Dienstag, 16. September 2008

Asche aufs Haupt

Die Church of England bittet Charles Darwin - 126 Jahre nach seinem Tod - um Entschuldigung. Für was eigentlich? Rev. Dr. Malcolm Brown schreibt unter der Überschrift "Good religion needs good science": "When a big new idea emerges which changes the way people look at the world, it’s easy to feel that every old idea, every certainty, is under attack and then to do battle against the new insights. The church made that mistake with Galileo’s astronomy, and has since realised its error. Some church people did it again in the 1860s with Charles Darwin’s theory of natural selection."

Browns Text folgt den üblichen Argumentationsschemen; Dinge, die schon anderswo hunderte Male gesagt wurden. Es gäbe keinen Konflikt zwischen Darwins Selektionstheorie und dem Christlichen Glauben*, die aktive Anwendung der Selektionstheorie auf Menschen war ein schlimmes Misverständnis**, etc. pp. Sogar zwei Bibelstellen führt Brown an: Jesu Aufforderung an seine Jünger, die Vögel und die Lilien auf dem Feld zu betrachten, sowie Johannes 16 Vers 12 und 13: "Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten." Darwin als geleitet vom Geiste der Wahrheit, der publik machte, was Jesus noch nicht zu sagen wagte - wenn das keine frohe Botschaft ist...

Hintergrund dieses Mea Culpa ist unter unterem die berühmte Auseinandersetzung zwischen Bischof Wilberforce und Thomas Henry Huxley im Jahre 1860. Die FAZ bemerkt dazu: "Die Geschichte ist bekannt: Eintausend Zuhörer hatten sich in dem Hörsaal des Naturgeschichtlichen Museums in Oxford eingefunden und lauschten nun der legendären Frage des Bischofs, ob Thomas Henry Huxley, der als Verteidiger der Evolutionstheorie in den Ring gestiegen war, über seine Großmutter oder den Großvater mit dem Affen verwandt sei. Die nicht weniger legendäre Antwort von Huxley lautete, dass er lieber einen Affen zum Großvater hätte als einen Mann, der seine Bildung und seinen Einfluss dafür einsetze, eine wissenschaftliche Diskussion ins Lächerliche zu ziehen. Kurzum: Huxley wollte lieber vom Affen als vom Pfaffen abstammen."

Heutzutage erscheint die ironische Frage des Bischofs jedoch geradezu artig im Vergleich zu dem zynischen Ton, der gegenüber Vertretern des Kreationismus oft angeschlagen wird. Wilberforce rezensierte Darwins Werk im übrigen einen Monat nach dem Zusammentreffen mit Huxley und attestierte Darwin eine "außergewöhnliche Klugheit". Und warum entschuldigt man sich eigentlich nicht auch gleich posthum bei Huxley? Im Entschuldigen scheint die CofE zumindest Übung zu haben. Die britische Ministerin Ann Widdecombe kommentiert: "It’s absolutely ludicrous. Why don’t we have the Italians apologising for Pontius Pilate? We’ve already apologised for slavery and for the Crusades. When is it all going to stop? It’s insane and makes the Church of England look ridiculous". Auch sonst scheint die Entschuldigung eher Kopfschütteln auszulösen.

Der Vatikan merkt an, dass man sich im Gegensatz zur anglikanischen Kirche nicht zu entschuldigen brauche. Darwin wurde nie verurteilt, Papst Pius XII. und zuletzt auch Johannes Paul II. hätten die Stichhaltigkeit vieler Punkte der Evolutionstheorie ausdrücklich bestätigt.

Einer Kanonisierung Darwins scheint eigentlich nichts mehr im Wege zu stehen. Zumindest wäre das wohl die PR-Aktion in seinem 150. Ehrenjahr.
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*Meine Meinung dazu habe ich zum Teil hier wiedergegeben.

