Wer kennt es nicht: das Infinite-Monkey-Theorem, laut dem ein Affe, der unendlich lange auf einer Schreibmaschine herumtippt, irgendwann alle Werke der französischen Nationalbibliothek, alle von Shakespeare und, wie Thomas Huxley bemerkt haben soll, auch den 23. Psalm hinkriegen soll. Da fragt man sich, welche Werke ein Affe mit einer Kamera während eines unendlich langen Zeitraumes schaffen würde. Was Schimpansen in ein paar Minuten filmen, war letzte Woche in einer Dokumentation auf BBC zu sehen:
Movie made by chimpanzees to be broadcast on television
Mittwoch, 3. Februar 2010
Donnerstag, 21. Januar 2010
Böses Design
Der nachfolgende youtube-Clip zeigt ein paar Ausschnitte aus dem Film Dem Geheimnis des Lebens nahe, in denen Michael Behe über das Bakterienflagellum spricht und Animationen des Geißelmotors zu sehen sind. Das wird jedoch parodiert, indem darauf hingewiesen wird, dass auch der Cholera-Erreger Vibrio cholerae über so einen Antrieb verfügt, was natürlich die schöne Animation und den Verweis auf einen Schöpfer sofort in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. (Andererseits finde ich es natürlich auch seltsam, wenn für Menschen das Design-Argument ganz allein dadurch hinfällig wird, dass es sich um einen Krankheitserreger handelt.)
Im neuen Studium Integrale ist zu diesem Thema ein sehr interessanter Beitrag erschienen: Choleratoxin und der Ursprung der Cholera-Erkrankung, von J. FRANCIS und T.C. WOOD, in dem der Fragestellung nachgegangen wird, inwieweit die Virulenzfaktoren des Krankheitserregers als nützliche Funktionen in seiner ursprünglichen Umgebung angelegt waren. Bereits in dem oben verlinkten Video wird deutlich, dass Vibrio cholerae kein programmierter, also ur-böser Universalkiller ist, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen pathogen wird, darunter mangelhafte hygienische Umstände. Der Artikel zeigt Anregungen für zukünftige Forschungen auf, was ich sehr interessant fand. Das ist auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass eine Schöpfungsperspektive durchaus heuristisch fruchtbar sein kann. (Allerdings verdeutlicht das auch die Nachteile einer allein auf den Nachweis von intentionalem Design ausgerichteten Forschung, wie sie ID betreiben will. Gerade der youtube-Clip zeigt eigentlich, dass mit dem Nachweis von eben diesem intentionalen Design noch nicht viel gewonnen wäre, wenn dabei die moralisch-ethische Dimension des Forschungsgegenstandes vernachlässigt wird.)
Im neuen Studium Integrale ist zu diesem Thema ein sehr interessanter Beitrag erschienen: Choleratoxin und der Ursprung der Cholera-Erkrankung, von J. FRANCIS und T.C. WOOD, in dem der Fragestellung nachgegangen wird, inwieweit die Virulenzfaktoren des Krankheitserregers als nützliche Funktionen in seiner ursprünglichen Umgebung angelegt waren. Bereits in dem oben verlinkten Video wird deutlich, dass Vibrio cholerae kein programmierter, also ur-böser Universalkiller ist, sondern nur unter bestimmten Voraussetzungen pathogen wird, darunter mangelhafte hygienische Umstände. Der Artikel zeigt Anregungen für zukünftige Forschungen auf, was ich sehr interessant fand. Das ist auf jeden Fall ein Beispiel dafür, dass eine Schöpfungsperspektive durchaus heuristisch fruchtbar sein kann. (Allerdings verdeutlicht das auch die Nachteile einer allein auf den Nachweis von intentionalem Design ausgerichteten Forschung, wie sie ID betreiben will. Gerade der youtube-Clip zeigt eigentlich, dass mit dem Nachweis von eben diesem intentionalen Design noch nicht viel gewonnen wäre, wenn dabei die moralisch-ethische Dimension des Forschungsgegenstandes vernachlässigt wird.)
Dienstag, 29. Dezember 2009
AVATAR - Hollywood und die Religion
Wie bereits 2008 wird sich mein letzter Blogbeitrag auch in diesem Jahr um einen Science-Fiction-Film mit Öko-Botschaft drehen. Vielleicht eine neue Tradition? Da es um einen aktuellen Kinofilm geht, möchte ich auf jeden Fall im Voraus darauf hinweisen, dass der Text gewisse Dinge in Bezug auf die Filmhandlung verraten könnte. Personen, die den Film noch nicht gesehen haben, aber noch sehen wollen, seien daher vor Spoilern gewarnt!
Das Thema 'Film und Religion' beschäftigt mich eigentlich schon sehr lange. Zu den Filmen von James Cameron habe ich dabei einen besonderen Bezug, da ich im Zuge meines Filmwissenschaftsstudiums mal eine Arbeit über den religiösen Subtext von Blockbustern am Beispiel von Terminator 2 - Judgment Day verfasst habe. Gerade die christliche Erlöserthematik findet sich auffallend häufig in Hollywood-Produktionen, zum Teil auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie beispielsweise in I, Robot.
