Freitag, 19. Oktober 2007
Schutz für Björn und Sören
Im Zuge dessen soll die Zahl der Inspektionen von sowohl staatlichen als auch unabhängigen Schulen verdoppelt werden. Zudem sollen anonyme Schenkungen für Schulen verboten werden. Harte Zeiten also für schwedische Kreationisten, die - wie alle Kreationisten - versessen darauf sind, ihre potentiell menschenrechtsgefährdenden Ideen in Lehrplänen
zu installieren.
Schade eigentlich, Intelligent Design an schwedischen Schulen wünscht sich wohl jeder, der schon einmal mit Akkuschrauber in der einen und Bedienungsanleitung in der anderen Hand gegen diverse IKEA-Möbel gekämpft hat. (Ok, ich gebs zu, der war flach...)
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Das Dawkins-Mem
Hintergrund war die Verleihung des Deschner-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung an Dawkins, was teilweise einher ging mit Berichten zu Büchern wie "Wo bitte geht's zu Gott?, fragte das kleine Ferkel".*
* Vertreter von ID oder Kreationismus werden bereits für das Verfassen von Lehrbüchern für die Oberstufe als Gefahr eingestuft. Hier handelt es sich um ein Kinderbuch.
Freitag, 5. Oktober 2007
50 Jahre Raumfahrt...
Von Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum (außerhalb der Erde, müsste man eigentlich der Genauigkeit halber hinzufügen) ist eigentlich nur ein mehr oder weniger berühmtes Zitat überliefert: "Ich war im Himmel und habe mich genau umgesehen. Es gab keine Spur von Gott."

Klingt eigentlich eher nach etwas, was von der Partei in den Mund gelegt wurde. Vor allem auch, weil sich die Aussprüche späterer Kosmo- und Astronauten meist etwas beeindruckter und emotionaler lesen. Die Astronauten Borman, Lovell (später an Bord von Apollo 13 und noch später von Tom Hanks im gleichnamigen Film verkörpert) und Anders, die im Dezember 1968 als erste Menschen den Mond umrundeten, änderten ihre Weihnachtsansprache aus dem All sogar spontan vom Matthäus-Evangelium zu Genesis 1.
Umso erstaunter war ich, als ich im SPIEGEL* las, dass der Präsident der atheistischen Freidenker Amerikas, Joseph Lewis, sich bereits anlässlich von Sputnik zu einer ähnlich Äußerung hinreißen ließ: "Der Satellit hat im Himmel keinen Gott entdeckt." (*in einem ansonsten sehr lesenswerten Artikel) Zumindest in diesem infantilen Verständnis von Atheismus lagen Russen und Amerikaner also schon gleichauf...
Dienstag, 25. September 2007
Dienstag, 18. September 2007
Der Wert eines zufälligen Lebens
Fritz Poppenberg, der Berliner Filmemacher, der sich mit evolutionskritischen Filmen wie „Gott würfelt nicht“ angeblich eine goldene Nase verdient, widmet sich in seinem neusten Film dem Thema Abtreibung.* In „Maria und ihre Kinder“ geht es um eine sogenannte Gehsteigberaterin, die versucht, Frauen vom Gang in die Abtreibungsklinik abzuhalten und auf diese Weise schon mehrere hundert Kinder vor dem Tod bewahren konnte.
Die legale Tötung der eigenen Leibesfrucht ist eines der „Menschenrechte“, die – wie Vertreter eines evolutionären Humanismus gern betonen – gegen den Widerstand der Kirchen erkämpft wurde. Oft mit Ausnahmesituationen wie Lebensgefahr für die Mutter oder Vergewaltigung begründet, sterben in der Praxis ungezählte Kinder aus rein wirtschaftlichen Erwägungen. Heute geht die Kritik an der alltäglichen Abtreibungspraktik vor allen von katholischen Kreisen aus. In der Kontroverse um Abtreibung spiegeln sich Ansichten über Leben an sich wider – wann beginnt Leben, ab wann hat es einen Wert, hat es überhaupt einen grundsätzlichen, einfach gegebenen Wert, der sich nicht gegen andere Leben aufrechnen lässt, etc.
Die Fronten erscheinen so, dass Kritik an Abtreibung vor allen von Gläubigen ausgeht, während „aufgeklärte“ Geister sie als Frauenrecht oder zumindest notwendiges Übel sehen.
Doch – dumm gefragt – muss man wirklich ein gläubiger Mensch oder gar Christ sein, um die staatlich subventionierte und massenhaft betriebene Entsorgung von „Schwangerschaftsgewebe“ abzulehnen? Als jemand, der selbst eine zeitlang Agnostiker war, bezweifle ich das.