** Man könnte sich fragen, warum Darwins Selektionstheorie eigentlich nicht auf Politik und Soziologie angewendet werden sollte , wenn andererseits nichts in den Geisteswissenschaften Sinn ergibt, außer im Lichte der Biologie

Sonntag, 24. August 2008

Top Secret: Saurier in Sachsen-Anhalt

Unweit meines Heimatstädtchen wurden in einem Tagebau bei Bernburg offenbar sensationelle Spuren von Dinosauriern aus der frühen Trias entdeckt. Mit einem Alter von knapp 250 Millionen Jahren wären es die bisher ältesten Nachweise der Saurier. Allerdings wurden sie bereits im Juni gefunden, aus "Sicherheitsgründen" jedoch bisher geheim gehalten. Die für Laien nicht sichtbaren Spuren wurden im Block nach Halle in das Landesamt für Archäologie gebracht. Landes-Archäologe Dr. Harald Meller hält sich bedeckt. Auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung, ob auch versteinerte Knochen gefunden wurden, meint er: "Zu Knochen sage ich gar nichts."

Dementsprechend scheinen in der Fachwelt Zweifel am Alter der Funde zu bestehen. Nicht zuletzt, da Meller Archäologe ist, und bei aller Interdisziplinarität dürfen ja nur Biologen, Geologen, Paläontologen und in Ausnahmefällen noch Biologiehistoriker in Evolutionsfragen mitreden. BILD Halle zitiert den Paläontologen der Universität Halle, Prof. Dr. Hartmut Haubold: "Dinosaurier kennt man nicht vor der Ober-Trias, das ist 20 Millionen Jahre nach Bernburg. Alles andere ist und bleibt Wunschdenken." Und Kollege Dr. Helmut Heinisch meint - fast etwas kutschera-esk: "Herr Meller sollte bei seinen Leisten bleiben und die Saurierforschung den Geologen überlassen. Sonst finde ich zur Strafe noch zwei weitere Originale der Himmelsscheibe."

Mitte September soll der Fund der Öffentlichkeit präsentiert werden.
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SPIEGEL Online: "Älteste Spuren von Dinosauriern entdeckt"
Naumburger Tageblatt: "Debatte um Spur der Saurier"
Volksstimme: "Sensationsfund bei Bernburg: Saurierspuren im Tagebau"
BILD Halle: "Und die Experten streiten sich" (Donnerstag, 21. August)

Montag, 18. August 2008

Das seltene Sonnensystem

Zu den in dem Dokumentarfilm Der privilegierte Planet erläuterten Argumenten gegen das sogenannte kopernikanische Prinzip gesellte sich jüngst ein weiteres hinzu, das die Entstehung unseres Sonnensystems betrifft.

Das Team um den Astronomen Edward Thommes von der Northwestern University in Evanstone/Illinois veröffentlichten in der jüngsten Ausgabe von Science das Ergebnis von Modellrechnungen zur Entstehung von Sonnensystemen. Demnach ist das "Fenster" für die Entstehung eines Systems wie des unsrigen im Zusammenspiel des Massenverhältnisses zwischen Stern und Staubscheibe und deren Viskosität erstaunlich klein:

“The solar system had to be born under just the right conditions to become this quiet place we see. The vast majority of other planetary systems didn’t have these special properties at birth and became something very different,” sagt Frederic A. Rasio, Professor für Physik und Astronomie an der Northwestern University.



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Astronomers Put Solar System In Perspective: Special Indeed

Dienstag, 29. Juli 2008

Beware! ID in the movies...

Vor eineinhalb Monaten hieß es zum US-Kinostart von The Happening auf Uncommon Descent: Another pro-ID movie opens on 2,986 theater screens. Und „...the Darwinists have no idea what will is yet to be unleashed on them in the culture war. They’ve only been sparring with the scouting parties so far.“



Mittlerweile ist The Happening auch in Deutschland gestartet, bzw. aus den meisten Kinos schon wieder raus. Die meisten Kritiken und Zuschauermeinungen waren erstaunlich schlecht. Ausgehend davon könnte man meinen, dass The Happening tatsächlich „basically a giant propaganda machine for intelligent design“ ist.

