Dienstag, 26. Februar 2008

Physiozentrischer Masochismus

Katastrophenszenarien haben einen gewissen morbiden Reiz. Ebenso Post-apokalyptische Szenarien - Verwilderte Großstädte, Rehe auf Highways, die Freiheitsstatue im Sand versunken. In Literatur und Film haben derartige Dystopien längst ihre Berechtigung und teilweise Kultstatus, siehe "12 Monkeys" oder jüngst "I Am Legend".

Der Journalist und Autor Alan Weisman ist der düsteren Vision einer von heute auf morgen menschenleeren Erde in seinem Buch Die Welt ohne uns. Reise über eine unbevölkerte Erde sachlich-nüchtern nachgegangen. (übrigens weit oben auf meiner To-read-Liste und mit etwas Muße hier irgendwann rezensiert ;) Im November letzten Jahres erschien dazu ein Artikel in "Spektrum der Wissenschaft".

Man sollte meinen, dass die Vorstellung einer menschenleeren Erde Wasser auf den Mühlen und Öl in den Kehlen derjenigen ist, die eine auch nur ansatzweise anthropozentrische Weltsicht geißeln, wo sie nur können, nach dem Motto: 'Wir sind nur die Pest auf einem ansonsten wunderschönen Planeten, wir sind nichts besonderes (aber immer noch so besonders, um eine offensichtliche Verantwortung für alle anderen Lebewesen zu haben) nur das Abfallprodukt eines Zufallsprozesses, wir sind nicht so intelligent, wie wir meinen (aber immer noch so intelligent, um uns dessen bewusst zu werden), etc. pp.'

Aber weit gefehlt! Ein Leserbrief zum Spektrum-Artikel entlarvt, dass selbst die wohltuende Vorstellung einer menschenentleerten Erde heuchlerisch anthropozentrisch ist! Denn um sich eine menschenleere Erde vorzustellen, bedarf es - Sie ahnen die Anmaßung: Menschen!
Ich denke, dass sein Gedanke, "die Umweltprobleme durch seine Betrachtungsweise in neuem Licht zu sehen" nicht erreicht wird, weil er den Verursacher zu sehr in eine Zuschauerrolle setzt.

Wir sind der singende, tanzende, egozentrische Abschaum des Universums, schon allein aus dem Grund, weil wir zu dieser Erkenntnis uns selbst brauchen...
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Zu der Meinung des Leserbrief-Verfassers, "Für wen soll es denn ein schmerzlicher Verlust sein? - für alle "Kreaturen" auf unserem Planeten, bestimmt nicht": Meine Katze vermisst mich schon, wenn ich mal ein paar Stunden weg bin und sitzt dann am Fenster. Ich denke schon, dass sie mich auch vermissen würde, wenn ich plötzlich gänzlich von diesem Planeten verschwinden würde. Und das nicht nur, weil ich ihr was zu futtern gebe.

Es ist überhaupt interessant, dass die Natur immer als fragiles, interagierendes System dargestellt wird, in dem jede Art ihren Sinn und Platz hat, nur der Mensch nicht. Hat der Mensch also doch eine Sonderrolle? Warum sollte unser Morden, Foltern, etc. kein Teil der Natur sein? Oder andersherum formuliert: Muss sich eine Spezies, die durch ihre Intelligenz an der Spitze der Nahrungskette steht, nicht selbst dezimieren, weil es ja sonst niemand tut?

Wahrscheinlichkeit = 0,000001 %



Evolutionisten dürfte der Spot wohl kaum beeindrucken, denn denkt man an die riesige Zahl von Galaxien, Sonnensystemen und Planeten im Universum, dann passiert sowas eben. Irgendwie, irgendwann, irgendwo, ...

Freitag, 1. Februar 2008

System-Crash

Die Zeitschrift P.M. berichtet in ihrer neuesten Ausgabe von einem interessanten Forschungsergebnis, das sich aus der Analyse von Material der "Genesis"-Sonde ergibt, die bereits 2004 aufgrund technischer Defekte abstürzte. Geochemiker Bernard Marty verglich die molekulare Signatur der Proben, die geborgen werden konnten, mit denen anderer Proben. Mit einem erstaunlichen Ergebnis:

Danach stammten die inneren, festen Trabanten wie Venus, Erde, Mars aus dieser [ursprünglichen] Solarwolke, die Äußeren Gasriesen wie Jupiter, Saturn, Uranus aus einer anderen. Über die Ursachen gibt es nur Spekulationen: Ist unserer Sonnensystem in der Urzeit mit einem anderen kollidiert und hat die Giganten dabei eingefangen?

