biographie hinzuweisen, die Ende des Jahres in die Kinos kommt: Creation. Regie führt Jon Amiel (Verlockende Falle, The Core). Der Film beruht auf dem Buch "Annies Schatulle" von Darwin-Ururenkel Randal Keynes. In dem Buch geht es um das Verhältnis zwischen der religiösen Emma und Charles, der vor allem nach dem Tod von Tochter Anne an der Existenz Gottes zweifelt. Die Hauptrolle ist mit Paul Bettany besetzt (der Killer-Mönch aus Der Da-Vinci-Code), Darwins Frau Emma spielt Jennifer Connelly. Die beiden sind auch im realen Leben verheiratet. So gesehen kann man das nur als Besetzungscoup bezeichnen.


Darwins "Bulldogge" Thomas Huxley wird von Toby Jones verkörpert:



Mein Darwin-Favorit wäre übrigens Will Patton (Armageddon) gewesen.


Nichtsdestotrotz bin ich sehr gespannt auf den Film, zumal er in der UK und in Australien interessanterweise ausgerechnet von Mel Gibsons Firma Icon Film (Die Passion Christi) vertrieben wird.
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variety

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Gastbeitrag

Im Beitrag Asche aufs Haupt schrieb ich in einer Fußnote: Man könnte sich fragen, warum Darwins Selektionstheorie eigentlich nicht auf Politik und Soziologie angewendet werden sollte , wenn andererseits nichts in den Geisteswissenschaften Sinn ergibt, außer im Lichte der Biologie.

Zu diesem Thema hat Josef Bordat einen Gastbeitrag verfasst, für den ich ihm sehr danke.

Josef Bordat
Darwinismus und Sozialstaat


Charles Darwin war - entgegen anderslautender Beteuerungen - „Sozialdarwinist“ (Bauer 2008: S. 16), weil er sein Prinzip der Evolution (Entwicklung als Ergebnis von Auswahl und Anpassungsleistung in einer Situation der Konkurrenz) auch auf die menschliche Gesellschaft übertrug. So schrieb er: „Wie jedes andere Tier, so ist auch der Mensch ohne Zweifel auf seinen gegenwärtigen hohen Zustand durch einen Kampf um die Existenz in Folge seiner rapiden Vervielfältigung gelangt.“ (1871: S. 700). Nach dieser Beschreibung folgt die Forderung: „Und wenn er noch höher fortschreiten soll, so muss er einem heftigen Kampfe ausgesetzt bleiben.“ (2005 [1871]: S. 700). Wie „jedes andere Tier“ muss sich der Mensch also im „Kampf“ gegen seinesgleichen behaupten, damit sich die Menschheit entwickeln kann.

Wie passt da der auf Solidarität ausgelegte Sozialstaat hinein? Äußerst schlecht, wie schon Darwin selbst feststellte. So kritisierte er ihn als gegen den Selektionsmechanismus gerichtetes Übel (2005 [1871]: S. 148), eine Einschätzung, die Richard Dawkins teilt (2004 [1976]: S. 198), auch wenn er stets beteuert, selbst nicht in einer Gesellschaft, die nach darwinistischen Spielregeln funktioniert, leben zu wollen, weil diese faschistisch sei (Die Presse, 30.7.2005; Frage: Wie kann sich eine Gesellschaft bloß von diesen Regeln befreien, wo ihre Mitglieder doch auf Gedeih und Verderb auf sie angewiesen sind? Sie sucht sich diese Regeln ja nicht aus, mehr noch: es gibt ja gar keine Alternative, wenn man - wie Dawkins - außerhalb der Evolution nichts für möglich hält, das normativ auf den Menschen durchschlagen könnte.).