Eine Ablehnung von Abtreibungen lässt sich auch ohne religiösen Bezugnahmen begründen. Richard Dawkins, einer der Wortführer der 'neuen Atheisten', sagt in der von ihm produzierten, zweiteiligen Dokumentation „The Root of all Evil?“ gegen Ende:
„We are going to die, and that makes us the lucky ones. Most people are never going to die, because they are never going to be born. The number of people who could be here in my place outnumbers the sand grains of Sahara. If you think about all the different ways our genes could be permuted, you and I are quite grotesquely lucky to be here: the number of events that had to happen in order for you to exist, in order for me to exist. We are privileged to be alive and we should make the most of our time on this world.“**
Praktisch also ein Plädoyer für das Leben, und eine Begründung seines Wertes aus der absolut einmaligen und unwiederholbaren Verkettung der Umstände seiner Entstehung. Die zahllosen „ways our genes could be permuted“ sind aber mit dem Vorgang der Befruchtung der Eizelle besiegelt; ab diesen Moment hat das neubegonnene Leben seinen einmaligen Wert, ist „privileged to be alive“.
Es könnten also rein theoretisch genauso gut Atheisten vom Schlage eines Richard Dawkins sein, die sich aus reinem Idealismus Tag für Tag vor Abtreibungskliniken stellen und Müttern und Vätern die Hilfe anbieten, die sie benötigen, um ihren Kindern das Privileg des Lebens zu gönnen.*** Sind es aber nicht. Welche Hoffnung besteht eigentlich angesichts dessen, dass ein „evolutionärer Humanismus“ sich nicht nur an den pragmatischen Bedürfnissen einer meinungsfähigen Mehrheit orientiert?
Uraufführung von „Maria und ihre Kinder“ am 22. September um 19 Uhr in der Urania Berlin. Näheres unter www.dreilindenfilm.de . (Trailer zum Film auf TooCrazyFilms)
* Vermutlich wurden Poppenberg die enormen Einnahmen aus seinen evolutionskritischen Filmen mittlerweile schon selbst unheimlich, dass er sich jetzt einem anderen Thema zuwendet. Oder die Geldspeicher sind so voll, dass kein Kopfsprung in die Münzen mehr möglich ist. (Im Ernst: Wäre Kreationismus ein so florierendes Business wie Abtreibung, könnten sich Kutschera und Co. warm anziehen.)
** "The Root of all Evil? - Teil 1" auf Google Video
"The Root of all Evil? - Teil 2" auf Google Video
*** Praktisch alle Frauen, die sich durch eine derartige Gehsteigberatung für ihr Kind entschieden haben, sind dankbar und glücklich über diese Entscheidung. Das wirft ein interessantes Licht auf den so oft beschworenen Rechtekonflikt Frau versus Kind.
Samstag, 25. August 2007
ID-Werbung in Berlin


Sonntag, 29. Juli 2007
Im Land der Blinden
"The Country of the Blind" erzählt von einem Bergsteiger, der durch einen Unfall in den Ecuadorischen Anden in ein, vom Rest der Welt isoliertes Dorf gelangt, dessen Bewohner seit der 14. Generation blind sind. Wells verkehrt mit der Geschichte die Aussage der eingangs erwähnten Redensart ins Gegenteil. Der Sehende wird nicht zum König, denn er redet für die Dorfbewohner nur wirres Zeug (Vokabular für sichtbare Dinge ist logischerweise verschwunden), er stolpert in ihren dunklen Häusern, und durch die verbesserten restlichen Sinne der Blinden bringen seine funktionierenden Augen keinen Vorteil. Im Gegenteil, er wird zum bemitleidenswerten Sonderling, und am Ende verlangt man von ihm sogar, seine Abnormalität heilen, d.h. seine Augen entfernen zu lassen, um von der Gemeinschaft akzeptiert zu werden.*
An diese Geschichte musste ich kürzlich in einer Diskussion um methodischen Naturalismus (MN) und Intelligent Design denken. ID-Vertreter argumentieren, dass ein dogmatisch angewendeter MN nur naturalistische Ursachen erlaube, unabhängig davon, ob es diese auch immer gibt. In diesem Sinne ist man zwar nicht blind, schränkt aber das, was man sehen kann, von vornherein ein - weil es in der wissenschaftlichen Gemeinde so üblich sei und bisher auch erfolgreich praktiziert wurde. ID-Vertretern wird vorgeworfen: "Ihr schließt einen übernatürlichen Designer nicht aus, genau das macht man aber in der scientific community." Eine freiwillige Beschränkung der Sicht würde also auch hier zur Akzeptanz der Gemeinschaft führen.**
* Die Geschichte hat gewisse Parallelen mit Platons berühmten Höhlengleichnis.
** Wenn man´s glaubt. ;)
Freitag, 27. Juli 2007
Size Doesn´t Matter
Mit dieser Meldung kann man sich nun erneut die Frage stellen, warum unser Gehirn so groß ist, wenn 10 % davon bereits einen, unter evolutionären Bedingungen völlig ausreichenden Überlebensvorteil darstellen (Vor allem unter Aspekten wie dem Energieverbrauch und dem Geburtsvorgang).
Donnerstag, 19. Juli 2007
Neue Flugtheorie bedroht Leben von Piloten und Fluggästen!