Was The Happening zum „Biggest Intelligent Design Movie of the year“ machen soll, ist letztenendes ein Satz: "It's an act of nature that we can't understand." Menschen, die sich seelenruhig von Löwen zerfleischen lassen oder unter Rasenmäher legen? Langweilig! Biologielehrer, die von Naturphänomenen reden, die nicht verstanden werden können? Der reinste Horror!

Aber es wird noch gruseliger: "Science will come up with a reason to put in the books but in the end it's just a theory. We fail to acknowledge forces at work beyond our understanding. To be a scientist, you must have a respectful awe for the laws of nature." Spätestens hier sollte man automatisch die Geigenakkorde aus der berühmten Psycho-Duschszene hören. Die Wissenschaft kann nicht alles erklären? Es gibt Phänomene, die wir vielleicht nicht erklären können, die wir aber trotzdem respektieren sollten? Das kann nur böse Pseudowissenschaft vom Schlage des Intelligent Design sein!

Ausgerüstet mit dieser Argumentation erkennt der Reviewer natürlich eindeutige Anzeichen für die antiquierte Moral der IDler: Alma, die Frau des Protagonisten, will noch keine Kinder mit ihrem Mann, was sie böse macht (was nirgendwo im Film behauptet wird). Da fragt man sich, ob sämtliche Horrofilme verkappte ID-Promo-Maschinen sind, da die promiskuitivsten Teenager in diesen Filmen stets die ersten Opfer sind; ein Klischee, das in der Scream-Reihe parodiert wurde.

Am Ende des Films ist Alma tatsächlich schwanger und teilt das freudig ihrem Mann mit. io10.com kommentiert das folgendermaßen: „At last, Alma is doing what "nature" and "evolution" want her to do.“ Die wirkliche Ironie liegt hier eher darin, dass dieser Satz auch sehr gut ohne die Anführungszeichen funktioniert.

Montag, 14. Juli 2008

"Die Wissenschaft ist ein hartes Business"

Wer sich auch nur ansatzweise für die ID/Evolutionsthematik interessiert, wird es wohl längst mitbekommen haben: Ulrich Kutscheras kontroverse Attacke der Geisteswissenschaften (im Original hier zu lesen), den auch die Süddeutsche in einem lesenswerten Artikel kommentiert hat.

Als ID-Befürworter muss man das also nicht mehr kommentieren. Selbst den Semi-Geisteswissenschaftler in mir drängt es nicht zu einer Stellungnahme. (Einerseits hat man als Filmwissenschaftsstudent nicht unbedingt das Gefühl, etwas wirklich wichtiges und fundamentales zum Geschick der Menschheit beizutragen, und wenn man nicht extrem faul ist, ist es auch praktisch unmöglich, schlechte Zensuren zu bekommen. Andererseits sind 'film studies' auch nicht gerade repräsentativ für die Geisteswissenschaften.) Interessant fand ich in dem Zusammenhang nur einen Beitrag der NZZ online über Alfred Russell Wallace, in dem Kutschera zu Wort kommt.

Kutschera setzt sich für die Rehabilitation des heute eher unbekannten Mitentdecker der Evolutionstheorie ein. Als einen der Gründe für die mangelnde Anerkennung führt er Wallace´ späte Spiritualität an, aus der er öffentlich keinen Hehl machte. Weltanschaulich ging Wallace praktisch den entgegengesetzten Weg von Darwin - vom Materialisten zum religiösen Spiritualisten. "Die Wissenschaft ist ein hartes Business", meint Kutschera. "Wenn Sie da mit Spiritismus kommen, ist es mit Ihrer Anerkennung vorbei." Da fragt man sich: Ist die Wissenschaft ein "hartes Business", weil sie so eine Eigendynamik entwickelt hat, oder ist sie es, weil Menschen wie Kutschera sie zu so einem "harten Business" machen? In dem sie zum Beispiel ganze Forschungsbereiche diffamieren? Oder Wissenschaftlern aufgrund ihrer Ansichten die Wissenschaftlichkeit absprechen?