Soweit die Biologen. Was machen die Wirtschaftswissenschaftler mit diesen Vorgaben? Sie nehmen sie dankbar auf, insbesondere dann, wenn ihnen als Berater des politischen Neoliberalismus’ der Sozialstaat sowieso ein Dorn im Auge ist. Der US-Ökonom Paul Krugmann, Wirtschafts-„Nobelpreis“träger 2008 und Liberalismus-Kritiker, schreibt, dass sich ein Lehrbuch der neoklassischen Mikroökonomie wie eine Einführung in die Mikrobiologie liest. Und der Wiener Wirtschaftswissenschaftler Ewald Walterskirchen wies auf den engen Zusammenhang zwischen dem heutigen Neoliberalismus in der Wirtschaft und dem Neodarwinismus in der Biologie hin: „Beide Theorien gehen davon aus, dass nur zufällige Veränderungen/Anpassungen über Selektion bzw. Wettbewerb den Entwicklungsprozess bestimmen.“ (Der Standard, 16./17.7.2005). Das Evolutionsprinzip wird auf den Markt übertragen. Solidarität wird nur dann eingefordert, wenn die „falschen“ Marktteilnehmer vom Aussterben bedroht sind. Das ist nicht erst seit der „Bankenkrise“ so.

In der Ökonomie zeigt sich die Nähe zur Biologie besonders in den Arbeiten Friedrich von Hayeks, der als einer der Väter des Neoliberalismus gilt. Walterskirchen: „Hayek, Spross einer Biologenfamilie, spricht explizit von ,Aussiebung’ durch den Markt. Hayek hält etwa eine hohe Arbeitslosenquote - analog zum Wert des Populationsüberschusses in der Tierwelt - für ökonomisch wünschenswert, damit die natürliche Selektion optimal greifen kann.“ (Der Standard, 16./17.7.2005). Im Klartext: Den angepasstesten Arbeitnehmer gibt es unter den Bedingungen extrem vieler Mitkonkurrenten. Wenn der Selektionsdruck nur hoch genug ist, passt sich das „Arbeitnehmertier“ an jede sich bietende Nische an. Walterskirchen sieht durch diese Logik den Sozialstaat bedroht: „Die OECD, der Hort des Neoliberalismus, interpretiert die wirtschaftliche Krise in Europa einfach als mangelnde Anpassungsfähigkeit an Schocks - ganz ähnlich wie die Neodarwinisten das Aussterben von Tierarten. Die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen aus diesen Überlegungen sind klar: Die Wirtschaftspolitik braucht nur die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Selektionsmechanismus Markt richtig greifen kann. Im Klartext läuft dies darauf hinaus, das europäische Sozialmodell abzuschaffen.“ (Der Standard, 16./17.7.2005).

An diesen fatalen Zusammenhang von Liberalismus und Darwinismus erinnerte Christoph Kardinal Schönborn, Erzbischof von Wien, im Rahmen einer Katechese unter dem Titel „Schöpfung und Evolution: Warum diese Debatte so wichtig ist“ (Die Tagespost, 5.8.2006), in der er die Bildung als weiteren Aspekt in die Debatte hineinträgt: „Ein Grundparadigma von Bildung heute ist die Anpassung unter dem Aspekt der Nützlichkeit - vor allem für den Arbeitsmarkt. Schlüsselkompetenzen wie Mobilität und Flexibilität sind hoch im Kurs, vergessen die Grundlinien katholischer Soziallehre: Die Wirtschaft ist für den Menschen da - nicht umgekehrt; vergessen zum Teil die Grundaufgabe von Schule und Bildung, auch zu Widerständigkeit zu erziehen und zu bilden.“ (Die Tagespost, 5.8.2006). Diese Widerständigkeit braucht es wohl, um dem „mörderischen darwinistischen Albtraum“, wie Woody Allan das Leben einmal nannte, einen Sinn abzuringen, und an Quellen der Normativität zu glauben, die außerhalb des Evolutionsmechanimus’ liegen.

Literaturnachweis:

Bauer (2008): Das kooperative Gen. Abschied vom Darwinismus. Hamburg.
Darwin (2005 [1871]): Die Abstammung des Menschen. Paderborn.
Dawkins (2004 [1976]): Das egoistische Gen. Reinbek bei Hamburg.


Zum Autor:

Josef Bordat, geb. 1972, Studium des Wirtschaftsingenieurwesens (Dipl.-Ing.), der Soziologie und Philosophie (M.A.) in Berlin. Mitglied des Vorstands einer privaten Arbeitsvermittlung und Dozent. Promotion zum Dr. phil. Derzeit freier Publizist. Weitere Informationen: http://josefbordat.wordpress.com.