Nachdem Cameron sich bereits in zwei von ihm produzierten Dokumentationen teils fürsprechend, teils kritisch mit religiösen Themen beschäftigt hat (Der Exodus - Wahrheit oder Mythos? sowie The Lost Tomb of Jesus) ist Avatar in dieser Hichsicht ebenfalls sehr interessant. Der Film stellt einerseits eine, ins Science-Fiction-Genre übertragene Variation eines alten Themas dar: Im Konflikt zwischen angeblich zivilisierten Siedlern/Invasoren und angeblich primitiven und naturverbundenen Ureinwohnern schlägt sich der Protagonist im Laufe der Handlung auf die Seite der Eingeborenen und kämpft schließlich gemeinsam mit ihnen gegen seine früheren Arbeitgeber. Gleichzeitig ist Avatar jedoch auch eine Umkehrung des alten Sci-Fi-Motivs der Invasion übermächtiger, böser Aliens à la Independence Day oder Krieg der Welten, und stellt insofern schon ein Novum dar. Hier sind die Menschen die bösen, übermächtigen Aliens, und man identifiziert sich ausgerechnet mit den blauhäutigen Außerirdischen. Ausgetretene Pfade geht der Film also nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten enthält er eine Vielzahl sehr interessanter und innovativer Details.
Während sich bei früheren Cameron-Filmen religiöse Aspekte höchstens als Metapher oder Anspielungen fanden, hat Avatar nun einen ziemlich direkten Bezug. Die Naturverbundenheit der Na'vi, wie die Ureinwohner des Mondes Pandora heißen, hat quasi religiöse Ausmaße. Clever ist dabei, wie Cameron Esoterik und Wissenschaft verschmilzt, und über die digital designte Natur der Alien-Welt eine Art biologisch begründeten Pantheismus etabliert. Zumindest alle komplexeren Vertreter der Pandora-Fauna und -Flora verfügen über frei liegende Nervenenden, über die sie sich direkt mental verbinden können. Und die Bäume schaffen durch ihre - über ebensolche Nervenenden verbundenen Wurzeln ein Kommunikationsnetzwerk, das praktisch den gesamten Mond umspannt. (Ein Aspekt, der mich ein bisschen an die Prämisse des von Kritikern gescholtenen The Happening erinnert hat) In diesem sozusagen biologischen Internet sind Informationen über einzelne Lebewesen gespeichert - auch über Na'vi, die bereits verstorben sind. Das Netzwerk, das letztlich alle Lebewesen umfasst, bildet nun die Gottheit namens Eywa, die die Na'vi verehren. Und in ihrem Weltbild nimmt diese Gottheit die Seelen der Verstorbenen auf. Man kann sich jetzt streiten, ob das Ganze nun überhaupt noch mit Religion zu tun hat, wenn die Gottheit wissenschaftlich erklärt wird. (So argumentiert auch Jeffrey Weiss auf politics daily: Explaining Eywa is a matter of neurophysics, not theology. So it's not about religion.)
Dabei wird jedoch von einer heutzutage als selbstverständlich angesehenen Prämisse ausgegangen, nach der alles, was wissenschaftlich erfassbar ist, gleichsam physisch und materiell ist. Information ist jedoch immateriell, obwohl deren Träger materiell sind. Ich kann ein Lied nicht zerstören, indem ich eine Schallplatte zerbreche. (Genauso wie im Film das Töten des Avatars - ein Begriff aus dem Hinduismus - nicht automatisch zum Töten der Person führt) Insofern ist es eigentlich hochinteressant, dass die Gleichsetzung des Geistes oder der Seele eines menschlichen (oder menschenähnlichen) Wesens mit der immateriellen Information, die sein Gehirn verarbeitet und speichert, die im Film zum Ausdruck kommt, praktisch derselbe Gedanke ist, den christliche Wissenschaftler wie beispielsweise Werner Gitt äußern. (Ich halte Gitts Informationstheorie zwar nicht für so ausgearbeitet, wie sie sein sollte, teile jedoch seine Schlußfolgerung, dass der Mensch als informationsverarbeitendes und -speicherndes Wesen eine nicht-materielle Komponente hat. Diese Information ist in dem Sinne allerdings nicht im platonischen Sinne 'unsterblich', sondern abhängig von einem Träger und löschbar.)
Das Thema 'Film und Religion' beschäftigt mich eigentlich schon sehr lange. Zu den Filmen von James Cameron habe ich dabei einen besonderen Bezug, da ich im Zuge meines Filmwissenschaftsstudiums mal eine Arbeit über den religiösen Subtext von Blockbustern am Beispiel von Terminator 2 - Judgment Day verfasst habe. Gerade die christliche Erlöserthematik findet sich auffallend häufig in Hollywood-Produktionen, zum Teil auch nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie beispielsweise in I, Robot.
