Donnerstag, 16. September 2010

Weltverbessern für Anfänger

Am Wochenende ist in Berlin eigentlich immer was los. Vor allem auf dem Potsdamer Platz. Letzten Samstag waren es jedoch mal keine kreischenden Fans und internationale Filmstars, die den Platz bevölkerten, sondern fröhliche Menschen mit bunten Haaren, die für "Bürgerrechte, Datenschutz und ein freies Internet" demonstrieren wollten. An sich sicherlich keine schlechte Sache.

Gegen Abend sah der entsprechende Platz jedoch aus wie nach der Explosion mehrerer Müllcontainer. Neben bunten Verpackungsmaterialien lagen Essensreste und zersplitterte Flaschen eines Hopfen-Malz-Getränks. Da fragt man sich dann doch ernsthaft: Was wollen sich derart asozial verhaltende Menschen eigentlich tatsächlich konstruktiv zur Verbesserung einer Gesellschaft beitragen?

Donnerstag, 9. September 2010

Witziges aus Straßburg

Sagt eine Feministin zur anderen: "Reichst du mir bitte mal die Salzstreuerin?"

An diesen alten Witz musste ich denken, als ich folgende Meldung las:
Europarat will "Mutter" und "Vater" abschaffen.

Da kann man eigentlich nur froh sein, dass bei den Europa-Gebäuden am Ill so viel Glas verwendet wurde, sonst müsste man das Licht mit Eimern hineintragen...

Samstag, 4. September 2010

Wirbel im Wassertropfen

Vom großen Isaac Newton ist das Zitat "Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean" überliefert. Seit Newton wissen wir sicherlich ein paar Tropfen mehr, während der große Ozean noch ziemlich unbeeindruckt daliegt. Auch wenn heutzutage gern der Eindruck erweckt wird, dass im großen und ganzen bis kurz nach dem Urknall alles prinzipiell geklärt sei, und auch der Urknall selbst demnächst bei Genf nachgestellt wird. (Ein Eindruck, den man wohl in ähnlicher Form auch schon zu Newtons Zeit gern hatte)

Umso mehr verwundert es dann immer, wenn man mit stolzgeschwellter Brust verkündet, dass unser Tropfen Wissen ziemlich sicher ausreichen würden, Gott aus dem großen Ozean auschließen zu können. Zur Zeit scheint Stephen Hawking da in die Fußstapfen von Dawkins und Co. treten zu wollen, mit seinem Buch "Der große Entwurf".

Erst im Juni dieses Jahres hatte beispielsweise eine Studie unter Führung der Universität Bonn Zweifel geweckt, dass es Dunkle Materie gibt. Das Zeug soll neben der ebenso ominösen Dunklen Energie immerhin 23 % des Masseanteils im Universum ausmachen. Angesichts solcher Meldungen mutet ein Satz wie „Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen“ dann doch eher wie ein Glaubensbekenntnis an. Aber ein wenig "sarrazinieren" ist wohl auch in der Wissenschaft üblich...

Mittwoch, 1. September 2010

Tausend Tode

Eine dieser Webseiten, die es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht haben, ist Exit Mundi, eine Sammlung aller möglichen und unmöglichen Weltuntergangsszenarien. Warum man das sagen kann? Nun ja, der Webmaster/Blogger/etc. hat aus seiner Seite mehr oder weniger ein Buch machen können. Und auf selbiges bin ich an einem verregneten Tag wie heute im Buchladen gestoßen.

Viele der dort vorgestellten Szenarien sind etwas weit hergeholt, aber nicht ganz uninteressant. Neu war mir beispielsweise, dass man in den Sechziger Jahren in der UdSSR glaubte, sogenanntes Polywasser entdeckt zu haben, welches stabiler als normales Wasser sein sollte. Durch diese Eigenschaft sah man die Gefahr, dass bei Kontakt mit herkömmlichen Wasser das Polywasser alles Wasser des Planeten umwandeln und damit alles Leben auslöschen würde. Zum Glück stellte sich Polywasser einfach als verunreinigtes Wasser heraus. Was genau es war, weiß man bis heute allerdings nicht genau, vermutlich der Schweiß des Entdeckers...