Dienstag, 16. September 2008

Asche aufs Haupt

Die Church of England bittet Charles Darwin - 126 Jahre nach seinem Tod - um Entschuldigung. Für was eigentlich? Rev. Dr. Malcolm Brown schreibt unter der Überschrift "Good religion needs good science": "When a big new idea emerges which changes the way people look at the world, it’s easy to feel that every old idea, every certainty, is under attack and then to do battle against the new insights. The church made that mistake with Galileo’s astronomy, and has since realised its error. Some church people did it again in the 1860s with Charles Darwin’s theory of natural selection."

Browns Text folgt den üblichen Argumentationsschemen; Dinge, die schon anderswo hunderte Male gesagt wurden. Es gäbe keinen Konflikt zwischen Darwins Selektionstheorie und dem Christlichen Glauben*, die aktive Anwendung der Selektionstheorie auf Menschen war ein schlimmes Misverständnis**, etc. pp. Sogar zwei Bibelstellen führt Brown an: Jesu Aufforderung an seine Jünger, die Vögel und die Lilien auf dem Feld zu betrachten, sowie Johannes 16 Vers 12 und 13: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten." Darwin als geleitet vom Geiste der Wahrheit, der publik machte, was Jesus noch nicht zu sagen wagte - wenn das keine frohe Botschaft ist...

Hintergrund dieses Mea Culpa ist unter unterem die berühmte Auseinandersetzung zwischen Bischof Wilberforce und Thomas Henry Huxley im Jahre 1860. Die FAZ bemerkt dazu: "Die Geschichte ist bekannt: Eintausend Zuhörer hatten sich in dem Hörsaal des Naturgeschichtlichen Museums in Oxford eingefunden und lauschten nun der legendären Frage des Bischofs, ob Thomas Henry Huxley, der als Verteidiger der Evolutionstheorie in den Ring gestiegen war, über seine Großmutter oder den Großvater mit dem Affen verwandt sei. Die nicht weniger legendäre Antwort von Huxley lautete, dass er lieber einen Affen zum Großvater hätte als einen Mann, der seine Bildung und seinen Einfluss dafür einsetze, eine wissenschaftliche Diskussion ins Lächerliche zu ziehen. Kurzum: Huxley wollte lieber vom Affen als vom Pfaffen abstammen."

Heutzutage erscheint die ironische Frage des Bischofs jedoch geradezu artig im Vergleich zu dem zynischen Ton, der gegenüber Vertretern des Kreationismus oft angeschlagen wird. Wilberforce rezensierte Darwins Werk im übrigen einen Monat nach dem Zusammentreffen mit Huxley und attestierte Darwin eine "außergewöhnliche Klugheit". Und warum entschuldigt man sich eigentlich nicht auch gleich posthum bei Huxley? Im Entschuldigen scheint die CofE zumindest Übung zu haben. Die britische Ministerin Ann Widdecombe kommentiert: "It’s absolutely ludicrous. Why don’t we have the Italians apologising for Pontius Pilate? We’ve already apologised for slavery and for the Crusades. When is it all going to stop? It’s insane and makes the Church of England look ridiculous". Auch sonst scheint die Entschuldigung eher Kopfschütteln auszulösen.

Der Vatikan merkt an, dass man sich im Gegensatz zur anglikanischen Kirche nicht zu entschuldigen brauche. Darwin wurde nie verurteilt, Papst Pius XII. und zuletzt auch Johannes Paul II. hätten die Stichhaltigkeit vieler Punkte der Evolutionstheorie ausdrücklich bestätigt.

Einer Kanonisierung Darwins scheint eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen. Zumindest wäre das wohl die PR-Aktion in seinem 150. Ehrenjahr.
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*Meine Meinung dazu habe ich zum Teil hier wiedergegeben.

** Man könnte sich fragen, warum Darwins Selektionstheorie eigentlich nicht auf Politik und Soziologie angewendet werden sollte , wenn andererseits nichts in den Geisteswissenschaften Sinn ergibt, außer im Lichte der Biologie

Sonntag, 2. Dezember 2007

Kleine Rätselfrage:


Was verschwindet, wenn man es (evolutionär) erklärt?




Wer noch etwas darüber nachdenken möchte, sollte ab hier erstmal nicht weiterlesen. ;)






Die Antwort ist: Altruismus. Selbstloser Einsatz für andere, sogar völlig fremde, auch unter Gefahr für das eigene Leben. Ein Wort, das das sehr treffend bezeichnet, ist das griechische Wort Agape, das in den christlichen Schriften der Bibel vorkommt und als uneigennützige, schenkende Liebe übersetzt werden kann.