Nachdem Cameron sich bereits in zwei von ihm produzierten Dokumentationen teils fürsprechend, teils kritisch mit religiösen Themen beschäftigt hat (Der Exodus - Wahrheit oder Mythos? sowie The Lost Tomb of Jesus) ist Avatar in dieser Hichsicht ebenfalls sehr interessant. Der Film stellt einerseits eine, ins Science-Fiction-Genre übertragene Variation eines alten Themas dar: Im Konflikt zwischen angeblich zivilisierten Siedlern/Invasoren und angeblich primitiven und naturverbundenen Ureinwohnern schlägt sich der Protagonist im Laufe der Handlung auf die Seite der Eingeborenen und kämpft schließlich gemeinsam mit ihnen gegen seine früheren Arbeitgeber. Gleichzeitig ist Avatar jedoch auch eine Umkehrung des alten Sci-Fi-Motivs der Invasion übermächtiger, böser Aliens à la Independence Day oder Krieg der Welten, und stellt insofern schon ein Novum dar. Hier sind die Menschen die bösen, übermächtigen Aliens, und man identifiziert sich ausgerechnet mit den blauhäutigen Außerirdischen. Ausgetretene Pfade geht der Film also nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten enthält er eine Vielzahl sehr interessanter und innovativer Details.
Während sich bei früheren Cameron-Filmen religiöse Aspekte höchstens als Metapher oder Anspielungen fanden, hat Avatar nun einen ziemlich direkten Bezug. Die Naturverbundenheit der Na'vi, wie die Ureinwohner des Mondes Pandora heißen, hat quasi religiöse Ausmaße. Clever ist dabei, wie Cameron Esoterik und Wissenschaft verschmilzt, und über die digital designte Natur der Alien-Welt eine Art biologisch begründeten Pantheismus etabliert. Zumindest alle komplexeren Vertreter der Pandora-Fauna und -Flora verfügen über frei liegende Nervenenden, über die sie sich direkt mental verbinden können. Und die Bäume schaffen durch ihre - über ebensolche Nervenenden verbundenen Wurzeln ein Kommunikationsnetzwerk, das praktisch den gesamten Mond umspannt. (Ein Aspekt, der mich ein bisschen an die Prämisse des von Kritikern gescholtenen The Happening erinnert hat) In diesem sozusagen biologischen Internet sind Informationen über einzelne Lebewesen gespeichert - auch über Na'vi, die bereits verstorben sind. Das Netzwerk, das letztlich alle Lebewesen umfasst, bildet nun die Gottheit namens Eywa, die die Na'vi verehren. Und in ihrem Weltbild nimmt diese Gottheit die Seelen der Verstorbenen auf. Man kann sich jetzt streiten, ob das Ganze nun überhaupt noch mit Religion zu tun hat, wenn die Gottheit wissenschaftlich erklärt wird. (So argumentiert auch Jeffrey Weiss auf politics daily: Explaining Eywa is a matter of neurophysics, not theology. So it's not about religion.)
Dabei wird jedoch von einer heutzutage als selbstverständlich angesehenen Prämisse ausgegangen, nach der alles, was wissenschaftlich erfassbar ist, gleichsam physisch und materiell ist. Information ist jedoch immateriell, obwohl deren Träger materiell sind. Ich kann ein Lied nicht zerstören, indem ich eine Schallplatte zerbreche. (Genauso wie im Film das Töten des Avatars - ein Begriff aus dem Hinduismus - nicht automatisch zum Töten der Person führt) Insofern ist es eigentlich hochinteressant, dass die Gleichsetzung des Geistes oder der Seele eines menschlichen (oder menschenähnlichen) Wesens mit der immateriellen Information, die sein Gehirn verarbeitet und speichert, die im Film zum Ausdruck kommt, praktisch derselbe Gedanke ist, den christliche Wissenschaftler wie beispielsweise Werner Gitt äußern. (Ich halte Gitts Informationstheorie zwar nicht für so ausgearbeitet, wie sie sein sollte, teile jedoch seine Schlußfolgerung, dass der Mensch als informationsverarbeitendes und -speicherndes Wesen eine nicht-materielle Komponente hat. Diese Information ist in dem Sinne allerdings nicht im platonischen Sinne 'unsterblich', sondern abhängig von einem Träger und löschbar.)
Freitag, 11. Dezember 2009
Die Regeln des Spiels
Als Blog-Betreiber möchte man ab und an auch mal das Glück haben, eine echte Neuigkeit zu verbreiten. Bei einer Sache, die vor zweieinhalb Wochen passiert ist, überlegt man sich schon zweimal, ob man damit nicht Eulen nach Athen trägt. Beim sogenannten "Climagate", also der Veröffentlichung gehackter Emails von Klimaforschern, war ich jedoch tatsächlich ernsthaft am überlegen, da ich davon erst gestern durch die Lektüre des Spiegel erfuhr. Ich frage mich, ob ich das durch Lernen und Prüfungsvorbereitungen verpasst habe, oder einfach dadurch, dass so eine Meldung von Mainstream-Medien einfach ausselektiert wird, da man gerade eine politisch korrekte Weltrettungs-Appell-Stimmung verbreiten möchte.