Donnerstag, 12. August 2010

Neues Interview mit Stephen Meyer



An der Günter-Netzer-Frisur müssen wir aber noch arbeiten... :)

Dienstag, 10. August 2010

Neues aus der Traumfabrik

Ab und zu gehe ich hier auch auf aktuelle Kinoproduktionen ein. In diesem Sinne möchte ich auf einen der kreativsten und faszinierendsten Filme hinweisen, die ich bisher gesehen habe: Inception, von Regisseur Christopher Nolan. Thema des Science-Fiction-Films sind Träume. In einer nahen Zukunft existiert eine Technologie, die es erlaubt, in die Träume anderer Personen einzusteigen und diese zu manipulieren. Ausgehend von einigen Prämissen, die wohl jeder aus seinen nächtlichen Trips kennt, entwickelt Nolan ein ebenso komplexes wie spektakuläres Szenario.

Warum ich den Film auf dieser Seite für erwähnenswert halte, ist die Art, wie Inception das menschliche Gehirn zum eigentlichen "Science-Fiction-Device" der Handlung macht. Der Film ist im Grunde eine Hommage an die Kraft des Geistes und der Phantasie, und damit natürlich auch an das Medium Film, das von allen Kunstformen dem Traum bisher am nächsten kommt. Träume sind eigentlich eines dieser Phänomene, die uns im Alltag selbstverständlich geworden sind, die bei näherer Betrachtung jedoch zum Staunen anregen. Wie im Film angedeutet wird, übernimmt das Gehirn hier gleichzeitig die Rollen von Konstrukteuren der Bild- und Handlungswelt einer Simulation sowie des Handelnden selbst; ist also praktisch Spieledesigner und Spieler in einem. Und kreiert innerhalb weniger Minuten komplexe Szenarien, wie man das aus kurzen Mittagsschläfchen kennt.

Diese empfundene Zeitdifferenz sowie das Phänomen, dass man manchmal im Traum aufzuwachen glaubt, bilden zwei der Grundprämissen von Inception. Letzteres erlebe ich in letzter Zeit relativ häufig. Im Film haben die Protagonisten diverse Tricks, anhand derer sie erkennen, dass sie gerade träumen. Bei mir ist das mittlerweile das Phänomen, dass ich im Traum fliegen kann. (Was ja damit erklärt wird, dass man im Liegen ein Gefühl der Schwerelosigkeit hat; das Gleichgewichtsgefühl des Träumers ist übrigens eine weitere Prämisse des Films) Kann ich die Schwerkraft überwinden, weiß ich, dass ich mich mit großer Wahrscheinlichkeit in einem Traum befinde (wobei, man weiß ja nie... ). Ab diesem Zeitpunkt kann ich dann lucid träumen, also den Traum aktiv gestalten, und versuchen, aufzuwachen. Was allerdings nicht garantiert, dass ich dann tatsächlich aufwache, und nicht nur träume, aufzuwachen...

Das sind so die Momente, in denen man als ID-Geschädigter fragt, ob diese unglaublich komplexe Wahrnehmungs- und Simulationsmaschine als "Unfall der Natur", der "dennoch funktioniert" (!), wirklich hinreichend beschrieben ist, wie man es in der Tradition Darwinschen negativen Denkens versucht...

Donnerstag, 29. Juli 2010

Urlaub

Nach einer längeren Urlaubspause ist es immer etwas schwierig, wieder in das bloggen reinzukommen. Bisher gelang mir das immer mit einem kleinen Bezug zum großen Thema, wie etwa Ludwigs wundersam evolvierten Kronleuchtern oder Paulus´ Spuren auf Malta. Nach meinem jetztigen Italienaufenthalt fiel mir das etwas schwerer.

Aber dann habe ich überlegt, was das eigentliche Highlight des Urlaubs war, und das war eindeutig der Besuch der Arena di Verona mit der Freilichtaufführung von Georges Bizets Oper Carmen. Ein Dirigent, ein dutzend Musiker, eine handvoll Sänger, zig liebevoll eingekleidete Statisten und ein unsichtbares Heer von Schneidern, Maskenbildnern und Bühnenarbeitern erwecken eine universelle Geschichte, das Sevilla des Jahres 1820 sowie die Kompositionen eines längst verwesten Mannes auf eine ebenso emotionale wie abstrakte Weise zum Leben. Wozu eigentlich? Kann ein streng naturalistisches, auf den kleinsten und primitivsten Nenner gebrachtes Weltbild darauf eine irgendwie befriedigende Antwort geben? Und damit kommen mir wieder die Worte von Klaus Maria Brandauer aus meinem ersten echten Blogbeitrag in den Sinn: "Ich hätte auch nicht gern, dass wir nur Materie sind. Das widerspricht meinem Künstlertum."