Schon Darwin hatte seine Probleme mit dem Altruismus. Seiner Vorstellung nach erklärt er sich im Tierreich vor allem durch Blutsverwandtschaft. Arbeitsbienen zum Beispiel, die sich für ihren Bienenstock opfern, schützen ihre Blutsverwandten und verhelfen damit indirekt Kopien der eigenen Gene zur Fortpflanzung. William D. Hamilton, den viele als Darwin des 20. Jahrhunderts bezeichnen, widmete sich dem Problem Altruismus und berechnete mit Formeln dessen Wahrscheinlichkeit und Nützlichkeit.

Altruismus unter Tieren mag in dem Sinne vielleicht noch erklärbar sein, der Wert menschlichen Altruismus' definiert sich jedoch gerade über Begriffe wie Freiwilligkeit. Hätte man einen Film über Oskar Schindler gedreht, wenn er nur aufgrund eines biologischen Imperativs so gehandelt hätte, wie er gehandelt hat, der sich für irgendwelche Gene als nützlich erwiesen hat? Bedingungslose, uneigennützige Liebe wäre eben nicht mehr bedingslos und uneigennützig, wenn sie irgendwo versteckt doch an irgendwelche Bedingungen und einen, wenn auch indirekten Eigennutz geknüpft wäre. Ein Erklären im Sinne darwinscher Modelle kommt hier einem Wegerklären, einem Zerstören gleich.

Aus rein wissenschaftlicher Sicht mögen solche ethischen Erwägungen irrelevant sein, trotzdem ergibt sich bei dieser Betrachtung letztlich das Bild einer Theorie, die ein Problem mit Selbstlosigkeit und Güte hat und sie aus ihrem Weltbild entfernen möchte. Und die jedem, der glaubt, selbstlos zu handeln, potentiell
unterstellt, letztendlich doch nur eigennützig zu sein. Das ist einer dieser Gründe, warum ich Wissenschaftler nicht verstehe, die nicht das geringste Problem zwischen Evolutionstheorie und christlichem Glauben sehen.*


** Francis Collins hält zwar beispielsweise Altruismus nicht für darwinistisch erklärbar, was aber letztlich auch daraus hinaufläuft, dass man der Darwinschen Theorie die Erklärungsmacht abspricht, die sie für sich einfordert. Bis zu welchem Grad man das macht, wenn man es eh schon macht, scheint wohl eine Frage der persönlichen Konsequenz zu sein.

Samstag, 19. Mai 2007

Der hässliche Darwin

Darwin Dating nennt sich eine neue Online-Partnerbörse, die sich auf das Darwinsche Konzept der sexuellen Auslese beruft und bei der hässliche Menschen per Mehrheitsvotum ausselektiert werden. Ironie der Geschichte dabei: Charles Darwin selbst hätte beim Darwin Dating wohl keine Chance - "Charles Darwin was a genius, but unfortunately very ugly. It is ironic that he wouldn't be able to join Darwin Dating!"

Falls die sexuelle Selektion Spezies wie die unsere tatsächlich grundlegend geprägt haben sollte, war sie offensichtlich ausschließlich auf sehr oberflächliche Begriffe von Schönheit beschränkt. Sonst würde es wohl heute keine Menschen mehr geben, die sich solche Seiten ausdenken.

Dienstag, 24. April 2007

Charles Robert D. - Ein Nachruf


Vor gut 125 Jahren - am 26. April 1882 wurde Charles Robert Darwin in der Londoner Westminster Abbey bestattet. Am 19. April des selben Jahres verstarb Charles Robert Darwin im Londoner Stadtteil Downe im Alter von 73 Jahren. Obwohl sein Beitrag zur westlichen Zivilisation zu diesem Zeitpunkt aus zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen inclusive berühmter Werke wie "Die Entstehung der Arten" und "Die Abstammung des Menschen" bestand, wird heute der 12. Februar als "Darwin Day" mit Evolutionshymnen und Stammbäumen aus Schokolade gefeiert, der Tag, an dem Darwins Beitrag zur westlichen Zivilisation vor allem aus einem ungehemmten Schreien bestand. Die Herausgabe von "Die Entstehung der Arten" am 24. November 1859 wird als "Evolution Day" begangen. Einige christliche Kirchen feiern den Sonntag, der Darwins Geburtstag am nächsten liegt, als "Evolution Sunday". 2009 wird sowohl das 150. Jubiläum der Veröffentlichung von "Die Entstehung der Arten" gefeiert, als auch der 200. Geburtstag von Charles Robert Darwin.