Aber darin liegt wohl nicht nur Ironie, sondern auch ein gewisser Trost: Nach eineinhalb Jahrhunderten ist man schon mal bereit, abgefallenen Materialisten zu vergeben.

Samstag, 28. Juni 2008

Alle Vögel fliegen hoch

Eine in Science veröffentlichte Erbgutanalyse von 169 Vogelarten bringt den Stammbaum der Vögel ins Wanken. Vogelarten, die aufgrund von Aussehen oder Verhaltensweisen als evolutionär verwandt angesehen wurden, sind es nach der Studie offenbar doch nicht.

Flamingos sind demnach nicht so nah verwandt mit Lappentauchern wie bisher angenommen, der Kuckuck nicht so nah mit anderen Landvögeln (passt ein bisschen zu seinem Image...). Dagegen zeigten sich Sperlingsvögel und Papageien als näherstehend als bisher gedacht.

Damit dürfte die Liste von Merkmalen und Lebensweisen, die als zufälligerweise mehrmals unabhängig voneinander entstanden gelten, wieder etwas länger werden.
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A Phylogenomic Study of Birds Reveals Their Evolutionary History

Erbgut-Analyse rupft Vogel-Stammbaum

Donnerstag, 26. Juni 2008

Freitag, 6. Juni 2008

Theodizee und 'Hypothese Gott'

Zwei Haupt-Argumentationen gegen ein theistisches Weltbild sind zum einen die sogenannte Theodizee, die problematische Annahme eines allguten, allmächtigen und allweisen Schöpfers in einer Welt, in der Übel und Ungerechtigkeit regieren, zum anderen die praktischen Erfolge einer naturalistischen Weltsicht, getreu der berühmten Antwort des französischen Forschers Laplace auf die Frage Napoleons nach dem Platz Gottes in seinen Theorien: "Sire, der Hypothese ,Gott' bedürfen meine Theorien nicht."

Auf den ersten Blick doch recht überzeugend, befinden sich diese beiden Argumentationsprinzipien auf den zweiten Blick an entgegengesetzten Enden eines Spektrums von möglichen Antworten auf desselbe Thema: Wie gut funktioniert unsere Welt? Beziehungsweise: Könnte sie besser funktionieren, oder leben wir in der besten aller möglichen Welten?

Offensichtlich funktioniert diese Welt mehr oder weniger gut ohne das Eingreifen eines höheren Wesens, eines 'Superintellekts' oder 'Overminds'. Wie gut die Welt ohne diese Annahme funktioniert, erscheint für eine Argumentation gegen diese Annahme zunächst unerheblich. Logisch gesehen muss man jedoch sagen: Je besser etwas ohne Annahme X funktioniert, um so stärker ist das Argument gegen Annahme X. Wäre die Welt, in der wir leben, gerechter, besser und schöner, wäre die Position derjenigen gestärkt, die sagen: Wir können auch ohne Annahme X - sprich Gott - eine gerechtere, bessere, schönere Welt schaffen/haben - und wenn wir Gott dazu nicht brauchen, wozu sollten wir dann seine Existenz erwägen?

Je ungerechter, schlechter, hässlicher andererseits unsere Welt wäre, um so mehr greift die Theodizee: Eine so ungerechte, schlechte, hässliche Welt kann kein guter, mächtiger und weiser Gott geschaffen haben - wozu sollte man also dessen Existenz erwägen? (Gott ist sozusagen in einer Lose-Lose-Situation.)

Während also die Ungerechtigkeiten und Übel dieser Welt (so subjektiv sie auch oft sein mögen) die Theisten intellektuell herausfordern, da sie als potentielle Falsifikationen ihrer Position erscheinen, sehen sich Atheisten in ihrem Weltbild bestätigt, egal was da komme.