Falls ich tatsächlich nicht der letzte war, der davon hörte: Sogenannte "Klimaskeptiker" hackten sich in Universitätsserver, stahlen und veröffentlichten Emails von führenden Klimaforschern. Ob durch diese Mails nun der Klimawandel oder auch nur der Mensch als Ursache desselben als große Verschwörung entlarvt werden, ist ein anderes Thema, das eigentlich interessante an der Sache - und so sieht das auch der Spiegel - sind die Vorgehensweisen der Forscher, die durch diese Mails entlarvt werden. Offenbar wurde diskutiert, wie Kritiker bedrängt und deren Publikationen etwa aus dem Bericht des Weltklimarats und auch aus sonstigen Publikationen herausgehalten werden können. Der Direktor des Klimazentrums in Norwich, Phil Jones, schreibt in einer Email sogar, dass man notfalls sogar die Definition, was Peer-Reviewed-Literatur ist, ändern wolle, um Kritiker fernzuhalten. In dem Zusammenhang fordern nun deutsche Klimaforscher wie der in dem Medien sehr präsente Mojib Latif oder Hans von Storch mehr "Transparenz": In Zukunft sollten Leitautoren des Weltklimarats nicht mehr zu den dominanten Forschern eines Gebietes gehören, die dann den eigenen Veröffentlichungen und jenen ihrer Kumpels eine besonders starke Deutungskraft zuerkennen. (spiegel online)
Das alles wirft natürlich ein sehr interessantes Licht auf den Wissenschaftsbetrieb. Interessant sind auch die Reaktionen der Beteiligten sowie der Medien. Für RTL oder web.de und Co. ist das Ganze praktisch nicht existent. Zeitungen wie die taz bemühen sich um größtmögliche Relativierung. Die Broschüre The Rules of the Game, in der Strategien zur Beeinflussung der Öffentlichkeit beschrieben werden, sei beispielsweise auch vorher schon ganz öffentlich im Netz zugänglich gewesen.* Auf Seiten von jungen, bloggenden Wissenschaftlern gibt es den mittlerweile fast obligatorischen Zynismus: Auf Mike's Trick sind sie alle, alle reingefallen. Selbst die Gletscher und die Blümchen sind auf Mike's Trick reingefallen.# Ein Klimaforscher der NASA meint gar: Wissenschaft funktioniert ja nicht, weil wir alle so nett sind. Newton war vielleicht ein Arsch, aber seine Gravitationsgesetze gelten noch heute. Darin schwingt unverhohlen ein ziemlich fragwürdiges Moralverständnis mit. Wissenschaft ist das eine, Moral etwas ganz anders. Aber was ist, wenn die meisten führenden Wissenschaftler eines Gebietes "Ärsche" sind, und Veröffentlichungen eines Kollegen behindern, die nicht ins Bild passen? Dann können Fakten Fakten sein, und gelten wie sie wollen, veröffentlicht werden sie trotzdem nicht. Und Die Wissenschaft
__________________________________________
* Das gilt größtenteils auch für das sogenannte Wedge-Document des Discovery Institute, nur interessiert es da komischerweise niemanden.
# Ein Zynismus, der wie so oft auf Kosten der Realität geht. Es wird einfach unterstellt, dass alle "Klimaskeptiker jeglichen Klimawandel leugnen, was natürlich nicht stimmt. Es geht eher um das Detail der Ursache. Vergleichbar ist das mit Zeitungsberichten, die z.B. suggerieren wollen, dass Kreationisten die Artbildung etwa bei Hunden ignorieren.
Falls ich tatsächlich nicht der letzte war, der davon hörte: Sogenannte "Klimaskeptiker" hackten sich in Universitätsserver, stahlen und veröffentlichten Emails von führenden Klimaforschern. Ob durch diese Mails nun der Klimawandel oder auch nur der Mensch als Ursache desselben als große Verschwörung entlarvt werden, ist ein anderes Thema, das eigentlich interessante an der Sache - und so sieht das auch der Spiegel - sind die Vorgehensweisen der Forscher, die durch diese Mails entlarvt werden. Offenbar wurde diskutiert, wie Kritiker bedrängt und deren Publikationen etwa aus dem Bericht des Weltklimarats und auch aus sonstigen Publikationen herausgehalten werden können. Der Direktor des Klimazentrums in Norwich, Phil Jones, schreibt in einer Email sogar, dass man notfalls sogar die Definition, was Peer-Reviewed-Literatur ist, ändern wolle, um Kritiker fernzuhalten. In dem Zusammenhang fordern nun deutsche Klimaforscher wie der in dem Medien sehr präsente Mojib Latif oder Hans von Storch mehr "Transparenz": In Zukunft sollten Leitautoren des Weltklimarats nicht mehr zu den dominanten Forschern eines Gebietes gehören, die dann den eigenen Veröffentlichungen und jenen ihrer Kumpels eine besonders starke Deutungskraft zuerkennen. (spiegel online)
Das alles wirft natürlich ein sehr interessantes Licht auf den Wissenschaftsbetrieb. Interessant sind auch die Reaktionen der Beteiligten sowie der Medien. Für RTL oder web.de und Co. ist das Ganze praktisch nicht existent. Zeitungen wie die taz bemühen sich um größtmögliche Relativierung. Die Broschüre The Rules of the Game, in der Strategien zur Beeinflussung der Öffentlichkeit beschrieben werden, sei beispielsweise auch vorher schon ganz öffentlich im Netz zugänglich gewesen.* Auf Seiten von jungen, bloggenden Wissenschaftlern gibt es den mittlerweile fast obligatorischen Zynismus: Auf Mike's Trick sind sie alle, alle reingefallen. Selbst die Gletscher und die Blümchen sind auf Mike's Trick reingefallen.# Ein Klimaforscher der NASA meint gar: Wissenschaft funktioniert ja nicht, weil wir alle so nett sind. Newton war vielleicht ein Arsch, aber seine Gravitationsgesetze gelten noch heute. Darin schwingt unverhohlen ein ziemlich fragwürdiges Moralverständnis mit. Wissenschaft ist das eine, Moral etwas ganz anders. Aber was ist, wenn die meisten führenden Wissenschaftler eines Gebietes "Ärsche" sind, und Veröffentlichungen eines Kollegen behindern, die nicht ins Bild passen? Dann können Fakten Fakten sein, und gelten wie sie wollen, veröffentlicht werden sie trotzdem nicht. Und Die Wissenschaft
™ funktioniert nicht so, wie sie vielleicht könnte. Es ist fast so, als wolle man sagen: Selbst wenn wir uns wie Ärsche verhalten, so kämpfen wir doch für ein hehres Ziel, Die Wissenschaft™. Da ist sowas wie Moral einfach mal nebensächlich.__________________________________________
* Das gilt größtenteils auch für das sogenannte Wedge-Document des Discovery Institute, nur interessiert es da komischerweise niemanden.