Samstag, 19. Januar 2008

Michael Caines Stimme in "Der privilegierte Planet"



Während im Februar, wie weiter unten berichtet, Expelled - No Intelligence Allowed in den Staaten anläuft, gibt es auch in Deutschland eine Premiere, und zwar die der deutschen Fassung von The Privileged Planet. Der Film sollte bereits im Dezember starten, musste jedoch verschoben werden.

Nichtsdestotrotz nimmt die Bearbeitung des Dokumentarfilms Formen an. Das deutsche Pendant zu Erzähler John Rhys-Davies (Der Herr der Ringe) ist Regisseur und Schauspieler Jürgen Thormann, seit über 40 Jahren die kongeniale deutsche Stimme von Sir Michael Caine, sowie von Ian McKellen und Max von Sydow.


Samstag, 12. Januar 2008

EXPELLED

Im nächsten Monat kommt Expelled - No Intelligence Allowed in die US-Kinos, eine Dokumentation über ID-Vertreter mit dem Autor und Komiker Ben Stein. Hier ein längerer Trailer:



Sowie ein kurzes Interview mit Ben Stein:

Freitag, 11. Januar 2008

Das Leben ist eine Zwiebel

Auf Uncommon Descent würde kürzlich auf eine Pflanzenstudie hingewiesen, die eine "tief verborgene" (deeply hidden) Ebene der transkriptionellen Regalution zutage brachte (Salk Institute). Der erste der zahlreichen Kommentatoren nannte die transkriptionelle Regulation an sich interessanterweise das "dunkle Materie"-Problem der Biologie.

So faszinierend solche Forschungsergebnisse sind, die Frage ist, ob immer tiefer liegende Ebenen der Komplexität an sich eher für den Entwicklungs- oder den Designgedanken sprechen. Den Forscher als solchen sollten solche verborgenen und noch auf ihre Erklärung harrenden Entdeckungen wohl so oder so beflügeln. Doch wie sieht es mit Forschern aus, die sich an bestimmte Theorien gebunden fühlen? Hier wird das Beflügeln oft von der Forschung im allgemeinen auf die Theorie im speziellen umgemünzt. Findet man, was man im Rahmen der Theorie erwartet, ist alles in Ordnung. Findet man etwas völlig anderes, ist auch alles in Ordnung, denn könnte man alles erklären, wäre man als Forscher ja arbeitslos. 'Natürlich habe die Evolutionstheorie noch Lücken', meinte jemand in einem Zeitungsartikel mal in etwa, 'deshalb stehen Evolutionsbiologen ja auch noch in Lohn und Brot'. So wirkt die Theorie heuristisch fruchtbar, obwohl es eigentlich die von jeder Theorie nackte Natur an sich ist, die heuristisch fruchtbar ist. Da ist dann der gemeine Wasserschlauch beispielsweise nicht etwa wegen seiner verstandenen Entwicklungsgeschichte ein Paradebeispiel der Evolution, sondern allein wegen seiner „bizarren Fresskünste".

Mittwoch, 2. Januar 2008

Das Aposematismus-Paradoxon

Meine Feiertags-Lektüre war, bzw. ist noch, Das Glück der Tiere von Burkhard Müller. Eine ausführlichere Rezension wird noch folgen. Was ich bisher allerdings schon als sehr positiv herausstellen kann, ist, dass Müller viele Beispiele für evolutionäre Sackgassen anführt, über die man noch nicht viel gelesen hat. (Wobei man ja offiziell eh nie viel über diese liest...)

Als Beispiel möchte ich das Problem der Warnfärbung nennen. Auf Seite 144 schreibt Müller:


Nebenbei bemerkt, ist natürlich jede Art von Warnfärbung ein besonders gutes Beispiel für die Unmöglichkeit des Anfangs. Es muss im ganzen Reich der Beutegreifer, welcher zoologischen Gruppen sie auch angehören mögen, eine wohl entwickelte Konvention geben, dass man von auffällig gefärbten Beutetieren besser die Zähne lässt, und zwar von vornherein: Hat jeder Räuber diese Erfahrung erst für sich zu machen, dann ist es für das arme Opfer, an dem er sich macht, meist schon zu spät. Räuber aber gibt es unendlich viele; die Warnfärbung muss jeden, bevor er sich den Appetit an ihrem Träger verderben kann, erst einmal durch ihre Auffälligkeit wie eine Zielscheibe anlocken. Die entsprechenden Verluste im Vorfeld künftigen evolutiven Gewinns können vielleicht von kompletten Spezies und Populationen ausgeglichen werden - wenn aber zunächst nur, wie es dem Wesen der Mutation entspricht, ganz vereinzelte Individuen das neue Merkmal tragen, so werden sie bevorzugt ausgemerzt: Es kann darum auf keinen Fall selektiert werden!