Sonntag, 27. Juni 2010

Neuer Stil, Name und Adresse

Schon seit längerem habe ich überlegt, den Blog mit einer richtigen Domain zu verbinden, nur leider fiel mir kein guter Name ein. "Schöpfung, Evolution, Intelligent Design" hat mir ehrlich gesagt auch nie wirklich gefallen. Zumal auch die meisten deutschen Evolutionskritiker zunehmend auf Distanz zum Begriff 'intelligent design' gehen, und auch ich mich in letzter Zeit weniger mit dem beschäftigt habe, was zu diesem Thema aus den Staaten kommt.

Die Domain missinglinks.info liegt mittlerweile schon seit mehreren Jahren brach; ursprünglich war geplant, zusammen mit Christoph Heilig darunter eine Plattform für Aufsätze von Schülern und Studenten zum Ursprungsthema zu betreiben. Da Christoph aber zwischenzeitlich das Lager gewechselt hat und ich den Erfolg eines solchen Unternehmens auch nicht mehr als besonders groß einschätze, lag es nahe, die Domain für den Blog zu nutzen. Immerhin ist der Name 'Missing Links' ganz griffig, und der Header war ebenfalls schon fertig.

Wer den Blog also auf seiner Seite verlinken möchte oder ihn bereits verlinkt hat, sollte bitte die Adresse missinglinks.info und den Namen "Missing Links" benutzen.

AKTUALISIERUNG: Leider kommt es durch die verschiedenen Browser wie Internet Explorer, Google Chrome, Mozilla, Opera, et cetera, zu Darstellungsproblemen. Deshalb bitte ich um Rückmeldungen, falls die Darstellung des Blogs unter der Adresse missinglinks.info fehlerhaft sein sollte.

Samstag, 12. Juni 2010

"Lebewesen und Design"


Titel: Lebewesen und Design. Eine Einführung.
Autor: Markus Rammerstorfer

Verlag: BoD, Norderstedt
ISBN: 978-3-8391-3243-2
Seiten: 108
Preis: 8,80



Wie angekündigt hier einige Gedanken zum jüngsten Buch von Markus Rammerstorfer. Es stellt laut Einleitung an sich selbst den Anspruch, „wesentliche Inhalte und grundlegende Argumentationen von 'Nur eine Illusion?' (2006) in überarbeiteter, kompakterer und zugänglicherer Form neu zu präsentieren“. Sozusagen für Menschen, die zwar ein grundsätzliches Interesse für die Design- und Teleologie-Thematik aufbringen, jedoch mit einer etwas niedrigeren „Leidensfähigkeit“ in Bezug auf Original-Zitate, „offizielle wissenschaftliche Ausdrucksweisen“, etc. Als langjähriger Interessierter an dieser Thematik kann man wohl nicht wirklich objektiv beurteilen, wie allgemein-verständlich oder populärwissenschaftlich ein Buch ist - immerhin ist man mit den wichtigsten Fachbegriffen, Persönlichkeiten und Argumenten vertraut. Ich denke aber, dass es sich für den interessierten Laien doch sehr gut und mit Gewinn liest, und entscheidende Argumente liefert.

Gravierende Unterschiede gibt es insofern gegenüber „Nur eine Illusion?“ auch nicht. Markus Rammerstorfer versucht auch hier, eine Bresche für das Design-Argument zu schlagen, und dessen Image als längst begrabene Leiche zu revidieren. Die Reanimation wirkt auf jeden Fall überzeugend, wobei man sich jedoch auch fragt, wohin die Reise für den Wiederauferstandenen gehen soll. Zeichnete der Autor in „Nur eine Illusion?“ noch die Vision einer 'Generaltheorie intelligenten Designs', fehlen die Zukunftsaussichten in „Lebewesen und Design“ meiner Meinung nach etwas.

Zunächst werden die Wurzeln der biologischen Ursprungsdebatte beleuchtet, was insofern immer interessant ist, dass sowohl das Design-Argument als auch die Idee, dass Leben durch rein naturgesetzliche Vorgänge irgendwie aus toter Materie entstand, bereits sehr früh ebenso intelligente wie prominente Befürworter fanden. Erste Station ist die Naturtheologie William Paleys sowie Humes allgemeine Kritik derselben, dann folgt Darwin. Darwin soll der Wendepunkt in der Design-Debatte schlechthin sein, und Richard Dawkins und andere können sich nicht vorstellen, Atheist gewesen zu sein, wenn sie vor der Veröffentlichung von Darwins „Origin of Species“ gelebt hätten. (Diese epochale Bedeutung Darwins verwundert vor allem dann, wenn andererseits der Vorwurf erhoben wird, dass Evolutionskritiker zu sehr auf seiner Theorie „herumreiten“ und sich die Evolutionsbiologie seit Darwin doch entscheidend verändert habe.)