# Ein Zynismus, der wie so oft auf Kosten der Realität geht. Es wird einfach unterstellt, dass alle "Klimaskeptiker jeglichen Klimawandel leugnen, was natürlich nicht stimmt. Es geht eher um das Detail der Ursache. Vergleichbar ist das mit Zeitungsberichten, die z.B. suggerieren wollen, dass Kreationisten die Artbildung etwa bei Hunden ignorieren.
Montag, 7. Dezember 2009
Zusatzinformationen zur Podiumsdiskussion in Stuttgart
Hier für Interessierte mal ein Link zu Abstracts/Zusatzinformationen und Literaturangaben zu den Punkten der Podiumsdiskussion "Design ohne Designer?" am 24. 11. 2009 im Schloss Rosenstein, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart (von Axe, Lönnig, Junker, Rammerstorfer; dieses Papier wurde nach der Diskussion den daran interessierten Hörern zur Verfügung gestellt):
Dienstag, 24. November 2009
Heute vor 150 Jahren...
Montag, 23. November 2009
Seltsame Auswüchse
Da ich momentan im Prüfungsstress bin, wird hier leider bis Ende des Jahres nicht allzu viel laufen. Nur hier und da mal ein paar Bilder oder Links, wie diesen hier, auf den ich beim googeln nach "tree of life" gestoßen bin:
Evolution Tattoos
Evolution Tattoos
Sonntag, 1. November 2009
The Good, The Bad & The Ugly
Eigentlich liebe ich gute Diskussionen. Leider stelle ich aber immer wieder fest, dass meine Vorstellung von einer guten Diskussion, die wie ein Schachspiel sein sollte, wohl ein ziemlich unerreichbares Idealbild ist. Selbst unter intelligenten, fairen und zur Selbstreflektion fähigen Diskussionspartnern gibt es, anders als beim Schach, letztlich keine festlegbaren Regeln, und bis zu einem gewissen Grad redet man wohl immer an sich vorbei. Auch bei Zuschauern des Ganzen können sich ganz unterschiedliche Eindrücke bilden, je nachdem, zu welchem Lager man gehört. Insofern kann man wohl selbst gehaltvolle Diskussion im Endeffekt eher mit Boxkämpfen vergleichen, bei denen man von einer Jury zum Verlierer erklärt werden kann, selbst wenn viele Zuschauer einen ganz anderen Eindruck hatten.
Eine seltsame Diskussion hatte ich vor ein paar Tagen in einem Filmforum. Entsponnen hatte sie sich am neuen Roland-Emmerich-Spektakel, 2012. In einem Zeitungsinterview hatte Emmerich erzählt, dass in seinem Film Bauten und Symbole so ziemlich aller Religionen draufgehen - Petersdom, buddhistische Klöster, etc. - nur nichts islamisches. Hätte man Mekka zerstört, hätte man vielleicht eine Fatwa gegen den Film provoziert, so Emmerich.* Ich weiß nicht, ob das scherzhaft gemeint war oder ernst, beides wäre möglich. Über Emmerichs Werke kann man wohl streiten, ich persönlich sehe sie sehr gern, und ich mochte bisher auch seine Art, unbequeme oder politische Themen in Popcorn-Movies unterzubringen. Dank Godzilla sind beispielsweise Chiracs Atombombenversuche, die seinerzeit weltweite Empörung auslösten, im allgemeinen Gedächtnis verewigt. Dass Emmerich nun der Mut fehlt, allen Religionen ein gleiches Recht auf effektreiches Plattmachen zuzugestehen, enttäuscht mich doch etwas.