P.M. - Paradoxe Mischung

Das populärwissenschaftliche Magazin P.M. überrascht mich in letzter Zeit immer wieder. Auf der einen Seite gibt es oft erstaunlich faire Beiträge zu Ursprungsfragen oder sogar religiöse Themen – da findet sich sogar mal Lennox´ Hat die Wissenschaft Gott begraben? unter den Buchtips – auf der anderen Seite erschreckend schlampig bis überhaupt nicht recherchierte Brachial-Polemik gegen den Kreationismus, den Public Enemy Nr 1. In Heft 05/2006 (Mit Gott gegen die Evolution) behauptete man sogar allen Ernstes: Wenn das "Bollwerk" Evolutionstheorie ("nach Meinung der meisten Wissenschaftler die wichtigste Bastion eines humanistisch-freiheitlichen Weltbilds") fällt, "ist es wohl auch nicht mehr weit bis zur Ächtung von Linken, Homosexuellen, Abtreibungsgegnern (sic!) oder anderen Menschen mit abweichenden Meinungen oder Verhalten".

Ein Beispiel für ersteres war ein Interview mit dem Philosophen Robert Speamann in Ausgabe 4/08. (Dementsprechend vorhersehbar natürlich auch das Aufheulen der Meute im Leserbriefbereich der aktuellen Ausgabe. Da wird Religion mit der Sehnsucht nach dem Schlaraffenland gleichgesetzt und gleichzeitig tumbes Atheistenbashing beklagt)

Das absolute Negativbeispiel ist dagegen ein kurzer Artikel auf Seite 18 des Juni-Hefts - "Kreationismus - Die Lügen", ironischerweise unter dem Label 'Wissenschaft auf dem Prüfstand': „Mit einem „Atlas der Schöpfung“ wollen Kreationisten Darwin widerlegen. Sie verfechten den biblischen Schöpfungsglauben, nach dem Gottvater die Lebewesen vor 4000 Jahren (sic!) geschaffen hat („Intelligent Designer“).

Dass sich praktisch alle deutschen Kreationisten von Harun Yahya und seinem Atlas deutlich distanzieren, interessiert hier nicht. Es sind „Die Kreationisten“, basta. Warum so einen guten Punkt durch differenzierte Berichterstattung schwächen? Zu den 4000 Jahren muss man wohl nicht mehr viel Worte verlieren. Egal wie lächerlich, bedrohlich oder sonstwie man Kurzzeitkreationismus finden mag, für ein populärwissenschaftliches Magazin ist so ein schlampiger Fehler einfach ein Armutszeugnis. Vor allem, wenn man den, über den man schreibt, des notorischen Lügens beschuldigt.

Abschließend heißt es in diesem Artikel: "Woher beziehen Kreationisten ihren Glauben, dass Wissenschaftler die Existenz Gottes leugnen? Das Gegenteil ist der Fall, für viele Forscher bedingen und ergänzen sich Wissenschaft und Religion. Beispiel Max Planck*: Je mehr er in die Rätsel der Quantenphysik eindrang, desto ehrfürchtiger und gläubiger wurde er." Tja, woher wohl? Vielleicht von Leuten wie Dawkins? Von diversen Blogs, auf denen jeder dritte Post irgendeine Strichmännchenkarikatur ist? Von stolz veröffentlichten Atheistenquoten unter Biologen? Schon ziemlich paranoid, diese Kreationisten...

* Mit der Religiosität Plancks hat sich W.E. Lönnig auf seiner Internetseite auseinandergesetzt: Max Planck zum Thema Gott und Naturwissenschaft

Sonntag, 4. Mai 2008

ID und E.T.

Wenn man davon ausgeht, dass das Leben auf der Erde allein durch auf Materie einwirkende blinde Naturkräfte entstanden ist, dann spricht nicht viel dagegen, dass dieser Vorgang nicht auch anderswo im Universum passiert ist, passiert und passieren wird. Im Gegenteil, der Nachweis von Leben außerhalb und unabhängig der Erde würde der Theorie einer chemischen Evolution sehr entgegenkommen. Immerhin beschäftigen sich Naturwissenschaften nun mal mit Vorgängen, die jederzeit reproduzierbar sind – und nicht einmalig oder höchstgradig unwahrscheinlich. Eine belebte Erde inmitten steriler, lebensfeindlicher Weiten des Universums wäre in etwa wie ein Experiment, dass nur ein einziges Mal irgendwann 1972 in einem einsamen Labor irgendwo in Aserbaidschan geglückt ist – und sonst nie wieder. Nur eine weitere Reproduktion würde dem Experiment Leben den anrüchigen Status des Skurrilen nehmen.*