Im folgenden widmet sich Rammerstorfer dem Wesen der Zielgerichtetheit in der belebten Welt und arbeitet heraus, dass sie real und ein besonderes Phänomen der Biologie ist. Insofern hat die Biologie eine naturgegebene Sonderstellung, derer sich Biologen wohl auch bewusst sein sollten. (Das scheint jedoch oft nicht der Fall zu sein, wenn man bedenkt, wie oft biologische Vorgänge in polemischer Weise mit Vorgängen wie der Entstehung von Wolken oder Schneeflocken etc. gleichgesetzt werden, um die Teleologie-Diskussion obsolet zu machen.)

Insofern sollte die Leben-Technik-Analogie, um die es im nächsten Kapitel geht, wohl mehr als erlaubt sein – sind lebende Zellen automatisierten Fabriken doch wesentlich ähnlicher als Eiskristallen. Interessant ist in dem Zusammenhang eh, dass in solchen Leben-Technik-Vergleichen immer der derzeitige Stand menschlicher Technologie betont wird. Lebewesen seien komplexer als alles, was wir bisher bauen können. Wobei wir die Vorgänge in der Zelle heutzutage immerhin mit den Abläufen in modernen industriellen Fertigungsstraßen vergleichen können. Hätte man zu Darwins Zeiten in die Zelle sehen können, wäre man vermutlich auf überhaupt keine vergleichbare menschliche Technologie gekommen. In Zukunft wird man sich wohl in Bezug auf Selbtreparaturfähigkeit, Selbstreproduzierbarkeit, etc., immer mehr den biologischen Strukturen annähern. In Anbetracht dieser stetigen Weiterentwicklung, die von der Bionik auch angetrieben wird, wäre es vielleicht sogar angebrachter, nicht von einer Technik-Analogie, sondern von einer - zwar kühnen, aber grundsätzlich möglichen - Technik-Extrapolation zu sprechen.

Am Ende des Kapitel widmet sich Rammerstorfer noch dem möglichen Vorwurf, dass eine rein technische oder maschinelle Betrachtung des Lebens kalt und entwertend ist. Das gilt wohl vor allem in Bezug auf das Gehirn. Rammerstorfer schreibt:

Wäre beispielsweise das menschliche Gehirn tatsächlich vollständig als (unvorstellbar) komplexe Maschine beschreibbar [...] und dabei ein Phänomen wie beispielsweise die Liebe zu einem Mitmenschen erzeugt, dann würde dies an sich diese Liebe noch nicht entwerten.

(Seite 34/35)

Interessanterweise ist er damit offen für eine rein materialistische Erklärung des menschlichen Geistes, entscheidend wäre dann nur noch die Entstehung dieser „Geist-Maschine“. Im Prinzip bin ich das auch, aber ich stelle trotzdem ein gewisses Unbehagen gegenüber dieser Vorstellung fest. Wäre das Ich-Bewusstsein einer Person komplett durch, sozusagen, rein materielle Prozesse einer komplexen Maschine produzierbar, dann bestünde zumindest rein theoretisch die Möglichkeit, eben diese Prozesse in einer gleichermaßen komplexen Maschine nachzubilden. (Und welcher Naturalist würde grundsätzlich bestreiten, dass wir nicht irgendwann genauso komplexe Strukturen wie Gehirne erzeugen könnten...) Man könnte also rein theoretisch das Ich vervielfältigen und eine Maschine oder ein Gehirn bauen, das glaubt, auch 'ich' (also in meinem Fall Martin Funke) zu sein. Im Endeffekt müsste man sich dann konsequenterweise vom Begriff des Individuums verabschieden, denn ursprünglich bedeutet Individuum ja 'Das Ungeteilte'. Darin besteht wohl auch der Vorteil von platonischen Konstrukten wie der 'unsterblichen Seele', dass sie jedem Bewusstsein eine absolute Einmaligkeit garantieren. Das aber nur „off-topic“ und als Randgedanke, zu dem man gesondert etwas mehr schreiben könnte...