Daraus ergab sich nun eine Diskussion über den Islam, in der auch recht schnell Begriffe wie "Fremdenfeindlichkeit" und "Intoleranz" fielen, allerdings in Bezug auf Islamkritiker. Grundtenor war in etwa: Man könne doch nicht eine ganze Weltreligion kritisieren, alle religiösen Schriften könne man zur Begründung jeglichen Terrors missbrauchen, und Christen seien heutzutage auch nicht besser. Stichwort "Abtreibungskliniken in die Luft jagen" oder "intelligent design an die Schulen bringen wollen" (O-Ton). Diese Grundüberzeugung, die offenbar eine tragende Säule im Weltverständnis einiger Diskussionsteilnehmer darstellte, wurde auch nach dem massiven Zitieren renommierter Geschichtswissenschaftler nicht mal ansatzweise in Frage gestellt. Als Quellen für "böse Bibelzitate" wurde unter anderem diese Seite genannt, wo es in Bezug auf Lukas 19:22-27 heißt: "Jesus orders killed anyone who refuses to be ruled by him". Dass es sich hier um die wörtliche Rede eines fiktiven Königs in einem Gleichnis handelt, und damit um quote-mining der übelsten Sorte, änderte nichts daran, dass den Islamkritikern in dieser Diskussion ständig der schwarze Peter des unredlichen "Diskutierens" zugeschoben wurde.
Interessant - oder genauer gesagt, erschreckend - fand ich, wie genau und argumentationsresistent verteilt gewisse Rollen im politisch korrekten Weltverständnis vieler Leute sind. Islam und Christentum müssen da beispielsweise unbedingt als gleich gut oder gleich schlecht gelten. Beide haben Texte, die man irgendwie interpretieren kann, und auf beiden Seiten wurden und werden schlimme Dinge getan. Was genau in Bibel und Koran steht, interessiert dabei eigentlich überhaupt nicht. Und man hat den Verdacht, dass es sich bei der angepriesenen Toleranz in Wahrheit um Gleichgültigkeit handelt. Da wird dann allen Ernstes der Genozid im Sudan mit "in die Luft gejagten Abtreibungskliniken" oder dem Bedrohungspotential von ID-Leuten** verglichen.
_______________________________________
* „Wir haben Mekka bei der Zerstörung ausgelassen, sonst hätten sie eine Fatwa auf unseren Kopf ausgerufen.“ (Focus-Online)
** Ein Bedrohungspotential, dass im Gegensatz zum mehr oder weniger öffentlich erklärten Ziel der Islamisierung der westlichen Welt mancher Muslime mit abenteuerlichen Konstruktionen begründet wird. Immerhin schwächelt mittlerweile eines der Haupt-"Argumente" gegen die kreationistische Weltbedrohung: Kreationisten könnten den Kampf gegen mutierende Viren irgendwie schwächen. (Betonung liegt wohl auf "irgendwie") Wenn im Zuge der Schweinegrippe selbst Ärzte skeptisch gegenüber der eigenen Impfung sind, dürften Kreationisten wohl auch nichts mehr verschlimmern.
Eine seltsame Diskussion hatte ich vor ein paar Tagen in einem Filmforum. Entsponnen hatte sie sich am neuen Roland-Emmerich-Spektakel, 2012. In einem Zeitungsinterview hatte Emmerich erzählt, dass in seinem Film Bauten und Symbole so ziemlich aller Religionen draufgehen - Petersdom, buddhistische Klöster, etc. - nur nichts islamisches. Hätte man Mekka zerstört, hätte man vielleicht eine Fatwa gegen den Film provoziert, so Emmerich.* Ich weiß nicht, ob das scherzhaft gemeint war oder ernst, beides wäre möglich. Über Emmerichs Werke kann man wohl streiten, ich persönlich sehe sie sehr gern, und ich mochte bisher auch seine Art, unbequeme oder politische Themen in Popcorn-Movies unterzubringen. Dank Godzilla sind beispielsweise Chiracs Atombombenversuche, die seinerzeit weltweite Empörung auslösten, im allgemeinen Gedächtnis verewigt. Dass Emmerich nun der Mut fehlt, allen Religionen ein gleiches Recht auf effektreiches Plattmachen zuzugestehen, enttäuscht mich doch etwas.
Daraus ergab sich nun eine Diskussion über den Islam, in der auch recht schnell Begriffe wie "Fremdenfeindlichkeit" und "Intoleranz" fielen, allerdings in Bezug auf Islamkritiker. Grundtenor war in etwa: Man könne doch nicht eine ganze Weltreligion kritisieren, alle religiösen Schriften könne man zur Begründung jeglichen Terrors missbrauchen, und Christen seien heutzutage auch nicht besser. Stichwort "Abtreibungskliniken in die Luft jagen" oder "intelligent design an die Schulen bringen wollen" (O-Ton). Diese Grundüberzeugung, die offenbar eine tragende Säule im Weltverständnis einiger Diskussionsteilnehmer darstellte, wurde auch nach dem massiven Zitieren renommierter Geschichtswissenschaftler nicht mal ansatzweise in Frage gestellt. Als Quellen für "böse Bibelzitate" wurde unter anderem diese Seite genannt, wo es in Bezug auf Lukas 19:22-27 heißt: "Jesus orders killed anyone who refuses to be ruled by him". Dass es sich hier um die wörtliche Rede eines fiktiven Königs in einem Gleichnis handelt, und damit um quote-mining der übelsten Sorte, änderte nichts daran, dass den Islamkritikern in dieser Diskussion ständig der schwarze Peter des unredlichen "Diskutierens" zugeschoben wurde.