Wie sieht es aber aus, wenn man oben genannte Voraussetzung nicht als selbstverständlich und für alle Zeiten unangreifbar ansieht? Prinzipiell könnte man das Motto 'Was einmal auf der Erde passieren konnte, muss auch an anderen Orten und zu anderen Zeiten passiert sein' ohne weiteres auch auf das Intelligent-Design-Paradigma übertragen – Was einmal auf der Erde designt wurde, könnte auch woanders designt worden sein.

Andererseits wäre Einmaligkeit jedoch ein sehr starkes Design-Signal, vor allem in Kontrast zu einer Vielzahl von Möglichkeiten. Ein verliebter Jugendlicher in einem Wald beispielsweise, der seine Liebe in Form eines in Baumrinde geschnitzten Herzens mit Initialen von sich und seiner Angebeteten signalisieren möchte, wird dies im Normalfall nur an einem Baum tun. Allerdings wahrscheinlich eher aus ökonomischen Gründen, immerhin wäre ein Beschnitzen aller Bäume des Waldes ein enormer Aufwand. Für seine Mitmenschen würde ein Herz an allen Bäumen des Waldes vielleicht die Intensität des Signalisierten verstärken, sich allerdings nicht auf das Erkennen des Signals an sich auswirken.

Anders wäre der Fall, wenn unser Jugendlicher der letzte Mensch auf der Erde wäre. Er könnte seine Botschaft höchstens noch irgendwelchen außerirdischen Wesen signalisieren, die vielleicht mal mit ihrem Ufo in dem Wald landen. Eine Schnitzerei an jedem Baum des Waldes könnte dann jedoch bei diesen Aliens, die menschliche Zeichen wie Herzen und Buchstaben nicht kennen, den Eindruck erwecken, dass eine solche Schnitzerei ein ganz natürlicher Teil eines irdischen Baumes sei – so wie Blätter und Äste. Je mehr Bäume eine solche Schnitzerei hätten, umso stärker wäre dieser Eindruck.

Hätte der gesamte Wald nur noch einen einzigen gesunden Baum mit grünen Blättern, während alle anderen Bäume verdorrt wären, und hätte der Jugendliche sein Herz in genau diesen Baum geritzt, könnte die Schlussfolgerung der E.T.´s dieselbe sein – Irdische Bäume haben, wenn sie viele Äste und grüne Blätter haben, natürlicherweise auch solche Linien in der Rinde.

Das stärkste Design-Signal ist vorhanden, wenn nur ein einziger Baum des Waldes die Schnitzerei hat, und wenn alle anderen Bäume diesem Baum bis auf die Schnitzerei gleichen. So betrachtet stellt die Entdeckung vieler erdähnlicher Planeten im All an sich keine Herausforderung des ID-Paradigmas dar, möglicherweise sogar eher das Gegenteil. Erst wenn man nicht selbstverständlich voraussetzt, dass erdähnliche Planeten automatisch erdähnliches Leben tragen könnten, und das Leben auf dem entsprechenden Planeten unabhängig von dessen vorausgesetzten Bedingungen nachweist, wäre das Design-Signal des Lebens auf der Erde ernsthaft in Frage gestellt.**

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* Ein Sonderfall wäre hier der Nachweis von Lebewesen auf der Erde, die sich stark von allen bisher bekannten Lebewesen unterscheiden und unter evolutionistischer Voraussetzung für eine zweite, unabhängige chemische Evolution sprechen würden.

** Das gilt nicht, wenn man von einem Design via Naturgesetze ausgeht. Da die Herkunft der Naturgesetze offensichtlich aber so oder so erfolgreich ignoriert werden kann, wäre ein solches Design schwieriger zu erkennen und plausibel zu machen.