Ein sehr interessantes Thema ist wie schon in „Nur eine Illusion?“ das Spannungsfeld zwischen Sprache und Teleologie. Sehr schön auf den Punkt gebracht wird dieser Konflikt durch ein Zitat von Hans-Dieter Mutschler:

Wenn in neueren biologischen Publikationen auf Schritt und Tritt teleologische Begriffe vorkommen, so teilen sie uns mit, es sei nur „teleonomisch“ gemeint. Die Teleologie sei eine abkürzende Redeweise für etwas, das sie auch rein kausalmechanisch ausdrücken könnten, wenn sie nur wollten. Leider wollen sie nie.“

(zitiert auf Seite 39)

Die Vereinnahmung der Sprache und Erfindung neuer Begriffe grenzt teilweise an Lächerlichkeit. Teleonomie soll vermutlich ähnlich wie bei Astronomie Seriosität suggerieren, und Teleologie in die Astrologie-Schmuddelecke drängen. Richard Dawkins, der sich schon mit der Sprachschöpfung Meme als kreativer Geist erwiesen hat, wirft mit 'designoid' oder 'archi-purpose' und 'neo-purpose' ebenfalls schicke neue Wörter in den Raum. Während die einen vor der Verwendung teleologischer Begriffe warnen, schlagen andere wie Kenneth Miller gerade die Übernahme des „Kreationisten-Vokabulars“ durch die Evolutionsbiolgie vor. (Wobei letzteres ja eh längst praktiziert wird.)

Bemerkenswert ist auch hier wieder, dass das, was eigentlich bewiesen werden soll, bereits als prinzipiell gegeben vorausgesetzt wird. (Seit Darwin wissen wir... etc. pp.) Wie auch in meiner amazon-Kritik zum Buch geschrieben, kommt mir hier immer das Neusprech in Orwells 1984 in den Sinn. Zumindest scheint die Geschichte den Verdacht zu erhärten, dass, wer die Sprache manipulieren muss, die Realität nicht auf seiner Seite hat.

Weitere Themengebiete des Buches sind die sogenannte Dysteleologie, der methodische Naturalismus sowie das Argument, dass Design als alternative Erklärung Gott zum „Lückenbüßer“ degradiere. Bei letzteren wird ja gern behauptet, dass neue Erkenntnisse den angeblichen Lückenbüßer regelmäßig aus seiner Lücke vertreiben. Tatsächlich scheint es jedoch eher so, dass sich Dysteleologie-Argumente oft als verfolgte Lückenbüßer erweisen. Beispielsweise schrieb Kutschera 2001 in seiner Einführung in die Evolutionsbiologie, dass DNA-Schrott „im Widerspruch zum Konzept eines planenden Schöpfers“ stehe. (Zitat bei Rammerstorfer auf Seite 54) Mittlerweile ist man vorsichtiger mit Begriffen wie Junk-DNA. Der Leipziger Genetiker Mark Stoneking meint beispielsweise „Das, was wir für Genschrott gehalten haben, zeigt uns jetzt, wie naiv wir waren“. Man benutzt zum Teil also Argumente aus Unwissenheit oder Naivität, die durch zunehmendes Wissen aus ihrer Lücke vertrieben werden - genau das, was man der „Gegenseite“ unterstellt.

Zum Kapitel „Teleologie nach Darwin“ muss ich gestehen, dass ich hier die Argumentation mit dem Ursache-Wirkung-Paradoxon nicht wirklich verstanden habe.

Letztendlich bleibt als letzter „Gegner“ eigentlich nur noch der methodologische Naturalismus übrig, wie Lewontin oder Carroll auch einräumen. Dieser Materialismus ist nach Lewontin absolut, man könne sich „keinen göttlichen Fuß in der Tür erlauben“. Das ist ja im Prinzip völlig unabhängig davon, ob man tatsächlich plausible naturalistische Mechanismen findet oder nicht. Auch hier wird wieder deutlich, dass es in der Kontroverse oft eigentlich gar nicht um die Details geht, um die es gehen sollte. Rammerstorfer schreibt treffend, dass eine ausschließlich an naturalistischen Erklärungen interessierte Wissenschaft davon abrückt, eine aufrichtige und ehrliche Wahrheitssuche zu sein. ("Intentionales Design in der belebten Natur ist eine Illusion, weil der methodologische Naturalismus es ausschließt" wäre auch eine seltsame Schlussfolgerung)

Im Anhang geht Rammerstorfer noch auf die gern eingebrachte Frage „Und wer schuf den Designer?“ ein. Obwohl es im direkten Vergleich zu „Nur eine Illusion?“ keine spektakulären Neuerungen gibt, denke ich, lohnt sich der Erwerb des Buches auch für Personen, die die Ursprungsthematik bereits seit längerem verfolgen.