Doch der angebliche Aeronautik-Experte David Anderson erhebt über hundert Jahre nach Lilienthal Einspruch. Seiner Meinung nach entstehe Auftrieb nicht dadurch, dass durch die Wölbung an der Unterseite des Flügels die Luft dort schneller fließe, und durch den größeren Druck unterhalb des Flügels die Maschine nach oben gedrückt wird. Er beruft sich stattdessen auf den sogenannten Coanda-Effekt. Seine scheinbar revolutionären Thesen hat Anderson denn auch in einem - auf den ersten Blick ansprechend und professionell wirkenden - Buch verpackt: Understanding Flight ...
Man muss schon ein Experte sein, um die von Anderson genannten Fakten verstehen und differenzieren zu können. Die große Masse wird jedoch weiterhin in Flugzeuge steigen, ungeachtet der Gefahr, die von Andersons Theorien - die Aerodynamik von Flügeln betreffend - ausgehen!
A physical description of lift
Dienstag, 17. Juli 2007
X-Men in Tschernobyl
Mutation: it is the key to our evolution. It has enabled us to evolve from a single-celled organism into the dominant species on the planet. This process is slow, and normally taking thousands and thousands of years. But every few hundred millennia, evolution leaps forward.Mit diesen bedeutungsschwangeren Worten beginnt das 2000er Action-Comic-Spektakel „X-Men“. Die von Patrick Stewart vorgetragene Einleitung könnte aber gleichzeitig als das Credo für das gelten, was Comics-Fans als die Silberne Ära bezeichnen. Nachdem die Goldene Ära von Superman, Batman und Captain America mit dem Zweiten Weltkrieg zuende ging, erlebten die bunt kostümierten Recken vor allem dank des Autoren Stan Lee in den Sechzigern eine Wiederauferstehung.
Während die X-Men ihre Fähigkeiten – ähnlich wie Superman – der ganz normalen Evolution verdanken (die auf Krypton eben weiter fortgeschritten war als auf der Erde*), gehen die Kräfte fast aller Helden der Silbernen Ära auf Mutationen zurück, die durch unfreiwilligem Kontakt mit radioaktiver Strahlung ausgelöst wurden. Die bunten Heftchen illustrieren damit den Zeitgeist der Sechziger; einen durch Raumfahrt, Atomenergie und Evolutionsforschung (Miller und Urey erhellten mit ihren Geistes- und Entladungsblitzen gerade die Klassenzimmer) oft ins Phantastische übersteigerten Wissenschafts-Wunderglauben.
Selbstverständlich gingen diese, eher notdürftig an wissenschaftliche Erklärungen angepassten modernen Volksmärchen selbst an der damaligen wissenschaftlichen Realität meilenweit vorbei. Ein bereits im Eingangstext verstecktes Paradoxon ist beispielsweise, dass es entgegen dem landläufigen Verständnis von Evolution als über Äonen hinweg wirkendem Mechanismus eher saltationistische Punkt-Mutationen sind, die den Protagonisten zu ihren Fähigkeiten verhelfen. (Insofern sind Kreaturen wie der Hulk wohl eher 'hopeful monsters', ähnlich wie das menschenfressende Monster im Horrorfilm „Das Relikt“) Nichtsdestotrotz ist es aus heutiger Sicht sehr interessant, wie etwas so erwiesenermaßen unangenehmes und tödliches wie starke radioaktive Strahlung mit einer Aura des Wundersamen und sogar Heilsbringendem versehen wurde.** Das ist in etwa so, wie wenn heute auf jeder zehnten Zigarettenschachtel ein Aufdruck kleben würde, der darauf hinweist, dass exzessiver Nikotin- und Teer-Genuss in sehr seltenen Fällen auch wundervoll positiv auf die Gesundheit wirken kann.***
* Ursprünglich konnte Supi einfach nur meilenweit springen. Für Verfilmungen wurde das jedoch gegen ein Fliegen ausgetauscht, was zwar besser aussieht, evolutionstechnisch jedoch weniger Sinn ergibt.
** 1) Interessant sind in dem Punkt moderne Verfilmungen dieser Comics. Im 2002er Spider-Man beispielsweise ist die Spinne, deren Biss Parker verwandelt, nicht mehr durch Strahlung mutiert, sondern gezielt genmanipuliert. Praktisch wurde also Zufall als Erklärung gegen eine Art intelligent design ausgetauscht.
2) Tschernobyl ernüchterte zwar erst die Achtziger, im russischen „Chemiekombinat“ Majak ereignete sich jedoch bereits 1957 eine nukleare Havarie, die zwar nicht zuletzt dank sowjetischer Nachrichtenpolitik weniger bekannt ist, trotzdem jedoch weit mehr Schaden an Mensch und Umwelt anrichtete.
*** Da Krebs als Mutation von Genen gesehen wird, die für das Wachstum von Zellen verantwortlich sind, wäre ein solcher Hinweis auf Zigarettenschachteln selbst nach heutigem Verständnis nicht völlig abwegig.