Interessant - oder genauer gesagt, erschreckend - fand ich, wie genau und argumentationsresistent verteilt gewisse Rollen im politisch korrekten Weltverständnis vieler Leute sind. Islam und Christentum müssen da beispielsweise unbedingt als gleich gut oder gleich schlecht gelten. Beide haben Texte, die man irgendwie interpretieren kann, und auf beiden Seiten wurden und werden schlimme Dinge getan. Was genau in Bibel und Koran steht, interessiert dabei eigentlich überhaupt nicht. Und man hat den Verdacht, dass es sich bei der angepriesenen Toleranz in Wahrheit um Gleichgültigkeit handelt. Da wird dann allen Ernstes der Genozid im Sudan mit "in die Luft gejagten Abtreibungskliniken" oder dem Bedrohungspotential von ID-Leuten** verglichen.
_______________________________________
* „Wir haben Mekka bei der Zerstörung ausgelassen, sonst hätten sie eine Fatwa auf unseren Kopf ausgerufen.“ (Focus-Online)
** Ein Bedrohungspotential, dass im Gegensatz zum mehr oder weniger öffentlich erklärten Ziel der Islamisierung der westlichen Welt mancher Muslime mit abenteuerlichen Konstruktionen begründet wird. Immerhin schwächelt mittlerweile eines der Haupt-"Argumente" gegen die kreationistische Weltbedrohung: Kreationisten könnten den Kampf gegen mutierende Viren irgendwie schwächen. (Betonung liegt wohl auf "irgendwie") Wenn im Zuge der Schweinegrippe selbst Ärzte skeptisch gegenüber der eigenen Impfung sind, dürften Kreationisten wohl auch nichts mehr verschlimmern.
Sonntag, 4. Oktober 2009
TV-Tip
Heute, 20:15 Uhr: Das Genie der Natur, Teil 1 von 3 auf 3Sat.
Aus der Beschreibung:
Aus der Beschreibung:
Wie verblüffend intelligent die Konstruktionspläne des Lebens sein können, zeigt diese dreiteilige Serie über die wunderbare Welt der Bionik.Und ganz wichtig: Beim Zuschauen ständig dran denken, dass Begriffe wie Genie, intelligent oder Konstruktionsplan nur metaphorisch gemeint sind! Evolutionsbefürworter kommen nicht umhin, solche Begriffe zu benutzen, obwohl sie es eigentlich nicht wollen, bzw. oft das Gegenteil meinen. (Also so eine Art Tourette-Syndrom...)
Samstag, 3. Oktober 2009
Von Frauen und Kaulquappen
Am vergangenen Wochenende fand in Berlin wieder einmal ein Schweigemarsch - "Marsch für das Leben" genannt - gegen Abtreibung statt. Das Ausmaß des sogenannten Gegenprotests nahm diesmal jedoch traurige und erschreckende Züge an - selbst für jemanden wie mich, der sich an dem Marsch nicht beteiligt hat.
Die Beschreibung dieses Gegenprotests beim Humanistischen Pressedienst ist von Zynismus nur so durchtränkt. Man beschwert sich darüber, dass die massive Störung einer völlig legalen und völlig gewaltfreien Demonstration von Polizisten behindert wird - was eigentlich selbstverständlich sein sollte und in noch stärkerem Ausmaß wünschenswert wäre ("Die euphorische Stimmung wurde jedoch durch die zahlreiche Anwesenheit von Polizisten getrübt"). Die Slogans der Linksradikalen waren auf maximale Verletzung der Gefühle der Marschteilnehmer angelegt ("Hätt Maria abgetrieben, wär uns das erspart geblieben" (!) oder "Föten zu Pflugscharen" [sic]) bei gleichzeitiger Abwesenheit vernünftiger Argumente, was ein interessantes Licht darauf wirft, was die selbsternannten "Humanisten" unter Humanismus verstehen, und wie human sie mit denen umgehen, die nicht ihr Konzept von Humanität teilen. Dass unter den Marschteilnehmern auch zahlreiche Kinder und ältere Menschen waren, störte die Linksradikalen dementsprechend wenig. Im Gegenteil, der Psychoterror "zeugte von der positiv geladenen, emanzipatorischen Stimmung der Pro-Choice Demonstranten". Einer Frau, die über negative Erfahrungen mit einer Abtreibung berichtet, wird von der Verfasserin (!) mal eben psychische Labilität unterstellt. Dass Abtreibungsgegner regelmäßig in die rechte Ecke gestellt werden, als "Frauenfeinde" bezeichnet werden (Mütter und ihre Kinder dabei potentiell als Gegner ausgespielt werden, getreu dem Motto 'Wer für das Kind ist, ist gegen die Mutter') und der Mord an einem Abtreibungsarzt in den USA erwähnt wird, ist dabei schon Usus der Berichterstattung.