Ich wünsche allen Lesern ein schönes, gesundes und interessantes Jahr 2008!

Bildquelle

Sonntag, 23. Dezember 2007

Rube Goldbergs Honda

Da die Bezeichnung Rube-Goldberg-Maschine unter ID-Interessierten ein Begriff sein sollte, ist folgender Werbeclip nicht ganz offtopic. Der US-amerikanische Ingenieur und Cartoonist Rube Goldberg wurde berühmt durch seine gezeichneten Maschinen, die auf geradezu atemberaubend umständliche Weise eine sehr simple Funktion erfüllen. Michael Behe benutzt diese Maschinen in "Darwins Black Box" als Vergleich für bestimmte biologische Konstruktionen, wie die Blutgerinnungs-Kaskade.*

Obwohl an sich suboptimal, stellen Rube-Goldberg-Anordnungen eine besondere Herausforderung für eine postulierte unintelligente, graduelle Entstehung dar.** Da aber mittlerweile sogar für Mausefallen Evolutionsszenarien existieren, sollte ein entsprechendes Szenario für die in diesem Clip gezeigte Maschine ein Leichtes für den fantasiebegabten Evolutionsbiologen sein.

Voilà

* Wobei Behe eher auf die Feinabstimmung der Komponenten miteinander Bezug nimmt, weniger auf den Umstand, dass ein geringer Nutzen mit einem übertriebenen Aufwand erreicht wird. Letzteres spielt für ID eventuell eine Rolle als playful complexity.

** Wenn man annimt, dass Lebewesen letztendlich nur dem Zweck dienen, Duplikate von DNS-Molekülen zu verbreiten, sind sie fast alle Rube-Goldberg-Maschinen. Eine Konstruktion, die beispielsweise Theorien über das Universum austüftelt, Symphonien komponiert oder zum Mond fliegt, nur um im Endeffekt Molekül-Kopien in die Welt zu setzen, stellt wohl jeden Goldberg-Mechanismus beschämt in den Schatten.

Samstag, 15. Dezember 2007

Sexuelle Belästigung zum Wohle der Frau?

Vor knapp drei Monaten schrieb ich einen Beitrag über die jüngste Produktion des Filmemachers Fritz Poppenberg, die sich kritisch mit dem Thema Abtreibung auseinander setzt.

Das Thema 'Abbruch eines beginnenden Lebens' scheint nicht weniger emotional umstritten zu sein als Themen wie 'Beginn und Ursache des Lebens überhaupt'. Über thematische Gemeinsamkeiten und Unterschiede mag man sich streiten; warum ich noch einmal etwas dazu schreibe, ist ein Vorfall vor einer Abtreibungsklinik in Wien, beziehungsweise die entsprechende Berichterstattung darüber.

Auf der katholischen Video-Plattform gloria.tv wurden mehrere Clips (sie auch hier) veröffentlicht, die zeigen, wie Lebensschützer von engagierten Schauspielern auf zum Teil makabere Weise bedrängt werden. Einige dieser Aktivitäten kann man wohl ohne weiteres als sexuelle Belästigung sehen. Interessant ist das daraufhin in Gang gesetzte mediale Echo.

Einige Meldungen zu dem Vorfall erwähnen, dass gloria.tv in Moldawien betrieben werde, "außerhalb der EU mit ihren Persönlichkeitssschutzregeln". Das tut natürlich schon einmal sehr viel zur Sache. Der Betreiber der entsprechenden Klinik gibt zwar laut Standard zu, aus "Gründen der Gegenwehr" "immer wieder Schauspieler engagiert" zu haben, "um die Abtreibungsgegner von ihrem Tun abzuhalten." Das Video sei jedoch "offensichtlich manipuliert" (!) und stelle "einen verzweifelten Versuch religiöser Fanatiker dar, die Tatsachen auf den Kopf zu stellen". Sechs Tage später liest man: "Die Bilder, die auf der Internetseite gloria.tv veröffentlicht wurden und zeigen, wie die HLI-Demonstranten körperlich belästigt wurden, seien „bedauerliche Ausnahmen“." Ah ja...

Die ORF-Sendung "Thema" widmete sich dem Vorfall dann am 10. Dezember ebenfalls. In das Interviews eines Lebensschutz-Vertreters wird kurz und suggestiv die Großaufnahme eines Nagels in den Füßen einer Jesus-Figur geschnitten. Eine Französin, in deren Heimat "Der Versuch, eine Frau von einem Schwangerschaftsabbruch abzubringen, [...] mit bis zu 30.000 Euro Geldstrafe oder bis zu zwei Jahren Haft geahndet" (wienweb) wird, steht kopfschüttelnd vor Fotos von Embryos. Der Subtext dieser Berichterstattung ist mehr als klar: Selbst wenn die veröffentlichten Aufnahmen echt sein sollten (was grundsätzlich bezweifelt wird, Moldawien und so) ... selbst schuld! Wer versucht, Frauen von ihrem Recht auf Schwangerschaftsabbruch abzubringen, dem geschieht sexuelle Nötigung ganz recht. Die engagierten Schauspieler sind zwar nicht ganz billig, aber für den Klinikbetreiber fest steht: "Mit jedem Schwangerschaftsabbruch rette ich das Leben einer Frau."