Am 23. Juni jährt sich zudem der Todestag von Charles Robert Darwins Schildkröte Harriet zum ersten Mal, die 2006 im Alter von 176 Jahren im Australia-Zoo im nordöstlichen australischen Bundesstaat Queensland an Herzversagen verstarb. Falls entsprechende Pläne nicht bereits vorliegen, sei hiermit der 23. Juni als offizieller Harriet-Day vorgeschlagen.

Am 19. April 1882 hörte Charles Robert Darwin also auf zu existieren - Was an dieser Stelle Anlaß zu folgender Frage sein soll: Was wäre, wenn er nie existiert hätte? Darwins Evolutionstheorie beruhte - wie so viele Theorien und Erfindungen - auf zahlreichen, ihm vorangegangenen Arbeiten und Beobachtungen. Bereits sein Großvater, der Naturwissenschaftler, Erfinder und Poet Erasmus Darwin formulierte in seinem Werk Zoonomia die Idee, dass alles Lebendige von einem gemeinsamen Vorfahren abstamme - für ihn mikroskopisch kleine Muscheln - und sich somit ein Stammbaum aller Lebensformen konstruieren lassen müsse. Zeitgleich mit Charles Darwin entwickelte Alfred Russel Wallace die Theorie einer natürlichen Ursache für Evolution durch graduelle Variation und natürliche Selektion.

Die Annahme liegt nahe, dass die Zeit einfach reif war für eine Theorie, wie sie Darwin formulierte. Und vielleicht erntete Darwin allen Ruhm, weil er einen einmaligeren und zur Ikonenbildung geigneteren Namen hatte als Wallace. Alfred Russel Wallace hätte mit Edgar Wallace konkurrieren müssen, und vielleicht hätte man später "Der Frosch mit der Maske" für einen Dokumentarfilm über Mimikry unter Amphibien gehalten -- während der Name Darwin - abgesehen vom heute eher vergessenen Erasmus Darwin - etwas einmaliges hat. Er geht leicht über die Lippen - man denke an Darwin im Kreuzverhör, Darwins Irrtum, Darwins Alptraum, etc. - und enthält zudem das englische Wort 'win'.

Eine eindeutigere Antwort liefern aber vielleicht diejenigen, die heute Darwins Theorie zu widerlegen versuchen. Wissenschaftler, die den Gedanken einer gemeinsamen, rein naturalistisch erklärbaren Abstammung allen Lebens auf der Erde anzweifeln. Die Annahme übernatürlicher Wirkprinzipien - wie sie für Newton, Kepler und Co. noch selbstverständlich war - gilt heute als unwissenschaftlich, als intellektuelle Bankrott-Erklärung.

Was aber resultiert aus dem Ausschluß übernatürlicher Wirkprinzipien im Bereich der Biologie? Was wäre geschehen, wenn man die "Arbeitshypothese Gott" in der Astronomie und der Physik erfolgreich aufgegeben, aber nur in der Biologie keine befriedigende naturalstische Alternative gefunden hätte? Also kein Survival of the fittest, etc? Hätten sich Biologen für intellektuell bankrott erklären lassen? Ich glaube eher, man hätte die "Hypothese Gott" auch in der Biologie aufgegeben, und zwar auch ohne eine befriedigende Alternative. Hätte man sich dann nicht die Lebensformen angesehen und angenommen, dass die komplexeren auf die einfacheren zurückzuführen sein müssten? Und die einfacheren wiederum auf chemische Prozesse unbelebter Materie? Und würde man nicht jede Fähigkeit von Lebewesen zur Veränderung grundsätzlich als Beweis für eine gemeinsame, realgenetische Abstammung sehen, als Mechanismen, die man nur richtig extrapolieren muss? Wäre die Abstammung des Menschen von primatenartigen Säugetieren nicht weniger eine Theorie, sondern vielmehr die einzig logische Konsequenz einer naturalistisch-wissenschaftlich betriebenen Biologie? Und das alles ohne Charles Robert Darwin?