Höhepunkt der "euporischen" und "positiv-geladenen" Stimmung war schließlich die öffentliche Verbrennung einer Bibel. Spätestens hier muss man an Heine und sein berühmtes Zitat über Menschen, die Bücher verbrennen, denken. Oder auch an George Orwells 1984, in dem er die systematische Pervertierung von Begriffen und Werten vorwegnimmt (Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei). Eine Organisation, die sich selbst "Pro Familia" nennt, beteiligt sich aktiv an einer Demonstration gegen "religiöse Dogmen" wie "Familienzentriertheit"; selbsternannte "Humanisten" versuchen, ihre Gegner möglichst schmerzhaft unter der Gürtellinie zu treffen; und selbsternannte "Antifaschisten" praktizieren letztlich sogar die Rituale von Nationalsozialisten.
Wie eng diese radikale Ideologie mit der Idee einer allgemeinen Evolution verflochten ist, zeigt der Text einer jungen Frau, der auf der Internetseite der Linken in Schleswig-Holstein veröffentlicht wurde, nach kritischen Stimmen (siehe hier oder hier) jedoch wieder entfernt werden musste. Darin fielen interessante Sätze wie: "Ein Embryo/Fötus befindet sich in einem Zustand der Dämmerung, etwa vergleichbar mit dem unbewussten Gefühlsleben einer Pflanze." oder "Er ist kein Individuum und befindet sich im besten Falle auf der evolutionären Stufe mit einer Kaulquappe, aber ganz sicher nicht mit einem Menschen" oder auch "Behinderte Menschen liegen dem Sozialstaat auf der Tasche, werden seit Menschengedenken als unnütze Esser betrachtet".
Die Beschreibung dieses Gegenprotests beim Humanistischen Pressedienst ist von Zynismus nur so durchtränkt. Man beschwert sich darüber, dass die massive Störung einer völlig legalen und völlig gewaltfreien Demonstration von Polizisten behindert wird - was eigentlich selbstverständlich sein sollte und in noch stärkerem Ausmaß wünschenswert wäre ("Die euphorische Stimmung wurde jedoch durch die zahlreiche Anwesenheit von Polizisten getrübt"). Die Slogans der Linksradikalen waren auf maximale Verletzung der Gefühle der Marschteilnehmer angelegt ("Hätt Maria abgetrieben, wär uns das erspart geblieben" (!) oder "Föten zu Pflugscharen" [sic]) bei gleichzeitiger Abwesenheit vernünftiger Argumente, was ein interessantes Licht darauf wirft, was die selbsternannten "Humanisten" unter Humanismus verstehen, und wie human sie mit denen umgehen, die nicht ihr Konzept von Humanität teilen. Dass unter den Marschteilnehmern auch zahlreiche Kinder und ältere Menschen waren, störte die Linksradikalen dementsprechend wenig. Im Gegenteil, der Psychoterror "zeugte von der positiv geladenen, emanzipatorischen Stimmung der Pro-Choice Demonstranten". Einer Frau, die über negative Erfahrungen mit einer Abtreibung berichtet, wird von der Verfasserin (!) mal eben psychische Labilität unterstellt. Dass Abtreibungsgegner regelmäßig in die rechte Ecke gestellt werden, als "Frauenfeinde" bezeichnet werden (Mütter und ihre Kinder dabei potentiell als Gegner ausgespielt werden, getreu dem Motto 'Wer für das Kind ist, ist gegen die Mutter') und der Mord an einem Abtreibungsarzt in den USA erwähnt wird, ist dabei schon Usus der Berichterstattung.
Höhepunkt der "euporischen" und "positiv-geladenen" Stimmung war schließlich die öffentliche Verbrennung einer Bibel. Spätestens hier muss man an Heine und sein berühmtes Zitat über Menschen, die Bücher verbrennen, denken. Oder auch an George Orwells 1984, in dem er die systematische Pervertierung von Begriffen und Werten vorwegnimmt (Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei). Eine Organisation, die sich selbst "Pro Familia" nennt, beteiligt sich aktiv an einer Demonstration gegen "religiöse Dogmen" wie "Familienzentriertheit"; selbsternannte "Humanisten" versuchen, ihre Gegner möglichst schmerzhaft unter der Gürtellinie zu treffen; und selbsternannte "Antifaschisten" praktizieren letztlich sogar die Rituale von Nationalsozialisten.
Wie eng diese radikale Ideologie mit der Idee einer allgemeinen Evolution verflochten ist, zeigt der Text einer jungen Frau, der auf der Internetseite der Linken in Schleswig-Holstein veröffentlicht wurde, nach kritischen Stimmen (siehe hier oder hier) jedoch wieder entfernt werden musste. Darin fielen interessante Sätze wie: "Ein Embryo/Fötus befindet sich in einem Zustand der Dämmerung, etwa vergleichbar mit dem unbewussten Gefühlsleben einer Pflanze." oder "Er ist kein Individuum und befindet sich im besten Falle auf der evolutionären Stufe mit einer Kaulquappe, aber ganz sicher nicht mit einem Menschen" oder auch "Behinderte Menschen liegen dem Sozialstaat auf der Tasche, werden seit Menschengedenken als unnütze Esser betrachtet".
Labels:
Atheisten,
Ethik,
Naturalismus,
Zeitgeschehen
Abonnieren
Posts (Atom)