Man kann sich fragen, was in einer Gesellschaft schief läuft, die glaubt, Frauen das Leben zu retten, indem sie deren Schwangerschaft beendet. (Das Wort Abtreibung wird hier meist bewusst vermieden, Schwangerschaft klingt eher wie ein körperlicher Zustand, den man abstellen kann) Ob man den Aktionen der Lebensschützer positiv gegenüber eingestellt ist oder nicht, erschreckend ist hier der Gleichklang der Medien. Niemand hinterfragt ernsthaft, ob Frauen wirklich umfassend über das Thema aufgeklärt und beraten wurden, was allein schon bei der großen Zahl von Teenagerschwangerschaften eine interessante Frage wäre. Und niemand scheint genau wissen zu wollen, ob ein Gynäkologe Schauspieler engagiert, um Frauen und Männer sexuell zu nötigen. Die wenigsten Seiten verlinken überhaupt zu dem entsprechenden Filmmaterial. Ähnlich wie bei ID (da zum Glück noch nicht in dieser Form) scheint bei vielen Toleranz und Mitgefühl dort zu enden, wo andere "religiös motiviert" sind.

Sonntag, 2. Dezember 2007

Kleine Rätselfrage:


Was verschwindet, wenn man es (evolutionär) erklärt?




Wer noch etwas darüber nachdenken möchte, sollte ab hier erstmal nicht weiterlesen. ;)






Die Antwort ist: Altruismus. Selbstloser Einsatz für andere, sogar völlig fremde, auch unter Gefahr für das eigene Leben. Ein Wort, das das sehr treffend bezeichnet, ist das griechische Wort Agape, das in den christlichen Schriften der Bibel vorkommt und als uneigennützige, schenkende Liebe übersetzt werden kann.

Schon Darwin hatte seine Probleme mit dem Altruismus. Seiner Vorstellung nach erklärt er sich im Tierreich vor allem durch Blutsverwandtschaft. Arbeitsbienen zum Beispiel, die sich für ihren Bienenstock opfern, schützen ihre Blutsverwandten und verhelfen damit indirekt Kopien der eigenen Gene zur Fortpflanzung. William D. Hamilton, den viele als Darwin des 20. Jahrhunderts bezeichnen, widmete sich dem Problem Altruismus und berechnete mit Formeln dessen Wahrscheinlichkeit und Nützlichkeit.

Altruismus unter Tieren mag in dem Sinne vielleicht noch erklärbar sein, der Wert menschlichen Altruismus' definiert sich jedoch gerade über Begriffe wie Freiwilligkeit. Hätte man einen Film über Oskar Schindler gedreht, wenn er nur aufgrund eines biologischen Imperativs so gehandelt hätte, wie er gehandelt hat, der sich für irgendwelche Gene als nützlich erwiesen hat? Bedingungslose, uneigennützige Liebe wäre eben nicht mehr bedingslos und uneigennützig, wenn sie irgendwo versteckt doch an irgendwelche Bedingungen und einen, wenn auch indirekten Eigennutz geknüpft wäre. Ein Erklären im Sinne darwinscher Modelle kommt hier einem Wegerklären, einem Zerstören gleich.

Aus rein wissenschaftlicher Sicht mögen solche ethischen Erwägungen irrelevant sein, trotzdem ergibt sich bei dieser Betrachtung letztlich das Bild einer Theorie, die ein Problem mit Selbstlosigkeit und Güte hat und sie aus ihrem Weltbild entfernen möchte. Und die jedem, der glaubt, selbstlos zu handeln, potentiell
unterstellt, letztendlich doch nur eigennützig zu sein. Das ist einer dieser Gründe, warum ich Wissenschaftler nicht verstehe, die nicht das geringste Problem zwischen Evolutionstheorie und christlichem Glauben sehen.*


** Francis Collins hält zwar beispielsweise Altruismus nicht für darwinistisch erklärbar, was aber letztlich auch daraus hinaufläuft, dass man der Darwinschen Theorie die Erklärungsmacht abspricht, die sie für sich einfordert. Bis zu welchem Grad man das macht, wenn man es eh schon macht, scheint wohl eine Frage der persönlichen Konsequenz zu sein.